Unternehmen

KfW: Wie die Corona-Krise die Innovationen des Mittelstands ausbremst

Viele dachten, die Corona-Krise würde die Unternehmen dazu zwingen, sich neu zu strukturieren. Doch geht aus dem aktuellen Innovationsbericht der KfW etwas völlig anderes hervor.
24.06.2021 15:51
Lesezeit: 2 min

Seit etwa eineinhalb Jahrzehnten schwindet die Innovationstätigkeit in der Breite der deutschen Wirtschaft, während sich die Innovationsanstrengungen auf immer weniger und hauptsächlich große Unternehmen konzentrieren. Diese Entwicklungen haben sich im Corona-Jahr 2020 fortgesetzt: Die Innovationsaktivitäten im Mittelstand gingen nach einem kurzen Schub zu Beginn der Krise weiter zurück, wie der aktuelle KfW-Innovationsbericht zeigt. Drei von zehn kleinen und mittleren Unternehmen (27 Prozent) haben ihre Innovationsanstrengungen gegenüber 2019 gedrosselt. Dem stehen nur 12 Prozent der Mittelständler mit gesteigerten Innovationsaktivitäten gegenüber.

Auch im vergangenen Jahr sind es vor allem die kleinen Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten, die sich aus der Innovationstätigkeit zurückziehen. Gerade die schwierige finanzielle Lage und die unsicheren Zukunftsperspektiven, die die Pandemie für viele Unternehmen mit sich bringt, wirken sich aus: Firmen verzichten unabhängig von ihrer Mitarbeiterzahl verstärkt auf Innovationen, wenn sie existenziell von der Krise betroffen sind und ausgeprägte Liquiditätsengpässe aufweisen.

Finanzierung bleibt ein Innovationshemmnis

„Auch nach Überwindung der akuten Krisenphase dürfte Finanzierung als Innovationshemmnis weiter an Bedeutung gewinnen“, kommentiert Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, die Ergebnisse des KfW-Innovationsberichts. „Aufgrund der angespannten Liquiditätslage und der höheren Verschuldung der Unternehmen verschärft sich der Zielkonflikt zwischen dem Wunsch nach einer höheren Resilienz einerseits, und der Notwendigkeit zu verstärkten Investitionen in die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit anderseits. Mehr finanzielle Anreize der Innovationspolitik werden daher notwendig sein, damit Unternehmen wieder häufiger als vor der Pandemie Innovationen schaffen.“ Außerdem bremse weiterhin gerade in der Breite des Mittelstands der Fachkräftemangel die Innovationstätigkeit. Fördermaßnahmen zum Aufbau der Innovationskompetenz dieser Unternehmen müssten daher ausgeweitet werden.

„Innovationen sind entscheidend für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, wie etwa Klimawandel, Gesundheitsfürsorge oder demografische Entwicklung. Sie sind gleichzeitig der Schlüssel zu einer weiterhin guten Positionierung Deutschlands im internationalen Wettbewerb – und damit für Wachstum und Wohlstand. Wir können es uns nicht leisten zurückhaltend zu handeln“, so Fritzi Köhler-Geib.

Im aktuellen KfW-Innovationsbericht analysiert KfW Research über den Blick auf die Entwicklungen im Corona-Jahr hinaus auch die Innovationstätigkeit des Mittelstands in den Jahren 2017/2019. Eine Neufassung des Innovationsbegriffs der OECD, der auch den KfW-Analysen zugrunde liegt, führt dabei zu einem Anstieg der Innovatorenquote in allen Unternehmensgrößenklassen.

22 Prozent (840.000) von insgesamt 3,79 Millionen mittelständischen Unternehmen haben Produkt- bzw. Prozessinnovationen eingeführt, drei Prozentpunkte mehr als in der Vorperiode 2016/2018. Neue Produkte brachten dabei 16 Prozent (13 Prozent) der Mittelständler auf den Markt, Prozessinnovationen setzten ebenfalls 16 Prozent (13 Prozent) um. Zu den Produktinnovationen werden nun auch Designveränderungen gezählt. Marketing- sowie organisatorische Innovationen fallen neu in die Kategorie der Prozessinnovationen. Die Summe der Innovationsausgaben des Mittelstandes ist 2019 gegenüber dem Vorjahr etwas zurückgegangen auf 32 Milliarden Euro (2018: 34 Milliarden Euro).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
14.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase wird zum Test für Anleger
14.06.2026

Die Kurse von KI-Aktien steigen rasant, doch die Warnungen vor einer neuen Blase werden lauter. Wer jetzt aus Angst alles verkauft, kann...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand verzweifelt an Regierung: Warum Unternehmer frustriert sind
14.06.2026

Deutschlands mittelständische Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung. Wie eine falsche...

DWN
Technologie
Technologie Megatrends zeigen Europas gefährliche Zukunftslücke
14.06.2026

Technologie, Schulden, Demografie und Energie verändern die Weltwirtschaft schneller, als die Politik reagieren kann. Die Analyse der...

DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....