Politik

„Wir sind eine Familie“: Jüdische und arabische Ärzte in Israel richten Botschaft an die Welt

Jüdische und arabische Ärzte haben in Zeiten von ethnischen Spannungen ein klares Zeichen gesetzt. Sie machen deutlich, dass es mehr positive als negative Beispiele aus dem Alltag in Israel gibt. An die internationale Gemeinschaft richten sie folgende Botschaft: „Wir sind eine Familie“.
11.07.2021 15:42
Lesezeit: 2 min
„Wir sind eine Familie“: Jüdische und arabische Ärzte in Israel richten Botschaft an die Welt
Arabische und jüdische Ärzte halten zusammen. (Screenshot)

Die politischen Spannungen in Israel werden in gewohnter Weise international missbraucht, um eigennützige innen- oder außenpolitische Ziele zu erreichen.

Dabei wird vorsätzlich übersehen, dass es in Israel zahlreiche Berührungspunkte und Verbindungen im Alltag gibt. So setzt sich beispielsweise das Personal des „Shaare Zedek Medical Center“ in Jerusalem aus Ärzten mit israelisch-arabischen und israelisch-jüdischen Hintergründen zusammen. Dieses Personal versucht, die aktuelle Corona-Krise gemeinsam zu meistern.

Mehr zum Thema: „Wir lassen und nicht trennen“: Juden und Muslime setzen Zeichen gegen Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus

„Zwischen 20 und 25 Prozent unserer 5.000 Mitarbeiter sind Araber, was ungefähr der gleichen Rate an arabischen Patienten entspricht. Ich glaube, dass unsere multiethnische, multikulturelle Gruppe unsere multiethnische, multikulturelle Stadt gut repräsentiert. Shaare Zedek hat vor 119 Jahren den Betrieb aufgenommen. Ich betreibe es seit 31 Jahren. Es gab nie Spannungen zwischen den Mitarbeitern auf ethnischer Basis. Uns alle eint die Mission, für die Patienten zu arbeiten. Ich weiß, es klingt sehr banal, aber es ist wahr. Die Politik bleibt außerhalb des Krankenhauses“, zitiert die „Jerusalem Post“ Jonathan Halevy, Co-Direktor des Shaare Zedek Medical Center. Halevy sagt, dass die jüngsten Spannungen in Israel die Ärzte und das weitere medizinische Personal des Krankenhauses sehr besorgt habe. Doch jeder im Krankenhaus sei seiner verantwortungsvollen Arbeit nachgegangen.

Mehr zum Thema: „Unsere Solidarität gilt den jüdischen Gemeinden“: Türkisch-Islamische Gemeinde DITIB verurteilt judenfeindliche Proteste in Deutschland

Halevy teilt mit, dass der Leiter der Corona-Abteilung von Shaare Zedek ein arabischer Arzt aus Ost-Jerusalem sei, während seine Oberschwester eine ultra-orthodoxe Mutter von sieben Kindern sei. Mit Stolz sagt er: „Sie haben Hand in Hand gearbeitet.“

Die Leiter von Shaare Zedek, des Hadassah-University Medical Center, des Netanyas Laniado Medical Center, des Ma'aynei Hayeshua Medical Center, von Bnei Brak und von den italienischen, französischen und englischen Krankenhäusern in Nazareth teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit: „Wir rufen alle auf: Es ist Zeit, tief durchzuatmen, die Gewalt zu stoppen und zu Dialog und Vernunft zurückzukehren. Wir wissen, dass die Extremisten, die wir in den letzten Tagen gesehen haben, hier keine Bevölkerung repräsentieren. Sie dürfen uns nicht die Agenda diktieren.“

Das Bnei Zion Medical Center in Haifa organisierte ein Essen für seine jüdischen und arabischen Mitarbeiter, um das Zusammenleben zu feiern und alle dazu aufzurufen, dieser dramatischen Zeit mit Geduld und Toleranz zu begegnen.

Das Rambam Medical Center in Haifa förderte eine Social-Media-Kampagne mit arabischen und jüdischen Mitarbeitern, die Schilder mit „Shalom-Salam“ hochhielten. Linda Hashem, eine arabische Oberkrankenschwester wörtlich: „Wenn ich mir ansehe, was passiert, fühlt sich das Leben in unseren Krankenhäusern wie ein Traum an. Ich habe hier noch nie etwas Unangenehmes empfunden, ich habe noch nie Rassismus erlebt.“

Die leitende Krankenschwester von Rambam, Hagar Baruch, sagt: „Bei der Arbeit spüren wir nicht, wer Araber oder Jude ist. Während der Corona-Pandemie haben wir gemeinsam die jüdischen Feiertage, die muslimischen Feiertage und die christlichen Feiertage gefeiert. In der Medizin muss jeder jedem helfen. Wir sind wie eine Familie. Wir reden nicht über Politik.“

Gesundheitsminister Yuli Edelstein und der Generaldirektor des Ministeriums, Chezy Levy, hatten sich in einer Erklärung an alle Mitarbeiter der israelischen Krankenhäuser gewandt. Sie sagten, dass jede Aktion, die gegen die Gleichheit und Heiligkeit des Lebens verstößt, disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen würde.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Künstliche Intelligenz verdrängt Influencer: Generation Z trifft Kaufentscheidungen mit KI
21.02.2026

Künstliche Intelligenz beeinflusst zunehmend, wie junge Konsumenten Informationen bewerten und Kaufentscheidungen treffen. Welche Folgen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarifjahr 2026: Lohnrunden unter wachsendem Druck
21.02.2026

Rund zehn Millionen Beschäftigte verhandeln 2026 neue Tarifverträge, denn in zahlreichen Schlüsselbranchen laufen Entgelttarifverträge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gehaltsverhandlungen: Welche Faktoren entscheiden über den Erfolg?
21.02.2026

Der Spielraum für Gehaltsverhandlungen schrumpft in einem sich beruhigenden Arbeitsmarkt, während die Erwartungen an Vergütung und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leapmotor C10 im Praxistest: Günstiger Elektro-SUV im Tesla-Vergleich
21.02.2026

Der elektrische Leapmotor C10 ist rund sechstausend Euro günstiger als ein Tesla Model Y, die Hybridvariante C10 REEV liegt preislich...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...