Politik

Die Stimmung kippt: US-Gouverneurin war bekannt als „Lockdown-Extremistin“, doch jetzt gibt sie nach

Im US-Bundesstaat Michigan wurde ein harter Lockdown verhängt. Doch nun rudert die verantwortliche US-Gouverneurin zurück. Sie will auf Eigenverantwortung setzen, weil die Stimmung innerhalb der Bevölkerung kippt. Schließlich will sie wiedergewählt werden.
23.04.2021 21:40
Aktualisiert: 23.04.2021 21:40
Lesezeit: 1 min
Die Stimmung kippt: US-Gouverneurin war bekannt als „Lockdown-Extremistin“, doch jetzt gibt sie nach
Demonstranten halten Schilder mit den Aufschriften «Live Free or Die» (Lebe frei oder strib) und «Give me liberty or give me Death» (Gib mir Freiheit oder gib mir den Tod) bei einem Proteste gegen die Ausgangsbeschränkungen aufgrund des neuartigen Coronavirus. (Foto: dpa) Foto: Paul Hennessy

Der US-Bundesstaat Michigan hat die am schnellsten wachsenden Corona-19-Fallzahl. Michigan hat einige der härtesten und längsten Lockdowns erlebt. Am 20. April betrug der gleitende 7-Tage-Durchschnitt für neue Corona-Fälle in Michigan 790 pro Million. Dies ist höher als in jedem anderen US-Bundesstaat und um ein Vielfaches höher als in Michigan vor einem Jahr.

Derzeit ist Michigan teilweise gesperrt, mit einer Restaurantkapazität von 50 Prozent und einer Vielzahl von Regeln für die Größe von inländischen Dinnerpartys und Garten-Grill-Zusammenkünfte. Die Maskenpflicht gibt es überall. Trotz des deutlichen Aufwärtstrends widersetzt sich die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, den Forderungen der Biden-Regierung und des Centers for Disease Control and Prevention (CDC), wonach die Menschen zwischen ihren vier Wänden verweilen sollen. „Politische Veränderungen allein werden die Flut nicht ändern (…) Wir brauchen jeden, der aufsteht und hier persönliche Verantwortung übernimmt“, so Whitmer. Dies ist das genaue Gegenteil von dem, was sie vor einem Jahr gesagt hatte, als sie als regelrechte „Lockdown-Fetischistin“ agierte.

Im vergangenen Frühjahr kam es absolut nicht in Frage, Menschen zu erlauben, ,persönliche Verantwortung‘ zu übernehmen, und die Corona-Regeln waren ein Heiligtum. Für Whitmer und die Lockdown-Enthusiasten waren Lockdowns schlicht und einfach ein Synonym für eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit. Persönliche Diskretion der Bürgerinnen und Bürger war absolut nicht zu tolerieren.

Doch was sich seitdem verändert hat, beschreibt Ryan McMaken in einem Beitrag des „Ludwig Mises Institute“ (LMI) mit folgenden Worten: „Tatsache ist, dass sich die Einstellung der Öffentlichkeit zu Corona schnell ändert und Whitmer im Amt bleiben möchte. Schließlich ging es nie ,um die Wissenschaft‘. Hier ging es darum, dass Gouverneure dem Mob gaben, was er wollte (…) Selbst Gretchen Whitmer – eine der fanatischsten Befürworterinnen von Lockdowns – kann wahrscheinlich die sich ändernde Realität erkennen. Zum Beispiel ignorieren Whitmers eigene Berater jetzt den ,Rat‘ des Staates, jede Reise zu vermeiden. Zwei ihrer besten Gesundheitsberater reisten kürzlich in den Urlaub nach Florida und Alabama. Das ist kein gutes Zeichen für eine Gouverneurin, deren politische Karriere jetzt eng mit Verordnungen verbunden ist, die Menschen, die es wagten, ihre Häuser für ,nicht wesentliche‘ Aktivitäten zu verlassen, Geldstrafen in Höhe von 500 US-Dollar und neunzig Tage Gefängnis auferlegten.“

Die US-Bürger reagieren offenbar nicht mehr auf Medien und Politiker, die noch vor wenigen Monaten Corona als die „Pest des Jahrhunderts“ bezeichnet hatten. Die opportunistischen Politiker haben dies erkannt und passen sich nun der öffentlichen Stimmung an.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chipaktien treiben Nasdaq nach oben, da Inflationsbericht Sorgen vor Fed-Zinserhöhung dämpft
12.08.2026

Spannung an den US-Märkten: Warum die jüngsten Wirtschaftsdaten Anleger aufatmen lassen und welche Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Panorama
Panorama Besonderer Blick nach oben: Sonnenfinsternis über Europa
12.08.2026

Zuerst wird die Sonnenscheibe am rechten unteren Rand angeknabbert. Dann bildet sich eine Sichel, die wandert. Ist die Sonne untergegangen,...

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Politik
Politik EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft: Welche schärferen Regeln gelten
12.08.2026

Ein Coffee-to-go, eine Pizza zum Mitnehmen und eine Bestellung aus dem Internet, die im riesigen Karton kommt: Ab heute gelten in der EU...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg verändert sich: Putins Hinterland wird zur neuen Front
12.08.2026

Die Front bewegt sich kaum noch, doch der Ukraine-Krieg bekommt eine neue Dimension. Ukrainische Drohnen und Raketen treffen Raffinerien,...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wagenknecht könnte AfD zur Macht verhelfen
12.08.2026

Knapp vier Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen weit vorn. Und das BSW kann sich Hoffnung auf den Sprung über...

DWN
Technologie
Technologie KI-Wasserzeichen: Claude wird unsichtbar markiert und Unternehmen müssen reagieren
12.08.2026

Claude soll künftig unsichtbare Spuren in Texten und Dateien hinterlassen. Anthropic reagiert damit auf neue Vorgaben des EU AI Act, doch...