Wirtschaft

Südostasien: Wirtschaftlicher Erfolg im Fadenkreuz fremder Mächte

Über viele Jahrhunderte ist Südostasien von ganz verschiedenen fremden Mächten ausgebeutet worden. Dennoch zählt die Region heute zu den großen globalen Hoffnungsträgern.
22.02.2021 11:08
Lesezeit: 4 min
Südostasien: Wirtschaftlicher Erfolg im Fadenkreuz fremder Mächte
Der Westen und China streiten seit Jahren darum, wer mehr Einfluss in Südostasien erhält. (Foto:dpa) Foto: Ng Han Guan

Seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet man jenen Teil Asiens, der sich östlich von Indien und südlich von China befindet, als Südostasien. Die Truppen des japanischen Kaisers hatten große Teile der Region besetzt, und als die westlichen Alliierten die Rückeroberung der Region planten, machten sie diese Bezeichnung populär. Aus militärstrategischer Sicht ist dies durchaus sinnvoll, auch weil Südostasien natürliche Grenzen hat. Im Norden befinden sich Gebirgsketten und im Osten, Süden und Westen die verschiedenen Meere.

Unter den elf Staaten der Region zeichnen sich der Stadtstaat Singapur und in etwas geringerem Maße auch der nördliche Nachbar Malaysia durch ihre sehr freie Marktwirtschaft aus. Aber auch Thailand, Indonesien und die Philippinen erlauben ihren Bürgern ein recht hohes Maß an wirtschaftlicher Freiheit. Auch deshalb hat sich Südostasien, wo heute etwa 8,5 Prozent der Weltbevölkerung leben, zu einer bedeutenden ökonomischen Region entwickeln können.

Das mit Abstand flächengrößte, bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land in der Region ist Indonesien mit seinen etwa 270 Millionen Einwohnern. Es hat eine wachsende Mittelschicht und eine junge Bevölkerung. Kohle, Palmöl und Erdgas sind seine wichtigsten Exportgüter. Doch im letzten Jahr wurde auch hier die Wirtschaft durch Corona schwer getroffen. In der Folge verzeichneten die Bürger erhebliche Einkommensverluste, die nur teilweise durch neue Schulden und Umverteilung ausgeglichen werden konnten.

Das Jahr 2021 startete mit einer Verlängerung der massiven Kontaktbeschränkungen in der Hauptstadt Jakarta, und die kostenlose Vergabe der Impfstoffe, welche sowohl aus dem Westen wie auch aus China importiert werden, wird wohl frühestens 2022 abgeschlossen sein, was die wirtschaftliche Erholung weiter verlangsamen dürfte. Die Bürger werden angesichts des hohen Anteils aktiver Corona-Fälle in den Großstädten und wegen ihrer finanziellen Einbußen wohl vorerst weniger konsumieren.

Doch trotz der kurzfristigen Herausforderungen ist etwa die Großbank HSBC auf lange Sicht durchaus optimistisch. Aufgrund erneuter staatlicher Investitionen in die Infrastruktur, starker ausländischer Direktinvestitionen und zahlreicher Projekte zum Ausbau der Nickel-Lieferkette erwartet die britische Großbank, dass das indonesische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wieder um 4,9 Prozent wächst – und 2022 sogar wieder um 5,4 Prozent.

Der Westen und China streiten seit Jahren darum, wer mehr Einfluss in Südostasien erhält. Doch der Streit fremder Mächte um die Vorherrschaft in der Region hat eine historische Tradition, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. So war Vietnam bis ins erste Jahrtausend ein Vasallenstaat Chinas, und bereits ab dem 8. Jahrhundert begann der Islam auf den Handelsrouten, erste Kontakte nach Südostasien zu knüpfen. Seine machtvolle Ausbreitung in die Region erfolgte jedoch erst deutlich später.

Im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen auf den Philippinen eintrafen, begann die Kolonisation Südostasiens durch verschiedene europäische Mächte. So wurde die Philippinen später von den Spaniern besiedelt. Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden Niederländisch-Indien und die britischen Straits Settlements. Im 19. Jahrhundert etablierten sich die Franzosen in Südostasien und nahmen Vietnam, Kambodscha und Laos als Französisch-Indochina in ihr Kolonialreich auf.

Bis zum 19. Jahrhundert waren alle südostasiatischen Länder mit Ausnahme von Thailand kolonisiert. Die Europäer waren vor allem daran interessiert, ihre Handelsbeziehungen auszubauen. Denn die Region war reich an Rohstoffen und Gewürzen, die damals besonders wertvoll waren. Nachdem der dortige Handel lange von arabischen Händlern beherrscht worden war, stritten sich nun die europäischen Mächte über die Vormacht. Zugleich ermöglichten die Europäer, dass Missionare das Christentum verbreiten konnten.

Sogar die USA wurden 1898 noch kurzzeitig eine Kolonialmacht in Südostasien, als sie die Philippinen von Spanien übernahmen. Doch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verloren dann endgültig alle Staaten ihre sämtlichen Kolonien. Heute erhebt China Anspruch auf große Teile des Südchinesischen Meeres und hat dort zahlreiche künstliche Inseln gebaut. Das Land ignoriert ein auf UN-Recht gründendes Urteil aus dem Jahr 2016, das den Philippinen Recht gab und Chinas Ansprüche in der Region zurückwies.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...