Politik

Merkel plant offenbar bundesweit einheitlichen Lockdown

Die Bundesregierung pocht auf härtere Corona-Maßnahmen der Länder. Kanzlerin Merkel droht Berichten zufolge sogar mit schärferen Ausgangsbeschränkungen und einem bundesweit einheitlichen Lockdown.
03.04.2021 17:49
Aktualisiert: 03.04.2021 17:49
Lesezeit: 1 min

Angela Merkel hat offenbar genug davon, dass die Bundesländer die vereinbarte „Corona-Notbremse“ ihrer Ansicht nach nicht hart genug umsetzen. Zudem hält die Bundeskanzlerin die geltenden Corona-Regeln nach wie vor für nicht ausreichend. Daher hat sie laut einem Bericht von BILD für nach Ostern bereits einen Plan entwickelt. Konkret soll es um weitgehende Schulschließungen, schärfere Ausgangsbeschränkungen (möglicherweise auch am Tag) und vor allem einen bundesweit einheitlichen Lockdown gehen.

Nach Angaben eines Regierungssprechers erwägt die Bundesregierung derzeit bundeseinheitliche Maßnahmen, falls die Länder die Corona-Pandemie nicht entschlossen genug bekämpfen sollten.

"Die Länder haben das ganze Instrumentarium zur Verfügung", sagte der Sprecher am Samstag auf Anfrage. "Parallel dazu wird überlegt, ob und wie der Bund einheitliche Vorgaben machen soll, falls das Vorgehen der Länder nicht ausreicht, um die dritte Welle zu stoppen." Er verwies darauf, dass allerdings viele Länder bereits zusätzliche Maßnahmen umgesetzt hätten. So hat zum Beispiel Berlin seinen Kurs korrigiert und begrenzte nächtliche Ausgangsbeschränkungen eingeführt.

Hintergrund der Warnung sind die vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten steigenden Zahlen. Das RKI registrierte zwar am Samstag 18.129 Neuinfektionen und damit weniger als am Samstag vergangener Woche (20.472). Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 131,4 von 134 am Vortag. Das RKI weist aber selbst darauf hin, dass die gemeldeten Zahlen wegen Karfreitag unvollständig und nicht mit dem Samstag voriger Woche vergleichbar seien. 120 weitere Menschen sind laut RKI in Verbindung mit dem Virus gestorben.

Kanzlerin Angela Merkel hatte die Länderchefs bereits vergangenen Sonntag dazu aufgefordert, die vereinbarte "Notbremse" bei einem Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz über 100 strikt anzuwenden, und ihnen damit gedroht, auf eigene Faust deutschlandweit härtere Corona-Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Etliche Bundesländer wollen aber bestimmte Öffnungen im Einzelhandel aufrechterhalten und diese lieber mit dem Zwang zum Negativtest verbinden. Nach und nach hatten viele Länder in dieser Woche dann doch ihren Kurs angesichts der steigenden Zahlen verschärft.

Die Länder sind nach dem Infektionsschutzgesetz für die Verhängung von Corona-Maßnahmen zuständig. Doch Merkel hatte vergangenen Sonntag angedroht, dass der Bund das Infektionsschutzgesetz ändern und den Ländern bestimmte Maßnahmen vorschreiben könnte. Ein solches Vorgehen ist selbst in den Regierungsfraktionen umstritten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Megatrends zeigen Europas gefährliche Zukunftslücke
14.06.2026

Technologie, Schulden, Demografie und Energie verändern die Weltwirtschaft schneller, als die Politik reagieren kann. Die Analyse der...

DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechenzentren: Warum Energieaktien zur Nebenwette auf künstliche Intelligenz werden
13.06.2026

Der Energiesektor könnte zu einem der Gewinner beim Bau der Rechenzentren werden, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bahn: Familientickets ab 60 Euro – worauf Sie unbedingt achten müssen
13.06.2026

Die Deutsche Bahn bringt ein neues Familienticket zum Festpreis an den Start und verspricht attraktive Konditionen für Reisende. Doch das...