Deutschland

Deutschlands Umweltorganisationen befinden sich auf derselben Wellenlänge wie das Weltwirtschaftsforum

Deutschlands Umweltschutzorganisationen wollen ein Totalverbot für alle innerdeutschen Kurzstreckenflüge. Dieser Vorschlag deckt sich mit dem Umschwung von Flugzeugen auf Eisenbahnen im Bereich des Transports, der vom Weltwirtschaftsforum beworben wird.
20.10.2021 19:28
Aktualisiert: 20.10.2021 19:28
Lesezeit: 1 min
Deutschlands Umweltorganisationen befinden sich auf derselben Wellenlänge wie das Weltwirtschaftsforum
Ein Flugzeug hinterlässt Kondensstreifen am Himmel. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Mehrere Umweltschutzorganisationen fordern ein sofortiges Aus für alle innerdeutschen Kurzstreckenflüge bis zu einer Entfernung von 600 Kilometern. So könnten jährlich mehr als eine Million Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart und das Klima stärker geschützt werden, argumentieren die Organisationen in einem am Mittwoch veröffentlichten Forderungspapier, das sich explizit an die Ampel-Verhandlungspartner SPD, Grüne und FDP richtet. Die Forderung ist deshalb so interessant, weil sie sich an jener Entwicklung orientiert, die vom Weltwirtschaftsforum (WEF) unter Klaus Schwab orientiert. Dabei tun die Umweltschutzorganisationen so, als ob die SPD, die Grünen und die FDP nicht dasselbe planen würden.

In einem Video berichtet das WEF sehr positiv über den Umschwung von Flügen auf Eisenbahnen.

„Die Hälfte aller innerdeutschen Flüge kann bereits jetzt durch eine Bahnfahrt von maximal vier Stunden ersetzt und dadurch jährlich 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden“, sagte Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch die Umweltorganisation Robin Wood, die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) und regionale Organisationen sind an dem Papier beteiligt.

Es sei „völlig unverständlich, warum Ultrakurzstreckenflüge in Zeiten der Klimakrise überhaupt noch erlaubt“ seien, erklärte Reh weiter. Gemeint sind Flüge bis zu einer Entfernung von 600 Kilometern. Laut Papier sollte jeder Flug, dessen Ziel „innerhalb von vier Stunden mit dem ICE erreichbar“ wäre, abgeschafft werden. Im nächsten Schritt fordern die Organisationen, dass auch Kurzstreckenflüge bis 1500 Kilometer „überflüssig gemacht“ werden.

Die Unterzeichner mahnen eine deutliche Verlagerung des Flugverkehrs hin zum Schienenverkehr und ein Ende der staatlichen Subventionen für Flughäfen an. Die künftige Bundesregierung müsse die Weichen für einen attraktiveren und günstigeren Bahnverkehr stellen.

Widerspruch kam vom Flughafenverband ADV. Das Verlagerungspotenzial von der Luft auf die Schiene sei „nicht endlos“, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der Deutschen Presse-Agentur. Das Bahnnetz und die Taktfrequenz der Züge müssten dafür deutlich erhöht werden. Selbst wenn dies gelänge, bliebe „der innerdeutsche Luftverkehr eine wichtige Säule im deutschen Mobilitätssystem“. Tagesdienstreisen seien oft nur mit dem Flugzeug umsetzbar.

Darüber hinaus verweist der ADV-Chef darauf, dass ein gutes Drittel der Fluggäste den innerdeutschen Flugverkehr nutze, um auf einen internationalen Flug umzusteigen. „Einseitige Begrenzungen würden den Luftverkehrsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb schwächen - dem Klima würde dies nichts bringen“, sagte Beisel. Ein Verbot von innerdeutschen Flügen würde aus seiner Sicht die Emissionen durch „zusätzliche Umwege“ sogar noch erhöhen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
17.03.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Globale Lieferketten geraten unter Druck
17.03.2026

Die faktische Blockade der Straße von Hormus bringt zentrale Handelsströme ins Stocken und treibt Energie- sowie Transportkosten weltweit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entwurf zur EnWG-Reform bringt Reiche unter Druck – was das Netzpaket-Aus konkret bedeutet
17.03.2026

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien mit neuen Bedingungen zu versehen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Zitterpartie: EU und USA einigen sich auf neuen Zoll-Pakt
17.03.2026

Hinter den Kulissen von Brüssel und Washington wurde lange gepokert, doch jetzt steht der Kurs fest: Die EU-Parlamentspräsidentin Roberta...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lichtblick am Ende des Tunnels: Autoindustrie nimmt 2026 wieder Fahrt auf
17.03.2026

Die Schockwellen der ersten Gewinnwarnungen verrauchen langsam. Dank eines starken Schlussspurts der Audi-Gruppe zeigt das Barometer für...

DWN
Politik
Politik Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht
17.03.2026

Etikettenschwindel bei den Staatsfinanzen? Das Münchner Ifo-Institut wirft der Bundesregierung vor, neue Milliardenschulden massiv...

DWN
Politik
Politik Nach Iran und Venezuela: Trump erhöht massiv den Druck auf Kuba
17.03.2026

US-Präsident Donald Trump nimmt nach Teheran und Caracas nun offenbar das nächste Ziel in den Fokus: Kuba. Mit einer offen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Brennende Tanker, blockierte Routen: Wie gelangt das Golf-Öl jetzt noch zum Kunden?
17.03.2026

Die Schlagader der Weltwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wagen nur noch wenige Schiffe die...