Finanzen

Billionen-Forderungen: Die Bundesbank ist der größte Gläubiger des Euro-Systems

Die billionenschweren Forderungen der Bundesbank im Zahlungsverkehr der Euro-Zone steigen weiter an.
07.07.2021 10:57
Lesezeit: 1 min
Billionen-Forderungen: Die Bundesbank ist der größte Gläubiger des Euro-Systems
06.07.2018, Berlin: Jens Weidmann (r), Präsident der Deutschen Bundesbank, Ursula von der Leyen (l, CDU), Bundesministerin der Verteidigung, und Franziska Giffey (M,SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nehmen an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Die billionenschweren Forderungen der Bundesbank im Zahlungsverkehr der Euro-Zone steigen weiter an. Die sogenannten Target-Forderungen erhöhten sich im Juni um rund 25 Milliarden Euro auf 1,102 Billionen Euro, wie auf der Webseite der deutschen Notenbank am Mittwoch einsehbar war. Über das „Target 2“ genannte Verrechnungssystem verläuft im Währungsgebiet der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Finanzinstitute. Die Target-Salden zeigen die Forderungen und Verbindlichkeiten an, die bei den nationalen Notenbanken dadurch anfallen.

Der größte Gläubiger in dem System ist die Bundesbank. Die Notenbanken Spaniens und Italiens wiesen zuletzt die höchsten Verbindlichkeiten aus. Ökonomen blicken auf die Daten genau, denn große Veränderungen bei den Zahlen könnten auf Verschiebungen bei den Kapitalströmen hinweisen. Dies war vor rund zehn Jahren der Fall, als es im Zuge der Euro-Schuldenkrise zu Kapitalabflüssen aus schuldengeplagten südeuropäischen Ländern gekommen war. Aktuell stehen hinter den hohen Target-Salden aber laut Europäischer Zentralbank (EZB) vor allem die umfangreichen Anleihenkäufe der Währungshüter.

Die Bundesbank führt auf ihrer Webseite aus: „Isoliert betrachtet führt die beschriebene Transaktion am Ende des Geschäftstages zu einer Verbindlichkeit der Banque de France und zu einer Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB. Diese Forderungen oder Verbindlichkeiten gegenüber der EZB werden allgemein als Target2-Salden bezeichnet.“

Sogar „Tagesschau.de“ gesteht ein: „Solange die Währungsunion besteht, würden diese Target-Salden (…) auch keine Probleme bereiten. Mit einem Risiko wären Target2-Salden der Bundesbank nur dann verbunden, wenn ein Land mit negativem Saldo – zum Beispiel Italien - die Eurozone verlässt. In diesem sehr hypothetischen Fall, bestünde die Forderung der EZB gegenüber der betreffenden Zentralbank Banca d’Italia fort und die anderen Notenbanken müssten anteilig für den verbleibenden Verlust einstehen. Denn Gewinne und Verluste werden jährlich im Rahmen der Bilanz des Eurosystems zusammengefasst und anschließend auf die einzelnen Notenbanken entsprechend deren Anteil am Eigenkapital der EZB verteilt. Auf die Bundesbank entfallen rund 26 Prozent der Gewinne, beziehungsweise Verluste, des Eurosystems. Das heißt für diesen Anteil müssten die deutschen Steuerzahler dann haften.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Politik
Politik Rotstift beim Wohngeld: Bundesregierung plant Sparhammer für Wohngeldempfänger
19.06.2026

Das Spardiktat der Bundesregierung trifft Haushalte mit geringem Einkommen hart: Bauministerin Verena Hubertz plant drastische Kürzungen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Preis Sevnica: 60 Tonnen Stahl für die Elektrifizierung Europas
19.06.2026

Das Unternehmen Preis Sevnica aus Slowenien fertigt hochkomplexe Transformatorgehäuse, baut im Zuge der Elektrifizierung Europas seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Elektroautos greifen Deutschlands Autoelite an
19.06.2026

Wer Chinas Autobauer noch für Nachahmer hält, unterschätzt den eigentlichen Umbruch der Branche. Chinesische Elektroautos setzen längst...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
19.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Politik
Politik Druck aus Berlin: Kanzler Merz will EU-Haushalt eindampfen und Tempo machen
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht beim EU-Gipfel in Brüssel den Druck auf die europäischen Partner. Er wies den aktuellen Entwurf für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Revolte bei den Jusos: Philipp Türmer droht SPD-Spitze mit Personaldebatte
19.06.2026

Die anhaltende Umfragekrise der SPD sorgt für heftigen parteiinternen Zoff. Juso-Chef Philipp Türmer geht die Parteispitze frontal an und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Werksumbau in Sachsen: BMW macht Leipzig fit für die nächste E-Generation
19.06.2026

BMW schaltet am Standort Leipzig auf Zukunft: In den kommenden Sommermonaten wird das sächsische Werk für mehrere Wochen umfassend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gemeinsame Ziele in Krisenzeiten: Deutschland und Türkei planen engere Kooperation
19.06.2026

Deutschland und die Türkei wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit massiv ausbauen und vertiefen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina...