Deutschland, Russland und der Elefant im Raum

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
21.02.2019 19:47
Deutsche und russische Wirtschaftsleute versuchten in Berlin, sich in Zeiten von Sanktionen der gegenseitigen Wertschätzung zu versichern.
Deutschland, Russland und der Elefant im Raum

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am Donnerstag fand in Berlin der 6. Russland-Tag der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer statt. Vertreter der russischen und deutschen Wirtschaft sowie Politiker und Verbandsfunktionäre versuchten eine Standortbestimmmung in einer Beziehung, in der beide Partner klar erkennen ließen, dass sie von einem Dritten an dem Ausbau der Beziehungen gehindert werden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vermied es jedoch, die US-Regierung ausdrücklich zu erwähnen und zitierte statt dessen Bismarck, der seine Generäle davon abgehalten hatte, einen Krieg gegen Russland anzuzetteln. Doch Altmaier ging nicht so weit, sich entschieden gegen die Sanktionen auszusprechen - wohl auch, weil er schon weiß, dass die Sanktionen weiter verlängert und vermutlich von der US-Regierung noch verschärft werden. Vor allem aber wurde aus Altmaiers blumigen Ausführungen klar, dass er gar nichts ändern kann - selbst, wenn er wollte.

Russlands Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Maxim Oreschkin, sagte, die Sanktionen richten sich eigentlich gegen die EU und appellierte an die deutschen Vertreter, sich zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die Produktion aus den USA abzuziehen und nach Russland zu verlagern. Von dort sei man auch schneller in China.

Zahlreiche Gesprächspartner, die wegen der Sensibilität des Themas nicht namentlich zitiert werden wollen, sagten, dass sie mit einer langen Eiszeit rechneten. Mindestes 12 Monate, und eher länger, werde es das Sanktionsregime noch geben. Daher zögern viele Unternehmen noch immer, in Russland zu investieren. Einer der Hauptgründe ist die Angst, unter dem Sanktionsregime Fehler zu machen. Daher verursachen Papier- und Sicherheitsüberprüfungen zusätzliche Kosten für Unternehmen. Auch die negative Berichterstattung der Medien über Russland wurde als Grund für deutsche Unternehmen angeführt, sich vor dem Beginn der Geschäftstätigkeit in Russland eher zu überlegen. Der Druck der USA auf die EU, Nord Stream 2 zu stoppen, wird als negativ für das Geschäftsklima empfunden und schadet sogar Branchen außerhalb des Energiesektors.

Deutsche und russische Finanzfachleute wiesen auf die Stabilität der russischen Währung und des russischen Banken-Sektors hin. Roland Boehm von der Commerzbank lobte die Bemühungen der russischen Zentralbank. Der Bank sei es gelungen, das russische Finanzsystem durch schwierige Zeiten zu führen. Die russischen Banken seien stabiler als noch vor wenigen Jahren, sagte Böhm. Oreschkin sagte, der Rubel sei zu einer stabilen Währung geworden, die den Anlegern Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität gibt. Russlands Währungspolitik folgt dem norwegischen Modell, bei dem die Regierung einen Mechanismus zur Veränderung der Ölpreise entwickelt hat, der sehr gut funktioniert, sagte Oreschkin.

In Moskau unterstrich unterdessen Außenminister Lawrow, dass sich der Handel zwischen der EU und Russland positiv entwickle. Der Handelsumsatz zwischen Russland und der Europäischen Union habe im zweiten Jahr in Folge zugenommen, sagte der russische Außenminister, Sergej Lawrow, am Donnerstag, laut TASS. „Im zweiten Jahr in Folge ist der Handelsumsatz zwischen Russland und der Europäischen Union gestiegen - um 20%. Es nähert sich der Marke von 300 Milliarden Dollar “, sagte der Minister.

Lawrow erinnerte daran, dass das bilaterale Handelsvolumen immer noch niedriger ist als 2014 (440 Mrd. USD). "Dennoch beobachten wir tendenziell einen Anstieg des Wachstums des Warenumsatzes", sagte er.

