Politik

Erdogan will die EU zu einer globalen Macht machen

In einer aktuellen Erklärung bekennt sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zur Einheit Europas. Das Corona-Virus zeige, dass die europäischen Nationen von ihren kurzfristigen nationalen Interessen ablassen müssen, um gemeinsam mit der Türkei die EU zu einem globalen Akteur zu machen. Er redet von "unserem" Europa.
09.05.2020 13:45
Aktualisiert: 09.05.2020 13:45
Lesezeit: 2 min
Erdogan will die EU zu einer globalen Macht machen
Ein Werbeplakat des Getränkeherstellers fritz-kola mit einem Porträtfoto des türkischen Präsidenten Erdogan. (Foto: dpa) Foto: Christophe Gateau

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich vor wenigen Stunden in einer Erklärung zu den türkisch-europäischen Beziehungen geäußert:

"Heute ist der 70. Jahrestag der Schuman-Erklärung. Seit 1999 - als unser Kandidatenstatus für die Europäische Union festgelegt wurde - feiern wir in unserem Land zusammen mit den gesamten europäischen Völkern den Europatag.

Die Idee der Schuman-Erklärung war es, Europa zu ermöglichen, nach einem Krieg, der die ganze Welt verwüstet hatte, aus der Asche wiedergeboren zu werden und die Länder dazu zu bringen, ihre Unterschiede und Feindseligkeiten zu vergessen, stattdessen Frieden, Sicherheit, Entwicklung und Wohlstand zu fördern und zusammen zu finden.

Heute stehen wir wieder vor einer verheerenden Katastrophe. Diesmal ist unser gemeinsamer Feind ein Virus, das keine Grenzen kennt und nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unser Wohlergehen, unsere soziale Ordnung und unsere menschlichen Beziehungen gefährdet. Dieser unsichtbare kleine Feind erinnert uns erneut an die Bedeutung der ,Einheit’. Wir erinnern uns nun daran, dass wir bereit sein müssen, populistische Politik und kurzfristige nationale Interessen zu opfern, um den Wert der Einheit erneut hochzuhalten und erstarken zu lassen.

Es sollte nicht vergessen werden, dass jede Katastrophe Chancen beinhaltet. Ich bin überzeugt, dass, wenn Diskriminierung und Hasspredigten beiseite gelegt werden, das gemeinsame Interesse unseres Europas nicht für kleine politische Spielereien oder nationale Interessen geopfert wird, sondern bessere Tage erlebt, so lange es inklusiv und fair ist.

Vor uns stehen schwere Tage, in denen wir uns auf die Bekämpfung der Epidemie, die wirtschaftliche Erholung in der Zeit nach der Epidemie, die Steuerung der regionalen Entwicklungen auf unserem Kontinent, die Bekämpfung des Terrorismus und die unkontrollierte Migration konzentrieren werden.

In diesen schwierigen Tagen müssen wir die Chance ergreifen, um die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei zu beleben. Ich hoffe, dass die EU, die bisher eine diskriminierende und ausschließende Haltung gegenüber unserem Land eingenommen hat, jetzt versteht, dass wir uns alle auf demselben Schiff befinden.

Während der Epidemie wurde beobachtet, dass viele EU-Mitgliedsländer um Unterstützung durch unser Land baten und das Gesundheitssystem und die Vorsichtsmaßnahmen unseres Landes für viele EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländer als Vorbild dienen.

Es ist an der Zeit, unsere Kräfte in allen Bereichen zu bündeln. Neben wirtschaftlichen, politischen, sicherheitspolitischen und sozialen Beiträgen wird die EU-Vollmitgliedschaft unseres Landes der EU eine partizipativere und umfassendere Vision verleihen und sie zu einem globalen Akteur machen (...) Mit diesen Gedanken wünsche ich mir, dass der ,Europatag’ genutzt wird, um die aktuelle Situation unseres Kontinents mit einem konstruktiven und visionären Ansatz zu gestalten. Ich möchte hiermit allen Europäern, insbesondere meinen Bürgern, zum 9. Mai gratulieren."

Weitere Informationen zur Schuman-Erklärung erhalten Sie hier.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
28.06.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen vor der Sommerpause mit möglichen...

DWN
Politik
Politik Ben Wallace war einer der wichtigsten Verbündeten der Ukraine: Nun prognostiziert er Putins nächsten Schritt
28.06.2026

Der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace ist der Ansicht, dass sich die NATO auf einen russischen Präsidenten einstellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
28.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
28.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Experteninterview: Welche Finanzierungsalternativen Unternehmen kennen sollten
28.06.2026

Für viele Mittelständler ist Finanzierung zunehmend eine strategische Herausforderung. Besonders kritisch wird es, wenn Investitionen gar...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
28.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Ziel: Europas stärkste Armee aufbauen
28.06.2026

Nach dem Scheitern der Zusammenarbeit bei Kampfflugzeugen steht nun das nächste Prestigeprojekt für Deutschland und Frankreich vor dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Dell, Oracle und Co.: Gewinnrausch bei alten Tech-Stars
28.06.2026

Derzeit werden Hunderte von Milliarden Dollar in die nächste Technologiewelle investiert. Server sollen installiert, Datenbanken ausgebaut...