Finanzen

Ex-JPMorgan-Ökonom: Welt steht eine Weimarer Hyperinflation bevor

Die derzeitigen Rettungsmaßnahmen in Form von immer mehr Schulden werden einen hohen Preis haben: eine Hyperinflation wie in der Weimarer Republik, sagt ein früherer JPMorgan-Ökonom.
12.05.2020 14:15
Aktualisiert: 12.05.2020 14:15
Lesezeit: 3 min

Der amerikanische Finanzblog ZeroHedge hat den Beitrag eines früheren Ökonomen der New Yorker Investmentbank JPMorgan Chase veröffentlicht. Dem früheren JPMorgan-Ökonomen zufolge, der es vorzieht anonym zu bleiben, sind die USA (und somit wohl auch der Rest der Welt) auf dem Weg in eine Hyperinflation - ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg in der Zeit der Weimarer Republik. 

Seit dem Jahr 2009 stehen die Finanzmärkte unter dem Einfluss von "extrem lockerer Geldpolitik" und zugleich "deflationärem Druck durch das gestiegene gesamtwirtschaftliche Angebot", so der Ökonom. Vor diesem Hintergrund seien Investoren immer höhere Risiken eingegangen, sodass fast alle Anlageklassen neue Rekordstände erreichten, bevor die "massive Blase" nun geplatzt sei.

Es hätte auch nicht unbedingt der Corona-Pandemie bedurft, um sie zum Platzen zu bringen. Die Märkte hatten dem Ökonomen zufolge einen zu hohen Grad der Fragilität erreicht. Die Ursachen dafür seien "außer Kontrolle geratene Kreditratings, fremdfinanzierte Bilanzen, Aktienrückkäufe, eine expansive Geldpolitik und in der Folge: außer Kontrolle geratene Kredite und Schulden".

Dem Ökonomen zufolge werden Unternehmen im Energiesektor als erste Pleite gehen, dann im Einzelhandel und Gastgewerbe. Irgendwann werden die Konkurse die Banken derart in Problem bringen, dass sie dem Ökonomen zufolge entweder vom Staat gerettet werden müssen oder reihenweise selbst pleite gehen wie im Jahr 2008 die New Yorker Bank Lehman Brothers.

Die Banken haben ihre Kreditlinien an Unternehmen bereits zurückgefahren, wie es auch in den Jahren 2008 und 2009 der Fall war. Denn sie erwarten, dass einige ihrer Schuldner ihre Schulden nicht zurückzahlen werden können. Zwar kann die Federal Reserve die drohende Pleitewelle abwenden, indem sie die Märkte mit Wertpapierkäufen überschwemmt. Doch zu welchem Preis?

"Die Blase hat ein Niveau erreicht, bei dem systemrelevante Banken eher früher als später mit ihrem Lehman-Moment konfrontiert sein werden. Der Gesetzgeber wird nicht zulassen, dass solche systemrelevanten Banken untergehen, da dies praktisch bedeuten würde, dass alle Lichter ausgehen. Die eigentliche Frage, um die es geht, lautet also: Zu welchem Preis?"

Bankenrettungen würden dem Ökonomen zufolge "die Arbeitslosen in Schach halten". Denn wenn die Menschen infolge der Pleitewelle keinen Job, kein Einkommen und keine Perspektiven mehr hätten, drohten Aufruhr und Unruhe. Doch es haben einen Preis, wenn man die Märkte rettet und wenn die USA jetzt das größte Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit ihrer Geschichte verzeichnen.

Der US-Fernsehsender CNBC brachte kürzlich eine Reportage mit dem Titel "Warum die Coronavirus-Krise die Zentralbanken dazu veranlassen könnte, das Inflationsziel aufzugeben". Und tatsächlich ist die Aufgabe des Inflationsziels die einzige mögliche Antwort auf die Frage, was der Preis der derzeitigen Reaktionen der Politik auf das Platzen der Blase sein wird.

"Die politischen Entscheidungsträger laufen den Ereignissen hinterher und haben offensichtlich aus den Jahren 2008/2009 nichts gelernt. Ihr letzter Ausweg ist das Drucken von Geld und die Schaffung weiterer Schulden. Wenn die Zentralbanken kein oder ein weichgespültes Inflationsziel haben, steuern wir auf eine Inflation im Stil der Weimarer Republik zu."

