Wirtschaft

Ifo: Ölreserven halten nur drei Monate

Die strategischen Ölreserven der Welt könnten schneller aufgebraucht sein als gedacht. Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor Knappheit, steigenden Spritpreisen und möglichen Wettbewerbsproblemen in Deutschland.
12.03.2026 13:17
Lesezeit: 2 min

Ifo-Chef Fuest: Ölreserven weltweit nur kurzfristig nutzbar

Wegen des starken Anstiegs der Öl- und Gaspreise wird die internationale strategische Ölreserve angezapft. Doch diese ist sehr begrenzt, warnt Ifo-Präsident Clemens Fuest – und empfiehlt daher sparsamen Umgang.

Die internationale Ölreserve könnte bei einer längeren Dauer des Iran-Kriegs und weiteren Freigaben nach Einschätzung von Fuest bereits im Sommer erschöpft sein. Wenn durch den Krieg 25 Prozent des üblichen Ölangebots wegfallen und die Straße von Hormus geschlossen ist, "dann haben wir weltweit für drei Monate strategische Ölreserven", mahnte der Ökonom in Berlin.

Der Wissenschaftler rät daher zu vorsichtigem Umgang: "Da wir nicht wissen, ob dieser Krieg nicht noch eskaliert und vielleicht sogar noch Monate andauert, kann man durchaus fragen, ob es jetzt schon richtig ist, die Reserven so früh freizugeben."

400 Millionen Barrel freigegeben

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Mittwoch angekündigt, 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl freizugeben, um den Preisanstieg zu dämpfen. Nach IEA-Angaben entspricht das einem Drittel der von 32 Staaten, darunter Deutschland, gelagerten Ölreserven von 1,2 Milliarden Barrel. Hinzu kommen von der Industrie gelagerte 600 Millionen Barrel, deren Freigabe die Unternehmen auf Anweisung erfüllen müssen.

Fuest betonte, dass die Ölreserven nicht dafür vorgesehen seien, dauerhaft Lieferausfälle auszugleichen: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verursacht der Energiepreisanstieg noch nicht die ganz großen Probleme." Nach Analyse des Ifo-Instituts stiegen Benzin- und Dieselpreise in Deutschland allerdings schneller als in den Nachbarländern Polen, Frankreich, Tschechien und Österreich. Auch die Monopolkommission hatte dies zuvor festgestellt.

Abzocke an der Zapfsäule? Sprit in Deutschland teurer als in Nachbarländern

"Auffällig ist, dass der Preis an der Zapfsäule stärker gestiegen ist, als es durch die Rohölverteuerung allein zu erklären wäre", sagte Fuest. Seit Jahresbeginn habe sich eine Preisdifferenz zu den Nachbarländern von etwa 20 Cent pro Liter aufgebaut. Wettbewerbsprobleme entstünden wahrscheinlich weniger auf der Ebene der Tankstellen, sondern eher auf Ebene der Raffinerien, erklärte Fuest. "Weil es ein oligopolistischer Markt ist, muss das Kartellamt genau hinschauen." Oligopol bedeutet, dass wenige Unternehmen einen Markt kontrollieren und entsprechend die Preise festlegen können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 30: Die Woche im Rückblick – KW 25
19.06.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Eklat in Brüssel: Merz bremst EU-Ratspräsident nach geheimem Russland-Vorstoß aus
19.06.2026

Ein diplomatischer Alleingang von EU-Ratspräsident António Costa hat beim Brüsseler Gipfel für schweren Zoff gesorgt. Costa hatte ohne...

DWN
Politik
Politik Wendepunkt am Golf: USA beenden Iran-Blockade
19.06.2026

Nach dem Rahmenabkommen mit Teheran haben die USA ihre wochenlange Seeblockade iranischer Häfen aufgehoben. Doch der geplante Start der...

DWN
Politik
Politik Nervenkrieg im Norden? Vizeadmiral warnt vor aggressiverem Russland in der Ostsee
19.06.2026

Die Ostsee wird zunehmend zum Pulverfass: Flottenbefehlshaber Vizeadmiral Axel Deertz warnt vor einem immer potenteren und aggressiveren...

DWN
Finanzen
Finanzen Schufa-Score: BGH prüft Auskunftsanspruch
19.06.2026

Wer eine neue Wohnung sucht, auf Rechnung einkaufen oder einen Bankkredit aufnehmen will, braucht dafür oft einen guten Schufa-Score. Der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitern wird das verwalten, wofür heute 500 Mitarbeiter eingestellt werden
19.06.2026

Die Wirtschaft lebt noch immer in einer Phase der Verdrängung. Führungskräfte sprechen auf Konferenzen über KI, Produktivität und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Intel verzeichnet nach Trump-Beitrag große Gewinne; Aktien erholen sich, da Iran-Abkommen greift
18.06.2026

Ein turbulenter Handelstag voller Überraschungen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte antreiben und warum Anleger jetzt umdenken...

DWN
Politik
Politik Koalition verschiebt Abstimmung über Gesundheits-Sparpaket
18.06.2026

Das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge soll noch nicht in der kommenden Woche im...