Politik

Neuer US-Botschafter: Trump schickt einen kampferprobten Kritiker der globalen US-Kriege nach Berlin

US-Präsident Donald Trump will einen sehr interessanten Mann zum neuen Botschafter in Deutschland machen.
28.07.2020 13:58
Aktualisiert: 28.07.2020 13:58
Lesezeit: 2 min
Neuer US-Botschafter: Trump schickt einen kampferprobten Kritiker der globalen US-Kriege nach Berlin
Oberst a.D. Douglas Macgregor. (Foto: dpa)

US-Präsident Donald Trump will einen erfahrenen ehemaligen Heeresoffizier, Oberst a.D. Douglas Macgregor, als Nachfolger von Richard Grenell als US-Botschafter nach Berlin schicken. Das geht aus einer Mitteilung des Weißen Hauses am Montag hervor. Vorschläge für einen Botschafterposten müssen vom US-Senat bestätigt werden.

Der Vorschlag Macgregors fällt in die Woche, in der Einzelheiten der Truppenabzugspläne der USA für Deutschland bekanntgegeben werden sollen. Macgregor hatte sich in der Vergangenheit mit Blick auf die deutsche Verteidigungspolitik kritisch gezeigt.

Der Kriegsveteran, Autor und Berater sei als «Experte für Streitkräfteplanung» bekannt, erklärte die Regierungszentrale in Washington. Während seiner Karriere beim US-Militär habe Macgregor das Team des US-Sonderbeauftragten für den Balkan bei den Friedensgesprächen unterstützt, die den Krieg in Bosnien und Herzegowina mit dem Abkommen von Dayton beendeten.

Macgregor war zudem Planungschef für den Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte im Kosovo-Krieg. Er habe zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter die Bronze Star Medal für seine Leistungen im Kampfeinsatz, erklärte das Weiße Haus. Macgregor, der aus Pennsylvania stammt, hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter im Jahr 1989 eines über die Allianz der DDR mit der Sowjetunion während des Kalten Krieges.

Vor dem Hintergrund vergangener Äußerungen dürfte Macgregor die Entscheidung Trumps, knapp 10 000 der fast 35 000 US-Soldaten in Deutschland abzuziehen, begrüßt haben. Trump hatte den Schritt mit den aus seiner Sicht weiterhin zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Einige der Soldaten sollen nach Polen verlegt werden, wie viele ist aber noch unklar.

Im Gespräch mit Fox News sagte Macgregor im Juli 2018: «Die Deutschen fühlen sich dank uns nicht verpflichtet, sich selbst zu verteidigen. Und der Präsident hat einfach gesagt: Schauen Sie, warum sollte der amerikanische Steuerzahler Sie verteidigen, wenn Sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen?»

Über den Zustand der Nato schrieb Macgregor im März 2019: «Die Nato stirbt nicht. Sie ist ein Zombie.» Mit dem Verschwinden der sowjetischen Bedrohung sei ihr das Leben ausgegangen. Das Militärbündnis werde lediglich immer wieder «reanimiert», normalerweise mit «Voodoo-Zauber». «Auch Zombies sterben irgendwann», meinte Macgregor.

Macgregor ist auch ein ausgesprochener Kritiker der US-Einsätze im Irak und in Afghanistan. Zu Trumps Wunsch, US-Truppen aus dem Nahen Osten und Afghanistan abzuziehen, schrieb er Anfang 2019: «Washington hasst ihn dafür, dass er diese Dinge tut, aber die meisten Amerikaner und zukünftige Generationen von Amerikanern werden ihn dafür lieben.» Ende vergangenen Jahres kritisierte er das US-Vorgehen gegen vom Iran unterstützte Milizen im Irak. Dabei äußerte Macgregor die Vermutung, dass Trump von Beratern in einen «Hinterhalt» gelockt worden sei.

Grenell, ein enger Vertrauter des US-Präsidenten, war im Juni nach gut zwei Jahren als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten. Als Botschafter in Berlin sah Grenell seine Aufgabe darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten - auf unkonventionelle, eher undiplomatische Weise. Schon kurz nach seiner Ernennung als Botschafter im Mai 2018 warnte er deutsche Unternehmen davor, mit dem Iran zusammenzuarbeiten. Aus Verärgerung über die aus seiner Sicht unzureichenden deutschen Militärausgaben drohte er, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Und wegen der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 brachte Grenell - der gut mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befreundet ist - sehr früh Sanktionen auch gegen deutsche Unternehmen ins Spiel.

Ein ausführliches Interview mit Douglas Macgregor finden Sie hier auf Youtube.

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