Rainer Lindner von Schaeffler sagte beim AHK-Forum, dass der "globale Druck auf die Unternehmen stetig wächst". Das betrifft nicht nur die Sanktionen, sondern auch die Zinsen. Commerzbank-Mann Boehm wies darauf hin, dass die russischen Unternehmen hohe Zinsen für Investitionen zahlen müssten - während die deutschen Unternehmen von den niedrigen EZB-Zinsen profitieren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
DWN
Finanzen
Finanzen Irren die Lehrbücher? Zentralbanken pumpen Milliarden ins System - aber die Inflation bleibt aus

Seit über zehn Jahren überschwemmen die Zentralbanken die Welt mit Geld, aber die Inflation scheint auszubleiben. "Scheint", betont...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutscher Stahl: Auch heute noch das Rückgrat der Volkswirtschaft

Auch im Zeitalter der Digitalisierung bildet die Stahlbranche noch immer das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft.

DWN
Politik
Politik Spahn treibt digitale Patienten-Akte voran: Kritik an Einführung einer „unausgereiften“ Version Anfang 2021

Die Bundesregierung treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran. Anfang 2021 wird die elektronische Patientenakte kommen – in...

DWN
Technologie
Technologie Markt für Smartcards wächst auf über 10 Milliarden Dollar

Smartcards, die oft in großen Unternehmen als eine Art digitaler Ausweis zum Einsatz kommen, werden immer wichtiger. Die Umsätze ihrer...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Statistiken werden in großem Stil gefälscht: In Wahrheit sind ein Drittel aller Amerikaner arbeitslos

In den offiziellen US-Statistiken werden Abermillionen von Arbeitslosen aufgrund von gezielten Tricksereien und Statistik-Fälschungen...

DWN
Politik
Politik Neue globale Verantwortung: Deutschlands Marine muss die Freiheit der Seewege schützen

Was bedeutet der Abzug von 9.500 amerikanischen Soldaten aus Deutschland? Wie soll unser Land in Zukunft sicherheitspolitisch agieren?...

DWN
Finanzen
Finanzen Corona-Insolvenzwelle, Teil 5: Die erste deutsche Universität steuert auf die Pleite zu

Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Finanzprobleme machen auch vor dem deutschen Bildungssektor nicht Halt. Nun kämpft die erste...

DWN
Politik
Politik Funkstille zwischen China und den USA: Das Risiko einer militärischen Eskalation im Pazifik ist so hoch wie nie zuvor

Im Südchinesischen Meer verschärfen sich die bestehenden Spannungen. Das Risiko ernster Zwischenfälle ist Experten zufolge so hoch wie...

DWN
Deutschland
Deutschland US-Höchstgericht urteilt im Besitz-Streit um den Welfenschatz der Preußen-Stiftung

Der höchste Gerichtshof der USA soll klären, ob die Stiftung Preußischer Kulturbesitz rechtmäßiger Eigentümer des Welfenschatzes ist....

DWN
Politik
Politik Aufruhr in der Karibik: Niederlande aktivieren Soldaten zur Eindämmung schwerer Unruhen auf Curacao

Auf der zu den Niederlanden gehörenden Karibikinsel Curacao sind Unruhen ausgebrochen. Den Haag aktiviert seine dort stationierten...

DWN
Deutschland
Deutschland Konjunktur-Prognose des ifo-Instituts zu optimistisch? Fehlt auch nur ein Baustein, bricht das Kartenhaus zusammen

DWN-Gastautor Michael Bernegger und DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph liefern eine Einschätzung der ifo-Prognose, der zufolge die deutsche...

DWN
Politik
Politik Einbruch-Serie erschüttert Europaparlament: Dutzende Büros aufgebrochen, Akten und Computer gestohlen

Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden im Europaparlament in Brüssel in den vergangenen Wochen dutzende Abgeordneten-Büros aufgebrochen und...

DWN
Politik
Politik Frankreichs Regierung tritt komplett zurück

Nach dem Debakel bei der Kommunalwahl muss sich Frankreichs Regierung komplett neu aufstellen.

DWN
Technologie
Technologie Wasserstoff: Die Lösung aller Antriebs-Probleme beim Auto?

Der Experte Timm Koch plädiert im großen DWN-Interview für das Auto mit Brennstoffzellen-Antrieb, der auf Wasserstoff basiert.

celtra_fin_Interscroller