Unternehmen

Sorge im Mittelstand: EADS sortiert kleine Zulieferer aus

Lesezeit: 2 min
06.09.2013 02:23
EADS hat angekündigt, die Zahl seiner Zulieferer deutlich zu reduzieren. Der deutsch-französische Konzern will nur noch mit Unternehmen zusammenarbeiten, die mehr als 100 Millionen Euro Umsatz machen. Das Beispiel könnte Schule machen und den deutsche Mittelständlern ernste Probleme bereiten.
Sorge im Mittelstand: EADS sortiert kleine Zulieferer aus

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS will künftig mit wesentlich weniger Zulieferfirmen zusammenarbeiten. Solche Zulieferer, die einen jährlichen Umsatz unter 100 Millionen Euro machen, werden keine Aufträge mehr von EADS erhalten. „Eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen generiert solche Umsätze nicht“, sagte Michael Hoffmann den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Hoffmann ist Vorsitzender des Vereins Aviabelt, in dem sich 50 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen der Luft- und Raumfahrtindustrie aus der Metropolregion Bremen-Oldenburg zusammengeschlossen haben. Für EADS sei entscheidend, dass viele kleine Zulieferer finanziell „gar nicht in der Lage dazu sind, die finanziellen Rahmenbedingungen zu bewältigen“.

Je weniger Zulieferer EADS habe, desto einfacher sei es, die Aufträge zu bewältigen. Das bringe Einsparungen bei EADS, sagte Hoffmann. Die Zulieferer würden EADS in Zukunft nicht mehr als direkten Kunden haben, sondern stärker mit anderen Zulieferern kooperieren.

EADS-Chefeinkäufer Charles Huguet begründete die Entscheidung damit, dass die Zahl der Flugzeuge in den nächsten Jahren rasant steigen werde, berichtet die Nordwest-Zeitung anlässlich des ersten Aviations Partnerschafts-Tages in Niedersachsen.

Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage werde sich bis 2030 fast verdoppeln. Als Gründe dafür gelten die starke Nachfrage aus den Schwellenländern sowie die Überalterung der Flotten, so Hoffmann.

Aktuell ist die Situation etwas anders: Im Juli gingen die Aufträge der deutschen Industrie saisonal und inflationsbereinigt um 2,7 Prozent zurück. Im Vormonat waren sie um 5 Prozent gestiegen, da Milliarden-Bestellungen aus der französischen Luftfahrtindustrie die Auftragsbücher deutscher Fabriken füllten. Für den Bau neuer Flugzeuge gab Paris insgesamt 52 Milliarden Euro aus, das meiste davon kam vom Flugzeugbauer Airbus.

Der Auftragseinbruch im Juli war jedoch fast dreimal stärker als erwartet. Experten hatten einen Auftragsrückgang von einem Prozent erwartet, berichtet Bloomberg und beruft sich dabei eigene Umfrageergebnisse. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Aufträge um 2 Prozent gestiegen, wenn man die Zahl der Arbeitstage anpasst.

„Ein Rückschlag war zu erwarten, nachdem die Aufträge aus dem Vormonat von den Massenbestellungen in die Höhe getrieben wurden“, sagte Gerd Hassel, Ökonom bei der BHF Bank AG in Frankfurt. „Aber ich würde daraus keine Geschichte machen. Die Erholung ist intakt und wird sicher weitergehen.“ Die Aufträge aus dem Ausland gingen um 4,5 Prozent zurück.

EADS stellte heraus, dass es nicht darum geht, kleinere und umsatzschwächere Zulieferer loszuwerden. Diese sollten sich aber neu aufstellen und künftig stärker mit der Firma Broetje, dem Top-Zulieferer von Airbus, zusammenarbeiten.

So eine Zusammenarbeit hat aber ihre Grenzen, da die Messlatte an die Zulieferer angehoben wurde. „Diese kleinen Firmen müssen finanziell sehr gesund sein und dürfen keine große Bankenfinanzierung in Anspruch nehmen“, sagte Bernd Schröder, Geschäftsführer Broetje-Automation. Die Zulieferer, die also einen kleineren Umsatz als 100 Millionen Euro pro Jahr haben und auf eine Finanzierung angewiesen sind, müssen sich selbst helfen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Es wird knallen: In der Euro-Zone erhebt sich ein großer Berg aus faulen Krediten

In der Euro-Zone werden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund der Corona-Krise untergehen. Das Problem ist nur, dass...

DWN
Politik
Politik Corona-Lockdown: Wie aus einer angeblichen „Fake News“ bittere Realität wurde

Am 14. März 2020 teilte das Bundesgesundheitsministerium mit: „! Achtung Fake News ! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaftsweise: Gefahr von Insolvenzen mit Dominoeffekten ist groß

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, die Insolvenzmeldepflichten für coronageplagte Betriebe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nicht normal: Am Tag des „Sturms auf das Kapitol“ gab es Kursgewinne an den US-Börsen

Wenn von einem „Sturm auf das Parlament“, einem „Sturm auf das Kapitol“ oder einem „Putschversuch“ die Rede ist, krachen die...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Politik
Politik Ursprung des Corona-Virus: China zeigt mit dem Finger auf „Fort Detrick“ in den USA

Das chinesische Außenministerium fordert, dass das US-Biolabor „Fort Detrick“ geöffnet wird, um den Ursprung des Corona-Virus...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch: Uni Bayreuth entwickelt neue Theorie zur Entstehung des Sonnensystems

Forscher der Uni Bayreuth haben gemeinsamen mit Forschern der University of Oxford, der LMU München, der ETH und der Universität Zürich...

DWN
Politik
Politik Ost-Ukraine: Kriegsparteien werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor

Im Osten der Ukraine kommt es zum Bruch des Waffenstillstands. Die Ukraine und pro-russische Kräfte werfen sich gegenseitig vor, den...

DWN
Politik
Politik Russischer Sicherheitsdienst FSB verhindert Anschlag auf Polizeibeamte

Der russische Bundessicherheitsdienst (FSB) hat einen Terroranschlag auf Polizeibeamte vereitelt und einen russischen Staatsbürger...

DWN
Politik
Politik Handlanger fremder Interessen: Die Wissenschaften auf Irrwegen

Nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern längst auch die Naturwissenschaften bringen der Menschheit keine Fortschritte mehr, sondern...

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler von Elite-Uni warnen vor Lockdown: Massive Folgeschäden wahrscheinlich - doch Studie wird ignoriert

Eine Gruppe von Professoren einer der weltbesten Universitäten kommt in einer am 5. Januar dieses Jahres veröffentlichten Studie zu dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Großkonzerne profitieren von Corona-Krise, während der Mittelstand ausblutet

Während der Mittelstand in Deutschland vor dem Aus steht, haben Großkonzerne während der Corona-Krise sogar profitiert.

DWN
Deutschland
Deutschland Chaos am BER: Angestellte bekommen seit Wochen Stromschläge

Drei Monate nach der Eröffnung des Chaos-Flughafens wird von sonderbaren Defekten berichtet.

DWN
Politik
Politik Jetzt geht's wieder los: Syrien-Krieg nimmt an Fahrt auf

In Syrien kommt es erneut zu beunruhigenden Entwicklungen. Die Terror-Milizen IS und HTS sind wieder zurück. Die Lage in Idlib steht vor...