Technologie

WOHNEN UND LEBEN: Lohnt sich das intelligente Zuhause?

Heute können viele Bereiche des Wohnens digitalisiert werden. Ob sich die Investitionen lohnen, hängt stark vom Einzelfall ab - denn neben Vorteilen bestehen auch Risiken.
28.08.2021 12:15
Aktualisiert: 28.08.2021 12:15
Lesezeit: 4 min
WOHNEN UND LEBEN: Lohnt sich das intelligente Zuhause?
Durch eine angedeutete Cloud fotografiert, sehen sich zwei Personen am 05.09.2013 auf dem Stand der Telekom AG auf dem Messegelände in Berlin ein vernetztes Haus an. (Foto: dpa) Foto: Rainer Jensen

Die Digitalisierung des Hauses oder der Wohnung ist heute theoretisch weit fortgeschritten und kann, wenn sie verwirklicht wird, auf zahlreiche Systeme angewandt werden.

Ein zentraler Ansatzpunkt für „intelligentes Wohnen“ ist die Heizungsanlage. Beispielsweise bemerkt das System nach einer Umrüstung auf „intelligente“ Technologien eine längere Abwesenheit der Besitzer und fährt die Heizleistung daraufhin automatisch herunter, um Energie und Kosten zu sparen. Steht bei kalten Außentemperaturen irgendwo ein Fenster auf, können gezielt Heizungskörper im betreffenden Raum heruntergeregelt werden oder aber die Leistung der Fußbodenheizung selbstständig an Jahreszeit, Tageszeit und aktuellen Wetterverhältnissen angepasst werden.

Auch das Luftmanagement kann intelligent gesteuert werden. Über- oder unterschreitet die Luftfeuchtigkeit beispielsweise bestimmte vorher festgelegte Grenzwerte, können Raumbefeuchter selbstständig zum Einsatz kommen. Dasselbe gilt, wenn die Luft in einem Raum „verbraucht“ ist: anhand der Messung des CO2-Wertes lassen sich Klimaanlagen autonom steuern und Frischluft zuführen.

Ein mit einer hauseigenen Wetterstation gekoppeltes Beschattungssystem hilft, den Lichteinfall günstig zu regulieren. So öffnen sich Jalousien, wenn die Sonne an kühlen Tagen gerade einmal scheint, um die Räume auf natürliche Weise aufzuwärmen und den Einsatz der Heizung überflüssig zu machen, was wiederum Kosten spart. Wird es zu heiß, schließt sich die Jalousie, um einer Überhitzung im Raum und einem Einsatz der Klimaanlage vorzubeugen. Die Wetterstation beobachtet überdies die Wetterprognosen der kommenden Tage, um eigenständig ihr Vorgehen zu planen.

Die Steuerung der Beleuchtung kann auf vielfältige Weise angelegt werden. Per Bewegungsmelder können Lichter eingeschaltet werden, per Zentralschalter können alle Lichtquellen gelöscht oder je nach Ambiente und Anlass verschiedene Lichtgruppen und -farben programmiert werden. Dasselbe gilt für eine intelligente Steuerung der Hintergrundmusik.

Warnsysteme vor Gefahren (Feuer oder starke Hitze, plötzlicher Kohlenmonoxid-Anstieg in den Innenräumen, drohende Überschwemmungen oder Ähnliches) setzen auf ein Netz von Sensoren, um bedeutende Veränderungen der einschlägigen Parameter im Haus und darum herum zu messen und im Bedarfsfall zu warnen. Eine ähnliche Schutzfunktion für die Eigentümer haben intelligente Türen und Tore, welche sich automatisch öffnen, für ungebetene Gäste aber verschlossen bleiben.

Den heute wahrscheinlich am weitgehendsten digitalisierten Wohnbereich stellen vernetzte und intelligent operierende Hausgeräte und Multimediageräte dar, inzwischen hat sich aus dieser Sparte ein Mega-Trend entwickelt. Beispielseise können Wasch- und Spülmaschinen an das Gesamtsystem angeschlossen werden - ebenso wie Kühlschränke, die ihren Inhalt mithilfe von Kameras und Sensoren verwalten und dem Besitzer Hinweise zu zur Neige gehenden Lebensmitteln geben oder Rasensprenger, die vom Urlaubsort aus bedient werden können. Multimediageräte wie Fernseher, Computer, Beamer, Webradios oder Musikanlagen lassen sich zu einem Gesamtsystem verschmelzen und mithilfe nur noch einer Fernbedienung steuern. Darüber hinaus bieten Schnittstellen via Netzwerk oder Infrarot die Möglichkeit, sich mit so genannten Gateways zu verbinden.

Ziele der Digitalisierung

Die meisten Menschen verfolgen mit der Umrüstung ihrer Häuser und Wohnungen das Ziel, Kosten zu sparen und Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Wasser sowie elektrische Energie möglichst effizient einzusetzen.

Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass es noch ausgeprägte Potenziale für Effizienz- und Einsparziele im Gebäudebereich gebe. „Dies betrifft insbesondere den Bereich der Wohn- und Nichtwohngebäude. Mit ihrem fast 40-prozentigen Anteil am gesamten Energieverbrauch in Deutschland stellen sie ein großes Anwendungsfeld für digitale Ansätze zur Steigerung der Energieeffizienz und zum stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien dar“, schrieben die Autoren damals.

Dabei lassen sich zwei Ansätze identifizieren, wie Digitalisierung im Gebäude wirkt: Der erste zielt auf eine maximal effiziente Nutzung der Ressourcen ab, um Kosten, Rohstoffe und Zeit zu sparen.

Dazu heißt es in der besagten Studie: „Unter diesem Themengebiet werden alle digitalen Ansätze und Angebote zusammengefasst, die sich rund um die energetisch optimierte Planung und Realisierung sowie den energieeffizienten Betrieb von Gebäuden bewegen. Bereits heute gibt es eine breite Palette an Produkten und digitalen Angeboten, die sich unter dem Schlagwort ‚Smart Home‘ zusammenfassen lassen. Durch intelligente Haustechnik, die entweder die verstärkte Verbrauchstransparenz oder die intelligente Steuerung der Anlagentechnik adressiert, könnten Verbraucher und Gebäudenutzer zu einem bewussten Energieumgang motiviert werden. Sie ermöglichen eine bedarfsgerechte Steuerung der Gebäudetechnik und optional eine verbesserte Einbindung erneuerbarer Energien.“

Lesen Sie morgen im zweiten Teil dieser Analyse, wer vom zweiten Ansatz besonders profitieren kann und worin die Risiken smarter Technologie liegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDMA-Analyse: US-Zölle setzen Maschinenbau unter Druck – Exporte 2025 spürbar rückläufig
23.02.2026

Der deutsche Maschinenbau steckt im Spannungsfeld globaler Krisen, wie eine aktuelle VDMA-Analyse zeigt. Während einzelne Märkte Hoffnung...

DWN
Finanzen
Finanzen Hella-Aktie im Fokus: Anleger reagieren zurückhaltend auf komplizierten Ausblick
23.02.2026

Die Hella-Aktie steht vor einem herausfordernden Jahr: Sinkende Umsätze, eine schwächere Marge und ein anspruchsvolles Marktumfeld...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Crash geht weiter: Bitcoin-Kurs aktuell im Minus – Anleger leiden unter "extremer Angst"
23.02.2026

Der Bitcoin-Kurs gerät erneut massiv unter Druck. Politische Entscheidungen aus Washington, eskalierende Handelsspannungen und wachsende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitslosenquote gestiegen: 1,9 Millionen Hochgebildete von Armut gefährdet
23.02.2026

Gute Bildung bedeutet oft auch einen gut bezahlten Job – aber die Gleichung stimmt nicht immer. Für eine wachsende Zahl von Menschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stickstoffdünger in der EU: CBAM verschärft den finanziellen Druck auf Landwirte
23.02.2026

Der drastische Rückgang der Stickstoffdünger-Importe in der EU trifft auf deutlich steigende Preise und verschärft den Druck auf die...

DWN
Politik
Politik EU-Rohstoffpolitik: Europäischer Rechnungshof sieht strukturelle Schwächen
22.02.2026

Die EU will mit ihrer Rohstoffpolitik die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern, doch der Europäische Rechnungshof sieht deutliche...

DWN
Politik
Politik World Leaders Ranking: Indiens Premier Modi bleibt beliebtester Staatschef – wo steht Merz?
22.02.2026

Die aktuellen Ranglisten zur Zustimmung für Staats- und Regierungschefs offenbaren spürbare Verschiebungen im globalen Machtgefüge....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Ukraine-Krieg und Deutschlands Rohstoff-Dilemma: Abhängigkeit statt Versorgungssicherheit
22.02.2026

Der Ukraine-Krieg hat nicht nur Europas Sicherheitsordnung erschüttert, sondern auch Deutschlands wirtschaftliches Fundament offengelegt....