Deutschland

Gas-Speicher leeren sich: Bundesregierung bezeichnet Situation als „besorgniserregend“

Die deutschen Erdgasreserven sind auf ungewöhnlich niedrige Füllstände gesunken.
16.02.2022 11:43
Aktualisiert: 16.02.2022 11:43
Lesezeit: 1 min
Gas-Speicher leeren sich: Bundesregierung bezeichnet Situation als „besorgniserregend“
Gasbehälter der örtlichen Stadtwerke stehen in Köln-Mülheim. (Foto: dpa) Foto: Oliver Berg

Deutschlands Erdgasspeicher leeren sich schnell und haben inzwischen die niedrigsten Füllstände seit vielen Jahren erreicht. Die hierzulande stehenden 47 Untergrundspeicher sind nur noch zu etwa 32 Prozent befüllt, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet:

„47 Untertage-Anlagen gibt es davon in Deutschland. Doch ihre Füllstände befinden sich auf einem historischen Tief. Waren die Speicher im Januar noch zu 46 Prozent gefüllt, sind es heute, am 15.02.2022, gerade mal 32,6 Prozent. Im Vergleich: Vor zwei Jahren befanden sich die Füllstände zur selben Zeit bei 81,4 Prozent. Dabei ist Deutschland einer der größten Gasimporteure der Welt. Mit 139 Milliarden Kubikkilometern flossen 2019 10,8 Prozent der weltweiten Exporte nach Deutschland – das war mehr als China zu diesem Zeitpunkt. Bezogen wird das meiste Gas aus Russland.“

Vergangene Woche bezeichnete die eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums die Füllstände als „sicherlich besorgniserregend.“ Zugleich behauptete sie aber, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet sei. Bei der Lieferung von Gas über Pipelines würden die Verträge derzeit eingehalten. Zudem komme nicht alles Gas aus Pipelines, sondern vermehrt etwa auch in Form von Flüssiggas aus den USA oder aus den Niederlanden.

Der Hinweis der Sprecherin, dass alle Lieferverträge eingehalten werden, verdient Beachtung. Denn als sich die Situation bei den Lagerbeständen vor einigen Monaten zu verschlechtern begann, versuchten interessierte Kreise medial, den russischen Lieferanten die Schuld für die Misere zu geben - eine Falschmeldung, wie sich herausstellte. Vielmehr sind es gerade deutsche Spekulanten, die massiv an der Knappheit verdienen, indem sie für Deutschland bestimmtes Gas zurück nach Polen verkaufen.

Die USA schüren Russland zufolge die Spannungen im Ukraine-Konflikt, um sich einen Anteil am Gasmarkt zu sichern. Mit ihrem Vorgehen wollten die USA sicherstellen, dass die Gaspipeline Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen werde, zitieren Nachrichtenagenturen eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Die USA strebten danach, Russland einen Teil seines europäischen Gasmarktes abzunehmen. Die USA wollen zudem ihr Flüssiggas (LNG) exportieren, das aber durch das in Deutschland abgelehnte Fracking-Verfahren gewonnen wird und teurer ist als Pipeline-Gas.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa im Schuldenstrudel: Warum die alten Mächte wanken und der Süden aufsteigt
29.11.2025

Europa war lange in zwei Gruppen geteilt. Es gab die Staaten mit fiskalischer Disziplin, angeführt von Deutschland, und die...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis und geopolitischer Druck: Serbiens Konflikt um den russischen Energiekonzern NIS
29.11.2025

Serbien steht inmitten einer energiepolitischen Zuspitzung, deren Ausgang weit über das Land hinaus Bedeutung hat. Welche Entscheidung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Befristung von Arbeitsverträgen: Warum für Beschäftigte ab 52 Jahren Sonderregeln gelten
29.11.2025

Arbeitgeber sollen zusätzlich motiviert werden, älteren Menschen neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten und dabei selbst flexibel...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Crash: Michael Burry sieht Risiken einer KI-Aktien-Blase
29.11.2025

Michael Burry sorgt erneut für Aufsehen an den Finanzmärkten, diesmal im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Angesichts der rasant...

DWN
Panorama
Panorama Weihnachtsmarkt-Umfrage: Was für Besucher wirklich wichtig ist
29.11.2025

Eine aktuelle Weihnachtsmarkt-Umfrage offenbart deutliche Verunsicherung in der Bevölkerung: Trotz festlicher Stimmung bleiben Sorgen rund...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise: Warum der Preissturz jetzt ganze Volkswirtschaften umkrempelt
29.11.2025

Der weltweite Gasmarkt kippt von Knappheit in Überfluss. Während Unternehmen jahrelang unter der Energiekrise litten, setzt eine massive...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handelsstreit trifft große Volkswirtschaften: Zölle belasten Deutschland, China und die USA
29.11.2025

Der globale Handelskrieg belastet die größten Volkswirtschaften und sorgt für wachsende Unsicherheit bei Industrie und Konsum. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie im Fokus: Googles TPU-Pläne verschärfen den KI-Wettbewerb
28.11.2025

Der Wettbewerb um die leistungsfähigsten KI-Chips gewinnt rasant an Dynamik, da große Technologiekonzerne ihre Strategien neu ausrichten...