Finanzen

Chicagoer Börse erlaubt erstmals Handel mit Wasser

Anfang Dezember startete an der Chicagoer Rohstoffbörse der Handel mit Wasserrechten. Kritiker fürchten, dass das Grundnahrungsmittel zum Spielball von Spekulanten wird.
01.02.2021 10:40
Aktualisiert: 01.02.2021 10:40
Lesezeit: 2 min

An der Chicagoer Rohstoffbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) werden seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres Future-Kontrakte über die Nutzung von Trinkwasser gehandelt.

Ursprung in Kalifornien

Konzipiert wurde der „Nasdaq Veles California Water Index“ auf Basis der Wasserproblematik im US-Bundesstaat Kalifornien. Der mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesstaat des Landes verbraucht nicht nur am meisten Trinkwasser, sondern leidet auch in regelmäßigen Abständen an Trockenheit oder großflächigen Waldbränden. Um angesichts einer wachsenden Bevölkerung, der klimatischen Rahmenbedingungen und einer zunehmenden landwirtschaftlichen Produktion Angebot und Nachfrage nach Wasser auszubalancieren wurde der neue Index geschaffen, schreibt die CME auf ihrer Homepage.

Der Index bildet die Entwicklung des Preises für Wassernutzrechte in fünf kalifornischen Zonen ab. Neben dem auf der Erdoberfläche auftretenden Wasser sind dies auch das Central Basin, das Chino Basin, das Main San Gabriel Basin sowie das Mojave Basin. Der Preis lautet auf US-Dollar und bezieht sich auf eine Fläche von einem „acre foot“ – also dem Volumen, welches entsteht, wenn ein „acre“ einen Fuß hoch unter Wasser gesetzt wird. Ein „Acre foot“ entspricht einem Volumen von rund 1,4 Millionen Litern Wasser.

Seinen Einstand feierte der Index am 31. Oktober 2018 bei 371,11 Dollar pro „acre foot“. Derzeit liegt die Notierung bei 506,66 Dollar, wie aus Daten des Anbieters Nasdaq hervorgeht. Der Preis wird wöchentlich am Mittwoch veröffentlicht und bezieht sich auf den Handelszeitraum der vergangenen Woche.

Kritik von mehreren Seiten

Die Preissetzung für Wassernutzungsrechte beziehungsweise der Futures-Handel mit diesen stößt auf Kritik aus unterschiedlichen Ecken. Besonders in der Kritik steht der Umstand, dass ein für das Leben der Menschen so essenzielles Element wie Wasser überhaupt gehandelt wird.

„Ich bin sehr besorgt darüber, dass Wasser jetzt genauso behandelt wird wie Gold, Öl oder andere an der Wallstreet gehandelte Rohstoffe“ zitiert der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle den von den Vereinten Nationen eingesetzten Sonderberichterstatter Pedro Arrojo-Aguda. Der Handel mit Wasserfutures zerstöre den Zugang zu Wasser als Recht eines jeden Menschen.

Ähnlich sieht es Simon Puleston Jones, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der US Futures Industry Association: „Wir müssen uns jetzt über die potenziellen negative direkten und indirekten Auswirkungen der Tatsache machen, dass Wasser wie eine Wertanlage und nicht mehr wie eine Ressource gehandelt wird.“ Wie Arrojo-Aguda erkennt auch Puleston Jones die Gefahr, dass die Armen der Welt infolge der Spekulation und steigender Preise vom Zugang zu Wasser abgeschnitten werden könnten.

„Wasser an der Wall Street zu notieren, das ist, als würde man einen Preis auf das Leben setzen. Wenn der Raubtierkapitalismus weitergeht, verdammen wir zukünftige Generationen zu einer globalen Katastrophe. Wasser ist ein Recht, es muss für die Menschen sein, nicht für die transnationalen Konzerne", zitiert Amerika 21 den ehemaligen bolivianischen Präsidenten Evo Morales. Unter Morales hatte Bolivien im Jahr 2010 eine Resolution bei den Vereinten Nationen eingebracht, welche schließlich in eine allgemeine Anerkennung von Trinkwasser als grundsätzlichem Menschenrecht durch eine deutliche Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten mündete.

Befürworter hoffen auf effizienteren Umgang mit Wasser

„Theoretisch schafft man auf diese Weise Anreize für die Nutzer, das Wasser effizienter einzusetzen und dass die überschüssigen Wasserrechte auf dem Markt verkauft werden können. So gelangt das Wasser dorthin, wo es besonders benötigt wird", zitiert Amerika 21 den Ökonom Gonzalo Delacámara,. Diese Rechtemärkte könnten „ein Instrument für den Naturschutz sein, wenn sie gut genutzt werden, was jedoch nicht immer der Fall ist“.

Die CME verkündet, dass die Wasser-Futures nur regional begrenzt und in geringen Mengen gehandelt würden und das sich die Mehrheit der Wassernutzungsrechte in Kalifornien ohnehin in der Hand städtischer Versorger befänden. Zudem würde kein Wasser verschoben, sondern ausschließlich Bezahlvorgänge.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Chip-Aktien erholen sich, Waffenstillstand hält
08.06.2026

Zwischen geopolitischen Entwicklungen und überraschenden Marktbewegungen: Erfahren Sie, was die Börse aktuell antreibt.

DWN
Panorama
Panorama Teure Störungen am Himmel: Drohnen belasten den Luftverkehr
08.06.2026

Immer häufiger zwingen Drohnensichtungen deutsche Flughäfen zu Einschränkungen oder sogar Betriebspausen. Die wirtschaftlichen Schäden...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Yuan: Peking setzt auf eine Alternative zur Dominanz des Dollars
08.06.2026

China treibt den digitalen Yuan mit neuer Entschlossenheit voran. Peking sieht im e-CNY nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern ein...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO zeigt die gefährliche Macht der Musk-Erzählung
08.06.2026

Elon Musk verkauft den Kapitalmärkten nicht nur Raketen und Satelliten, sondern eine Zukunft, die bis zum Mars reicht. Doch das SpaceX-IPO...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wie viel Markterfolg hat sich China mit staatlichen Subventionen erkauft?
08.06.2026

Chinesische Unternehmen erhalten bis zu achtmal mehr Subventionen als ihre Konkurrenten, stellt die OECD in einem Bericht über...

DWN
Finanzen
Finanzen Magnificent Seven-Aktien: Wo Analysten jetzt die größten Chancen sehen
08.06.2026

Sieben Tech-Konzerne dominieren den S&P 500, doch ihre Aktien laufen längst nicht mehr im Gleichschritt. Der KI-Boom treibt Umsätze,...

DWN
Technologie
Technologie Dokumentenanalyse mit KI: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
08.06.2026

KI revolutioniert die Dokumentenanalyse und stellt Unternehmen, Verwaltungen und Beschäftigte vor eine neue Arbeitsteilung. Welche Rolle...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko: UN-Experten warnen vor gefährlichen Hitzewellen
08.06.2026

Millionen Fans freuen sich auf die größte Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten. Doch die klimatischen Bedingungen in Teilen...