Deutschland

BDI-Präsident warnt Bundesregierung vor Unterbrechungen der Lieferketten

Der BDI wendet sich angesichts einer drohenden Verschärfung der Corona-Beschränkungen in einem Appell an die Bundesregierung. Doch auch dieser Appell dürfte ins Leere laufen.
21.02.2021 15:12
Aktualisiert: 21.02.2021 15:12
Lesezeit: 2 min
BDI-Präsident warnt Bundesregierung vor Unterbrechungen der Lieferketten
Leere Regale in einem Supermarkt. Wegen der Hamsterkäufe waren im März 2020 viele Produkte im Supermarkt nicht mehr verfügbar. Ängste vor Versorgungsengpässen und vor steigenden Lebensmittelpreisen - dazu hat die Corona-Situation im Frühjahr bei vielen Verbrauchern in Deutschland geführt. (Foto: dpa) Foto: Tom Weller

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, sieht die Aussicht auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung gedämpft. „Wenn die Wertschöpfungsketten halten und die Produktion weiterlaufen kann, wird der negative Einfluss auf die Konjunktur begrenzt bleiben, aber auch für die Industrie ist 2021 erneut ein schwieriges Jahr“, sagte Russwurm der „Rheinischen Post“. Ein erhebliches wirtschaftliches Risiko bedeute die Lage an den Grenzen. „Vor Grenzschließungen oder Unterbrechungen der Lieferketten kann ich nur warnen.“

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatten am 26. Januar 2021 als erstes Medium in Deutschland vor einem derartigen Szenario gewarnt (HIER): „Wenn die wirtschaftliche Instabilität durch politische Adhoc-Corona-Maßnahmen weiter verschärft werden sollte, könnte es zum totalen Zusammenbruch der Lieferketten kommen, was zur Knappheit von Nahrungsmitteln und anderen Gütern führen würde. Wenigstens für diesen Fall sollte die Bundesregierung – bitte – vorsorgen. So wäre es denkbar, dass ein nationaler Lieferdienst für Nahrungsmittel eingerichtet wird, der die Bürger im Fall aller Fälle mit einer staatlich festgelegten Menge an Nahrungsmitteln beliefern kann – und zwar kostenlos. Die Abwicklung dieser Aktion müsste die Bundeswehr übernehmen. Falls es zu logistischen Problemen kommen sollte, müssten auch Bundeswehrflugzeuge eingesetzt werden, um Lebensmittel von einer Stadt in die andere zu fliegen. Die Autobahnen in Deutschland sind so gebaut, dass sie auch als Landebahnen genutzt werden können. Zudem müssten Bund und Länder Anreize für die Anwerbung freiwilliger Helfer schaffen.“

Der Deutsche Fruchthandelsverband teilte Ende Januar 2021 mit, dass die Versorgung mit Obst und Gemüse aus dem Ausland gefährdet ist. Grund sei die Verschärfung der Corona-Einreise-Verordnung durch die Bundesregierung, teilte der Verband Bonn mit. Ende Januar 2021 seien innerhalb von wenigen Stunden die Einreisebedingungen auch für die Fahrer von Lebensmitteltransporten so verschärft worden, dass es kaum noch möglich sei, Obst und Gemüse zum Beispiel aus Spanien nach Deutschland zu importieren.

Der Vorsitzende der „Wirtschaftsweisen“, Lars Feld, sagte, er könne die Verzweiflung mancher Unternehmen über die Länge des Lockdowns und die fehlende Perspektive gut verstehen. „Es gibt aber insgesamt eine riesige Bandbreite in der Wirtschaft. Die hart getroffenen Branchen stehen nun im Vordergrund. Das Verarbeitende Gewerbe und der Bau laufen derzeit aber noch relativ gut. Aufgrund der Grenzkontrollen zu Gebieten mit Virusvarianten besteht hier durchaus die Gefahr der Unterbrechung von Wertschöpfungsketten. Das würde das Verarbeitende Gewerbe hart treffen.“ Grenzkontrollen gibt es etwa zu Tschechien - ein wichtiger Produktionsstandort auch für deutsche Firmen.

Der Lockdown mit der Schließung etwa der Gastronomie und vieler Einzelhandelsgeschäfte war zuletzt von Bund und Ländern noch einmal bis zum 7. März verlängert worden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am 3. März beraten, wie es weitergeht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Pest-Verdacht in Russland treibt meine Aktie plötzlich zweistellig nach oben
06.10.2026

Die Aktie, die ich vergangene Woche noch als obskur bezeichnet hatte, ist um fast 13 Prozent gestiegen.

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Bahn: Per 5-Jahres-Plan endlich pünktlich ans Ziel?
06.10.2026

Marode Gleise und unpünktliche Züge belasten den Bahnverkehr in Deutschland. Ein neuer Infraplan soll verbindliche Ziele setzen und die...

DWN
Politik
Politik Staatshaushalt: Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr 2026 von fast 99 Milliarden Euro
06.10.2026

Der deutsche Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt: Die öffentlichen Haushalte verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Eine Anlage, der ich keinen Erfolg wünsche
06.10.2026

Alpha Pro Tech ist klein, langweilig und an der Börse meist nahezu unsichtbar. Doch sobald eine Gesundheitskrise ausbricht, können Umsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreichs Schulden treiben den Euro in die Krise
06.10.2026

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten, während Frankreichs Schuldenkrise die Finanzmärkte verunsichert. Warum Experten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Technologie
Technologie Warum Fernwärme nicht überall funktioniert
06.10.2026

Fernwärme soll ein wichtiger Baustein der Wärmewende werden – doch nicht jedes neue Netz ist wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend sind...

DWN
Politik
Politik Nicht nur das BSW verhilft AfD-Mann zum Posten des Landtagspräsidenten
06.10.2026

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen und wird mit Tobias Rausch nun auch den...