"Bei gleichbleibender oder rückläufiger Weltproduktion, einer deutlich rückläufigen Gesamtnachfrage und einer Vervielfachung der im Umlauf befindlichen Geldmenge (durch Sozialleistungen oder ein bedingungsloses Grundeinkommen), wenn die Zentralbanken die Preise für Vermögenswerte aller Anlageklassen stützen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Inflation von 'gedämpft' zu 'außer Kontrolle' übergeht."

"Da die Zentralbanken entweder Unternehmensanleihen kaufen oder sie als Sicherheiten akzeptieren, könnte es bald soweit sein, dass ihr Mandat geändert wird, um auch den Kauf von Aktien zu erleichtern. Wie andere Kommentatoren bereits anmerkten: Wir haben vielleicht die freie Marktwirtschaft aufgegeben und gehen jetzt zu einer zentral geplanten Ordnung über."

Die jüngste Erholung von den Tiefstständen an den Aktienmärkten im März wird nach Ansicht des Ökonomen nur von kurzer Dauer sein:

"Nichts hat sich grundlegend verbessert, mit Ausnahme der Notfall-Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken. Rechnen Sie mit einem neuen Absturz bis zum Jahresende - wobei die Tiefststände vom März erneut getestet werden - weil die Fed perfiderweise noch nicht genug Unternehmensanleihen/Aktien besitzt, um die Vermögenspreise zu kontrollieren!"

Dem Ökonomen zufolge werden die Zentralbanken "in einem noch nie dagewesenen Ausmaß Fiat-Geld drucken". Auch in den USA seien negative Zinssätze möglich. Mit der Verlangsamung des Welthandels und dem verringerten Angebot steige das Risiko einer überraschenden Inflation deutlich.

Zur Vermögenssicherung rät der Ökonom, dass Anleger unkorrelierte Anlageklassen oder inflationsresistente Vermögenswerten suchen. "Es besteht die Chance, dass die Zentralbanken einen guten Teil der sektorübergreifenden Unternehmensanleihen und Aktien besitzen werden, wenn sich der Staub gelegt hat und die Inflation durch die Decke geht."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist es sicher, auf Top-Up-Websites wie Refilled mit Kreditkarte zu bezahlen?

Jeden Tag gibt es mehr und mehr digitale Shops, die nach deinen Kredit- oder Debitkartendaten fragen. Mit Kreditkarte auf einer...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg verschärft Risiken: Investoren senken Wachstumserwartungen
16.04.2026

Die Erwartungen globaler Investoren an das Wirtschaftswachstum geraten unter Druck, während Inflation und geopolitische Risiken wieder...

DWN
Technologie
Technologie Experte warnt: Mittelstand unterschätzt Datensouveränität
16.04.2026

Für den Mittelstand wirkt Datensouveränität oft wie ein Randthema. Tatsächlich entscheidet sie über Kontrolle und Unabhängigkeit. Wer...

DWN
Panorama
Panorama Lufthansa-Streik: Diese Rechte haben Passagiere bei einem Pilotenstreik
16.04.2026

Der Lufthansa-Streik bringt den Flugverkehr in Deutschland ins Wanken und sorgt bei Tausenden Reisenden für Unsicherheit. Flugausfälle,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 1.000 Euro steuerfrei: Wer kriegt sie?
16.04.2026

Die geplante 1.000-Euro-Prämie sorgt für neuen Streit zwischen Politik, Wirtschaft und Union. Während Arbeitgeber vor Überlastung...

DWN
Technologie
Technologie Atomausstieg: Spahns will Debatte über Rückkehr zur Kernenergie
16.04.2026

Unionsfraktionschef Jens Spahn greift die Sehnsucht in CDU und CSU nach einer Rückkehr zur Atomkraft auf und bringt die Reaktivierung...

DWN
Technologie
Technologie Anthropic hält neues KI-Modell zurück: Warum die Öffentlichkeit außen vor bleibt
16.04.2026

Anthropic hält ein besonders leistungsfähiges KI-Modell bewusst zurück und stellt es nur ausgewählten Unternehmen zur Verfügung, da...

DWN
Politik
Politik Weniger zahlen bei miesem Handynetz: Staat legt Regeln fest
16.04.2026

Die Handynetze werden besser, doch mancherorts gibt es noch immer Defizite. Sind die groß, kann der Verbraucher im Streit mit dem...