Deutschland

Brauereien kündigen höhere Preise für Fassbier an

Die größte deutsche Brauereigruppe, die Radeberger Gruppe, hat eine deutliche Preiserhöhung für Fassbier angekündigt. Andere Häuser wie Krombacher folgen der Maßnahme.
07.01.2020 14:46
Aktualisiert: 07.01.2020 14:46
Lesezeit: 2 min
Brauereien kündigen höhere Preise für Fassbier an
Ein Bierfass. (Foto: dpa) Foto: Frank Leonhardt

Biertrinker müssen sich möglicherweise auf höhere Preise für frisch Gezapftes einstellen. Fassbier wird in vielen Fällen für die Gastronomie teurer. Der führende deutsche Bierhersteller, die Radeberger Gruppe, hebt für den Großteil seiner Produkte den Fassbierpreis Anfang März an, wie eine Sprecherin der Radeberger Gruppe der Deutschen Presse-Agentur sagte. Auch bei Krombacher steigen die Fassbierpreise, Veltins denkt über eine Erhöhung nach. Branchenexperte Niklas Other rechnet damit, dass die Aufschläge weitgehend beim Kunden am Tresen ankommen werden.

"Die Entscheidung, wie der Gastronom mit steigenden Kosten umgeht, liegt allein in dessen Hand", teilte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband lediglich mit. Die Preisgestaltung sei ein hohes unternehmerisches Gut. "Fakt ist, dass Fassbier in vielen unserer Betriebe sehr beliebt ist. Die Gäste schätzen ein frisch gezapftes Bier."

Ausgenommen von der Preisrunde bei Radeberger seien vor allem die Kölsch-Fassbiere der Gruppe und Fassbier der Marke Stuttgarter Hofbräu, sagte die Sprecherin. Zur Höhe der geplanten Preisanhebungen für die Gastronomie machte das Frankfurter Unternehmen keine Angaben. Zur Radeberger Gruppe gehören mehr als 40 Biermarken in Deutschland. Das Unternehmen erhöht auch für einen kleineren Teil seiner Flaschenbiere die Abgabepreise, darunter Schöfferhofer Weizen, Berliner Pilsner und Ur-Krostitzer.

Die Radeberger Gruppe begründete die Preiserhöhungen mit stetigen Kostensteigerungen, die nun nicht mehr intern kompensiert werden könnten. Dabei wird unter anderem auf höhere Logistik-, Energie- und Verpackungskosten sowie Investitionen in das Mehrwegsystem und Tariferhöhungen verwiesen. Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe hatte zuletzt vor rund zwei Jahren im Bereich Flaschenbier die Preise erhöht.

Die Privatbrauerei Krombacher hebt ebenfalls ihre Fassbierpreise im neuen Jahr an, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Krombacher ist laut einem Ranking des Branchenmagazins "Inside" die meistgetrunkene Biermarke in Deutschland. Die Privatbrauerei Veltins erwägt ebenfalls, den Fassbierpreis angesichts von Kostensteigerungen im neuen Jahr anzuheben. "Wir denken darüber nach", sagte ein Sprecher.

Bei den Erhöhungen handelt es sich zunächst nur um höhere Abgabepreise der Brauereien an Getränkefachgroßhandlungen, Gastronomie oder den Handel. Aber "Inside"-Herausgeber Niklas Other rechnet mit höheren Preisen für Biertrinker in Kneipen und Restaurants. "Der Bierpreis in Deutschland ist aber im internationalen Vergleich sehr günstig", erklärte er. Trotz rückläufigen Absatzes bleibe Bier einer der wichtigsten Umsatzbringer der Gastronomen.

Im vergangenen Jahr sank der Absatz von alkoholhaltigen Bier bis Ende November um 2,5 Prozent auf 8,52 Milliarden Liter, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die Brauer sehen den Hauptgrund darin, dass die Gesellschaft wie in ganz Europa altere und ältere Menschen weniger Bier trinken als jüngere.

Nach "Inside"-Einschätzung wird der Preisabstand zwischen Fassbier und Flaschenbier im neuen Jahr weiter zunehmen. Dass Fassbier zumeist deutlich teurer sei als Flaschenbier, sei für die Gastronomie nicht unbedingt hilfreich, sagte Other. Er geht davon aus, dass weitere Brauer den Fassbierpreis erhöhen.

Zumindest bei Dosenbier scheint es Entwarnung zu geben: Krombacher hat noch im alten Jahr eine angekündigte Preiserhöhung für Dosenbier nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen, wie der Sprecher des Unternehmens bestätigte. Krombacher gilt als die größte deutsche Dosenbiermarke. Dosen-Großabnehmer ist der Discounter Aldi.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Trump will Wähler mit Geld locken: „Einfach nur peinlich“
08.10.2026

Donald Trump verspricht jedem erwachsenen Amerikaner rund 4.450 Euro, wenn die Republikaner die Kongresswahlen gewinnen. Doch ausgerechnet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg bremst Deutschland weniger als erwartet
08.10.2026

Deutschlands Wirtschaft kommt trotz Iran-Krieg und hoher Energiepreise überraschend glimpflich davon. Doch der Aufschwung steht auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Schufa schlägt Alarm: Millionen Verbraucher kämpfen mit Zahlungsproblemen
08.10.2026

Die hohen Preise setzen immer mehr Verbraucher finanziell unter Druck: 2025 stieg der Anteil der Menschen mit Zahlungsstörungen auf 8,1...

DWN
Immobilien
Immobilien BEG-Reform: Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter
08.10.2026

Die Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter: Wer zu spät beantragt oder falsch plant, dem könnten Tausende Euro Zuschuss durch die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung: Neue Bürokratie macht Exporte unrentabel
08.10.2026

Ein paar Kartons, wenige Gramm Plastik und plötzlich Hunderte Meldepflichten: Die neue EU-Verpackungsverordnung stellt kleine Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
08.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie: Diese Geldmaschine schlägt alle anderen Chipkonzerne
08.10.2026

Nvidia verdient mit dem KI-Boom so viel wie kaum ein anderes Unternehmen der Welt. Auf das eingesetzte Kapital erzielt der Chipkonzern...

DWN
Panorama
Panorama Heereschef warnt: Russland baut Streitkräfte massiv aus
08.10.2026

Russland baut seine Streitkräfte weiter aus und steigert zugleich die Produktion von Drohnen und Raketen. Heeresinspekteur Christian...