Deutschland

Vorpommern: Weiter hohe Zahl von illegal eingereisten Migranten

Im November kommen wieder zahlreiche Migranten illegal über die polnische Grenze nach Vorpommern. Auch deutschlandweit ist die Zahl der unerlaubten Einreisen stark angestiegen.
05.11.2021 11:45
Lesezeit: 2 min
Vorpommern: Weiter hohe Zahl von illegal eingereisten Migranten
Eine deutsch-polnische Streife bei einer fiktiver Festnahme bei Pomellen. (Foto: dpa) Foto: Stefan Sauer

Die Zahl der Migranten, die über die sogenannte Belarus-Route illegal nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen, bleibt weiter hoch. Wie ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) am Freitag sagte, wurden zwischen Blankensee und Pomellen seit Donnerstagfrüh fünf Schleusungen mit 36 Flüchtlingen vereitelt.

In vier Fällen konnten die mutmaßlichen Schleuser, eine Frau und drei Männer, festgenommen werden. Auf der Autobahn 11 bei Pomellen kam es dabei am Donnerstag zu einer kurzen Verfolgungsjagd, wobei die Fahrerin nach kurzer Zeit gestoppt werden konnte. Im Wagen saßen sechs Flüchtlinge aus dem Irak.

Damit wurden an den ersten vier Tagen im November bereits mehr als 80 Frauen und Männer bei illegalen Einreisen in Vorpommern gestoppt. «Die Lage bleibt sehr dynamisch», sagte der Sprecher. Im Oktober wurden an der deutsch-polnischen Grenze in Vorpommern insgesamt 749 Frauen, Männer und Kinder aufgegriffen. Die meisten von ihnen kamen aus Irak und Iran, wenige aus Syrien und dem Jemen. Im September waren es 302 illegal eingeschleuste Flüchtlinge gewesen, im August 104. An der gesamten Grenze zu Polen waren im Oktober mehr als 5000 Migranten aufgegriffen worden.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte im Frühjahr als Reaktion auf EU-Sanktionen erklärt, er werde Migranten in Richtung Europäische Union nicht mehr aufhalten. Die EU wirft ihm vor, die Menschen aus Krisengebieten regelrecht einzuschleusen. Polen, Litauen und Lettland verstärken ihre EU-Außengrenze zu Belarus. Trotzdem kommen Tausende durch bis nach Deutschland.

Illegale Einreisen nach Deutschland

Die Zahl der unerlaubten Einreisen nach Deutschland ist nach dem coronabedingten Rückgang im vergangenen Jahr wieder leicht angestiegen. Wie die Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner mitteilte, wurden in diesem Jahr 34 993 bisher unerlaubte Einreisen festgestellt. Das sind fast so viele wie im gesamten Vorjahr.

Wie das Bundesinnenministerium auf Nachfrage ergänzend mitteilte, bezieht sich diese Zahl auf den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. September. Die meisten dieser Einreisen betrafen den Angaben zufolge afghanische, syrische und irakische Staatsangehörige. Die Bundesregierung beruft sich in ihrer Antwort auf Daten der Polizeilichen Eingangsstatistik der Bundespolizei.

Laut dem von Bundespolizei und Bundeskriminalamt gemeinsam erstellten Lagebild Schleusungskriminalität wurden im Jahr 2019 an den deutschen Grenzen 40 610 unerlaubte Einreisen registriert, im Gesamtjahr 2020 sank die Zahl auf 35 435 Fälle. Allerdings war das vergangene Jahr von erheblichen Einschränkungen im Reiseverkehr aufgrund der Corona-Pandemie geprägt. Zudem hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für den Zeitraum 12. März bis 19. Juni zur Eindämmung der Pandemie Grenzkontrollen angeordnet.

Bundespolizeipräsident Dieter Romann hatte damals betont, es handele sich dabei um Kontrollen und nicht um Grenzschließungen. Der AfD-Politiker Brandner sagte: «Deutschland agiert als Migrationsmagnet und zieht immer mehr Menschen an», die dann auf Sozialleistungen angewiesen seien. Um dem entgegenzuwirken, seien «eine umfassende Grenzschließung» und zügige Rückführungen notwendig.

Seit dem Sommer hat die Zahl der Asylbewerber, die via Belarus - meist über Polen - nach Deutschland kommen, stark zugenommen. Allein im Oktober registrierte die Bundespolizei rund 5300 unerlaubte Einreisen mit Bezug zu Belarus.

An den EU-Binnengrenzen sind Kontrollen eigentlich nicht vorgesehen. Es gibt aber Ausnahmen, die Deutschland und einige andere Staaten in Anspruch nehmen. Die deutsche Polizei kontrolliert beispielsweise seit Herbst 2015 an der Grenze zu Österreich, allerdings nicht flächendeckend.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...

DWN
Technologie
Technologie KI-Unternehmen setzen auf Philosophen – ethische Fragen rücken in den Fokus
08.08.2026

Je leistungsfähiger Künstliche Intelligenz wird, desto drängender werden Fragen nach Verantwortung, Wahrheit und Moral. Ausgerechnet...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warum schlechte Nachrichten gute Nachrichten für US-Anleger sein können
07.08.2026

Unerwartete Entwicklungen an der Wall Street: Warum enttäuschende Konjunkturdaten plötzlich für Jubel unter Investoren sorgen.