Finanzen

JPMorgan startet globales Blockchain-Zahlungsnetzwerk mit 80 japanischen Banken

Weltweit haben sich bereits mehr als 360 Banken dem Blockchain-Zahlungsnetzwerk von JPMorgan angeschlossen. Besonders stark ist das Interesse in Japan, wo das Netzwerk im Januar starten soll.
15.12.2019 16:00
Lesezeit: 2 min
JPMorgan startet globales Blockchain-Zahlungsnetzwerk mit 80 japanischen Banken
Zum Tag des Kindes werden in Tokio zahlreiche bunte Fische aufgehängt. (Foto: dpa) Foto: Rodrigo Reyes Marin

Das Interbank Information Network (IIN) der US-Investmentbank JPMorgan Chase, das auf der hauseigenen Blockchain-Plattform Quorum basiert, soll den Zahlungsverkehr beschleunigen und sich den großen Herausforderungen des Datenaustauschs zwischen den Banken stellen. Das Blockchain-Netzwerk stößt in Japan auf das größte Interesse. Hintergrund ist, dass die Banken des Landes ihre vergleichsweise schwachen Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche verstärken müssen.

Mehr als 80 japanische Banken haben erklärt, dass sie dem Interbank Information Network beitreten wollen, zitiert Bloomberg Daizaburo Sanai, einen leitenden Manager bei JPMorgan. In keinem anderen Land der Welt wollen so viele Banken dem Netzwerk beitreten, das weltweit 365 Kreditgebern im Netzwerk gewinnen konnte. Japans Banken könnten die Plattform nutzen, um ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche zu verbessern, weil sie das Durchleuchten von Geldempfängern "schneller und effizienter" macht, sagte Sanai.

Das Interbank Information Network (IIN) ist eine von mehreren Initiativen, die den globalen Geldtransfer mithilfe digitaler Technologien beschleunigen sollen. Auch Facebook hat an einem auf Blockchain basierenden globalen Zahlungssystem namens Libra gearbeitet und das internationale Banken-Zahlungsnetzwerk SWIFT integriert seinen neuen Zahlungsstandard GPI mit Blockchain, um die Transaktionsabwicklung zu beschleunigen.

JPMorgan hatte das IIN im Jahr 2017 als Pilotprojekt gestartet. "Es ist das erste skalierbare Peer-to-Peer-Netzwerk des Unternehmens, das auf Blockchain-Technologie basiert", heißt es auf der Webseite von JPMorgan. Und weiter: "Von der Minimierung von Reibungsverlusten im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bis hin zu der Möglichkeit, dass Zahlungen schneller und mit weniger Schritten die Begünstigten erreichen, trägt IIN dazu bei, die seit langem bestehenden Herausforderungen des Interbanken-Informationsaustauschs zu bewältigen."

Die von JPMorgan entwickelte Quorum-Blockchain ist eine Variante der Ethereum-Blockchain, die es dem IIN ermöglicht den angeschlossenen Banken den Informationsaustausch in Echtzeit, um zu überprüfen, ob eine Zahlung genehmigt wurde. In der Vergangenheit haben Korrespondenzbanken nur in eine Richtung kommuniziert, sagt Suresh Shetty, Blockchain Technology Lead for IIN. Doch das habe man mit dem IIN geändert, bei dem verschiedene Parteien gleichzeitig interagieren, Informationen anfordern und austauschen können.

Japans Banken stehen seit dem Jahr 2014, als die Financial Action Task Force erhebliche Mängel in dem Land feststellte, unter Druck, ihre Maßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verstärken. Die in Paris ansässige Organisation hat im November ihre letzte Inspektion in Japan beendet und plant, das Ergebnis im nächsten Jahr bekannt zu geben, zitiert Bloomberg einen Beamten des japanischen Finanzministeriums.

Die Minimierung von Verzögerungen durch Anfragen zwischen Banken könnte eine "schnelle Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, was ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Geldwäsche ist", sagte Takashi Endo, Leiter der Abteilung Treasury Operations bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Die in Tokio ansässige Bank gehört zu den Kreditgebern, die eine Absichtserklärung zur Teilnahme an der Plattform unterzeichnet haben.

JPMorgan will eigentlich noch dieses Jahr seine eigene Kryptowährung JPM Coin einführen. Zudem hat die zweitgrößte Investmentbank der Welt nach Goldman Sachs kürzlich ein neues Projekt für Derivate angekündigt, das den Transfer von Cash und Wertpapieren beschleunigen soll. Dazu hat JPMorgan laut einer offiziellen Ankündigung vom November eine Partnerschaft mit dem kalifornischen Fintech-Unternehmen Baton Systems geschlossen, das die sofortige Übermittlung von Transfers an mehrere Clearingstellen ermöglicht.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: TSMC sorgte für Zuversicht an der Wall Street und trieb die Aktienkurse nach oben
16.01.2026

Die US-Aktienmärkte bewegten sich am Donnerstag nach oben, als die aktuellen Ergebnisse des Chipherstellers TSMC die Investoren beruhigten...

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...

DWN
Politik
Politik Trumps Ölpolitik: Widerstand in der US-Ölindustrie wächst
15.01.2026

Die US-Regierung treibt einen energiepolitischen Kurs voran, der in der heimischen Ölindustrie auf wachsenden Widerstand stößt. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Reparaturpflicht für Smartphones und Waschmaschinen: Verbraucher profitieren
15.01.2026

Ab diesem Sommer gilt ein Recht auf Reparatur für Smartphones, Waschmaschinen und andere Geräte. Hersteller müssen Reparaturen während...

DWN
Finanzen
Finanzen Ray Dalio warnt: 38 Billionen US-Dollar Schulden und "wirtschaftlicher Herzinfarkt" der USA
15.01.2026

38 Billionen US-Dollar Staatsschulden belasten die USA wie ein Damoklesschwert. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, warnt vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle
15.01.2026

Die globalen Rohstoffmärkte geraten zunehmend unter den Einfluss geopolitischer Entscheidungen und strategischer Lagerpolitik. Der...

DWN
Immobilien
Immobilien Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen
15.01.2026

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geschäftsbericht: Weshalb Glaubwürdigkeit über den Geschäftserfolg entscheidet
15.01.2026

Geschäftsberichte gelten oft als lästige Pflicht. Doch hinter Tabellen und Kennzahlen entscheidet sich, ob Unternehmen glaubwürdig...