Politik

DWN-Prognose trifft erneut ein: Cyberangriff auf öffentliche Infrastruktur in den USA

Cyberattacken auf lebenswichtige Infrastruktur wie Kraftwerke sind seit Jahren ein Horrorszenario für Sicherheitsexperten. Bisher war es eine eher theoretische Gefahr - doch in Florida wurde jetzt Wasser per Fernzugriff manipuliert. Die DWN hatten zuvor vor derartigen Attacken im Verlauf der Pandemie gewarnt.
09.02.2021 19:20
Aktualisiert: 09.02.2021 19:20
Lesezeit: 1 min
DWN-Prognose trifft erneut ein: Cyberangriff auf öffentliche Infrastruktur in den USA
Das Wort «Cybersec» steht am 04.05.2017 in Potsdam (Brandenburg) auf einem Plakat im Hasso-Plattner-Institut (HPI). Das Institut in Potsdam veranstaltet eine Cybersicherheitskonferenz. (Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

In einem alarmierenden Hacker-Angriff ist Trinkwasser im US-Bundesstaat Florida chemisch manipuliert worden. Einer oder mehrere Täter seien in das Computersystem eines Wasserwerks eingedrungen und hätten den Anteil von Natriumhydroxid mehr als verhundertfacht, sagte der Sheriff des Bezirks Pinellas, Bon Gualtieri, am Montag (HIER). Mitarbeiter der Anlage in Oldsmar hätten die „potenziell gefährliche“ Änderung am vergangenen Freitag aber sofort bemerkt und rückgängig gemacht. „Zu keiner Zeit gab es eine signifikante negative Auswirkung auf das behandelte Wasser“, versicherte er. Die Öffentlichkeit sei nie in Gefahr gewesen.

Zuvor hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten in einer Risikoanalyse davor gewarnt, dass Cyber-Angriffe auf das Stromnetz und andere Bereiche der öffentlichen Infrastruktur stattfinden könnten.

Natriumhydroxid wird zur Kontrolle des Säuregehalts des Wassers und zur Entfernung von Metallen aus dem Trinkwasser in einer Wasseraufbereitungsanlage verwendet. Auch wenn die Änderung nicht sofort bemerkt worden wäre, hätte es zwischen 24 und 36 Stunden gedauert, bis das aufbereitete Wasser die rund 15 000 Einwohner erreicht hätte. Der Fall wird nun unter anderem von der Bundespolizei FBI untersucht. Bislang gebe es keine Verdächtigen, sagte der Sheriff. Auch sei noch unklar, ob der Zugriff von innerhalb oder außerhalb der USA erfolgt sei.

Hackerangriffe auf Infrastruktur wie Wasseraufbereitungsanlagen oder Kraftwerke gelten seit Jahren als Horrorszenario. Bisher wurden allerdings kaum Fälle von erfolgreicher Cyber-Sabotage bekannt. Der bekannteste Zwischenfall war ein großflächiger Stromausfall in der Ukraine im Dezember 2015, der als Werk russischer Hacker gilt. Häufigere Computerausfälle unter anderem in Krankenhäusern in den vergangenen Jahren waren eine Folge der Ausbreitung von Erpressungstrojanern, die auch PCs von Privatleuten befielen.

Der bekannteste Fall eines Cyberangriffs auf Industrie-Infrastruktur ist der im Jahr 2010 entdeckte Stuxnet-Virus, der Anlagen zur Uran-Anreicherung im Iran sabotierte. Dabei wurde speziell Software für Industrieanlagen von Siemens ins Visier genommen. Als Urheber gelten westliche Geheimdienste.

IT-Sicherheitsexperten warnen schon seit Jahren, dass die Infrastruktur im Westen nicht ausreichend auf die Gefahren vorbereitet sei. „Viele Systeme wurden vor Jahrzehnten eingerichtet, vor Stuxnet und bevor eine Internet-Verbindung rund um die Uhr üblich war“, betonte etwa die Analysefirma F-Secure. Die Analyse von Angriffsversuchen zeige auch, dass Hacker, die im Auftrag von Regierungen aktiv sind, sich zum Teil Jahre Zeit ließen, um in Systeme eines Unternehmens einzudringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie PC-Gaming in Europa erlebt eine Phase der Zurückhaltung

Einst galt PC-Gaming in Europa als lohnende Langzeitinvestition. Man baute sich einen Rechner zusammen oder rüstete ihn auf, zahlte im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Daimler-Aktie: US-Schwäche und Bus-Flaute belasten Absatz von Daimler Truck
10.04.2026

Daimler Truck verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen weltweiten Absatzrückgang von neun Prozent auf 68.849 Einheiten. Besonders der...

DWN
Finanzen
Finanzen Verpflegungspauschale 2026: Wie Sie Spesensätze berechnen und was zu beachten ist
10.04.2026

Spesensätze 2026 im Überblick: Wie hoch die Verpflegungspauschale 2026 ist, wann 14 Euro oder 28 Euro gelten und welche Regeln bei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise: Deutlicher Rückgang an den Zapfsäulen – Kommt jetzt die Trendwende?
10.04.2026

Nach einer langen Phase extremer Kosten geben die Kraftstoffpreise den zweiten Tag in Folge spürbar nach. Laut ADAC verbilligte sich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Reisebranche im Sinkflug: Ifo-Geschäftsklima bricht wegen Iran-Krise ein
10.04.2026

Die Eskalation in Westasien belastet die Reisebranche massiv. Laut aktuellem Ifo-Index führen Umbuchungen, Stornierungen und steigende...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht den Druck auf die NATO: Interne Konflikte verschärfen sich
10.04.2026

Donald Trump stellt die Verlässlichkeit der NATO zunehmend infrage und verschärft damit die Spannungen innerhalb des Bündnisses. Welche...

DWN
Politik
Politik Sicherheit in Europa: Warum die Stabilität auf dem Balkan jetzt entscheidend ist
10.04.2026

Heeresinspekteur Christian Freuding warnt bei seinem Besuch in Bosnien vor wachsenden Spannungen auf dem Balkan. Angesichts externer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflations-Schock: Iran-Krieg treibt Teuerung auf höchsten Stand seit 2024
10.04.2026

Der Konflikt im Iran belastet die deutschen Verbraucher massiv. Im März 2026 sprang die Inflationsrate sprunghaft auf 2,7 % – der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Porsche-Akte: Absatzkrise in China und USA – Ruht die Hoffnung auf dem E-Cayenne?
10.04.2026

Porsche kämpft mit Gegenwind: Im ersten Quartal 2026 sank der Absatz der VW-Tochter weltweit um 15 % auf 60.991 Fahrzeuge. Vor allem die...