Technologie

China übt diplomatischen Druck auf die Färöer-Inseln aus

Wenn die Färöer-Inseln keinen 5G-Vertrag mit Huawei schließen sollten, werde es auch kein Freihandelsabkommen zwischen den Inseln und China geben, sagt der chinesische Botschafter in Dänemark.
17.12.2019 15:00
Lesezeit: 2 min
China übt diplomatischen Druck auf die Färöer-Inseln aus
Die Färöer Inseln: Idyll im Nordatlantik. (Foto: dpa) Foto: Thomas Eisenhuth

Chinas Botschafter in Dänemark, Feng Tie, hat bei einem Treffen mit dem färöischen Premierminister Bárour Nielsen gedroht, dass Peking kein Freihandelsabkommen mit der kleinen Inselgruppe (knapp 50.000 Einwohner) schließen würde, falls sie sich sich weigern sollte, ein 5G-Netzabkommen mit dem chinesischen Telekommunikations-Giganten Huawei zu unterzeichnen.

Das Treffen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, Details wurden nur durch einen technischen Fehler bekannt: Ein Mikrofon des öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalters "Kringvarp Føroy" war nicht ausgeschaltet worden. Die dänische Zeitung Berlingske berichtet: “Es ist das erste Mal, dass die chinesische Regierung den Zugang zum riesigen chinesischen Markt mit der Gewährung eines 5G-Vertrags an Huawei in Europa konditioniert.”

Die US-Botschafterin in Dänemark, Carla Sands, hatte zuvor die Färöer und Grönland vor einer Partnerschaft mit Huawei gewarnt, so der EU Observer. Die US-Regierung übt seit Monaten massiven Druck auf Länder weltweit aus, Huawei nicht am 5G-System zu beteiligen.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums bestritt jeglichen “Druck” auf die Inselregierung, sagte jedoch, dass die Wahrung der legitimen Rechte und Interessen chinesischer Unternehmen Teil des Auftrags eines Botschafters sei.

Der Handelsminister der Färöer Inseln Helgi Abrahamsen meint, dass eigentlich nichts gegen ein chinesisches 5G-Netz spreche. “Wir erhalten Anleitungen von der dänischen nationalen IT-Sicherheitsbehörde Cyber ​​Security, und sie haben bisher nicht davon abgeraten, mit Huawei zusammenzuarbeiten."

Huawei erhält nach Angaben der CIA finanzielle Zuwendungen von der Nationalen Sicherheitskommission Chinas, der Volksbefreiungsarmee und einem Zweig des staatlichen Nachrichtendienstes des Landes, berichtet The Times. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Bloomberg, dessen Gründer US-Präsident werden will, schreibt dazu: “In den vergangenen zehn Jahren haben sich Huawei-Mitarbeiter mit Mitgliedern verschiedener Organe der Volksbefreiungsarmee zu mindestens zehn Forschungsprojekten zusammengetan, die sich von künstlicher Intelligenz bis hin zu Funkkommunikation erstrecken.”

Die deutsche Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) berichtet: “Huawei ist maßgeblich am Aufbau einer umfassenden nationalen Überwachung in China beteiligt und arbeitet mit dem Ministerium für Staatssicherheit mithilfe neuer, innovativer Technologien zusammen.”

Huawei-Chef Liang Hua sagte im Mai 2019 bei einem Besuch in London, dass sein Unternehmen bereit sei, ein No-Spy-Abkommen zu unterzeichnen. Großbritannien befindet sich in einer Debatte darüber, ob China eine wichtige Rolle bei der Erweiterung der Infrastruktur des Landes auf 5G spielen soll oder nicht. “Wir sind bereit, ein No-Spy-Abkommen mit der britischen Regierung zu unterzeichnen”, zitiert der Guardian Liang Hua.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach 25 Jahren Verhandlungen: EU macht Weg für Mercosur-Abkommen frei
09.01.2026

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist der Weg für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten frei. Während...

DWN
Politik
Politik Atommülltransporte durch NRW: Gericht stärkt Genehmigung – Proteste gehen weiter
09.01.2026

Seit Monaten ist der Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen genehmigt. Nun hat ein Gericht den Widerstand des Umweltverbands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cybergefahr für Bankkunden: Sicherheitsamt warnt vor Betrugswelle
09.01.2026

Phishing-Mails, gefälschte Webseiten und Anrufe unter falschem Namen nehmen zu – Betrüger versuchen gezielt, an das Geld von Bankkunden...

DWN
Panorama
Panorama Berliner Blackout: Wegner startet Analyse des Krisenmanagements
09.01.2026

Nach dem öffentlichen Wirbel um sein Tennismatch während des Stromausfalls will Berlins Regierungschef Wegner verlorenes Vertrauen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Pflichtgefühl und Selbstfürsorge: So entscheiden sich Beschäftigte bei Krankheit
09.01.2026

Viele Arbeitnehmer stehen täglich vor der Frage, ob sie trotz Beschwerden zur Arbeit gehen oder eine Pause einlegen. Diese Entscheidung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regulierung für digitale Dienste: Strafverfolgung verlagert Verantwortung auf Firmen – Ihre Rechte
09.01.2026

Eine unscheinbare EU-Verordnung verändert das Machtgefüge zwischen Staat und Unternehmen. Digitale Dienste geraten stärker in die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand vor Umbruch: Viele Firmen stehen ohne Nachfolger da
09.01.2026

Der deutsche Mittelstand steht vor einem grundlegenden Wandel: Zahlreiche Unternehmen sehen sich mit einer Herausforderung konfrontiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kälte zehrt an den Reserven: Wie sicher ist die Gasversorgung im Winter?
09.01.2026

Anhaltende Minusgrade lassen den Gasverbrauch in Deutschland deutlich steigen, die Speicher leeren sich schneller als in den vergangenen...