Deutschland

Aktuelle Zahlen für 2021 zeigen: Energiewende und Kohleausstieg geraten mächtig ins Wanken

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zur Stromerzeugung in Deutschland sind ein schwerer Schlag für Energiewende und Kohle-Ausstieg.
03.04.2022 08:23
Lesezeit: 3 min
Aktuelle Zahlen für 2021 zeigen: Energiewende und Kohleausstieg geraten mächtig ins Wanken
Aktivisten der dubiosen Organisation "Ende Gelände" blockieren Gleise der Kohle-Transportbahn, während Polizisten die Aktivisten beobachten.Im Hintergrund ist das Kraftwerke Neurath zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Christoph Reichwein

Das Statistische Bundesamt berichtet in einer aktuellen Pressemitteilung:

Der in Deutschland erzeugte und in das Stromnetz eingespeiste Strom stammte im Jahr 2021 mehrheitlich aus konventionellen Energieträgern. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, stieg die Stromerzeugung aus konventioneller Energie gegenüber dem Jahr 2020 um 11,7 % und machte einen Anteil von 57,6 % an der gesamten Stromerzeugung aus (2020: 52,9 %). Die Einspeisung aus erneuerbaren Energien sank dagegen um 7,6 % auf einen Anteil von 42,4 % (2020: 47,1 %). Insgesamt wurden 2021 knapp 518 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Das waren 2,6 % mehr Strom als im Vorjahr, aber 3,1 % weniger als im von der Corona-Krise unbeeinflussten Jahr 2019.

Knapp ein Viertel mehr Kohlestrom im Jahr 2021

Kohle war im Jahr 2021 der wichtigste Energieträger zur Stromerzeugung in Deutschland. Mit einem Plus von 24,9 % verzeichnete der Strom aus Kohlekraftwerken auch den höchsten Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil von Kohlestrom an der insgesamt eingespeisten Strommenge betrug damit 30,2 %. Im Vorjahr hatte er noch bei 24,8 % gelegen. Der Kohlestrom in Deutschland stammt zu rund 60 % aus Braunkohle und zu rund 40 % aus Steinkohle. Der Bedarf an Braunkohle wird dabei weitestgehend durch inländische Förderung, der Bedarf an Steinkohle durch Importe gedeckt.



Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zurückgegangen

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung ging 2021 gegenüber 2020 von 47,1 % auf 42,4 % zurück. Dabei nahm die Stromeinspeisung aus Windkraft deutlich um 13,3 % ab, was insbesondere auf das im Vorjahresvergleich windärmere Frühjahr 2021 zurückzuführen ist. Strom aus Windkraft hatte dadurch nur noch einen Anteil von 21,5 % an der eingespeisten Strommenge. Im Jahr 2020 war die Windkraft mit einem Anteil von 25,2 % erstmals der wichtigste Energieträger in der Stromerzeugung gewesen. Die Stromeinspeisung aus Photovoltaik ging dagegen im Jahr 2021 nur leicht um 0,5 % auf einen Anteil von 8,7 % zurück (2020: 9,0 %).

Weniger Strom aus Erdgas infolge stark gestiegener Preise im 2. Halbjahr 2021

Der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung lag im Jahr 2021 bei 12,6 %, nachdem er im Vorjahr bei 13,7 % gelegen hatte. Im Gesamtjahr 2021 war die Stromeinspeisung aus Erdgas 5,8 % geringer als im Vorjahr. Der Rückgang ist hauptsächlich auf das 2. Halbjahr 2021 und hier vor allem auf das 3. Quartal 2021 zurückzuführen, als die Stromeinspeisung aus Erdgas im Vergleich zum Vorjahresquartal um 38,9 % zurückging. Hauptverantwortlich dafür waren die deutlich gestiegenen Preise für Erdgas.

Mehr Strom aus Kernenergie vor Abschaltung dreier Kernkraftwerke

Die Stromeinspeisung aus Kernenergie stieg im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 um 7,4 % auf einen Anteil von 12,6 % an der gesamten eingespeisten Strommenge (2020: 12,1 %). Ende 2021 wurden allerdings im Rahmen des Ausstiegs aus der Atomenergie drei der sechs bis dahin noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke abgeschaltet, sodass in Zukunft nur noch drei Kernkraftwerke Strom erzeugen und einspeisen. Daher werden sowohl die durch inländisch erzeugte Strommenge aus Kernenergie als auch ihr Anteil an der eingespeisten Strommenge deutlich abnehmen.

Trotz der gestiegenen Bedeutung der Kohlekraft und trotz der Debatte über einen drohenden Gasmangel will der Energieversorger RWE einen 300-Megawatt-Block seines Braunkohlekraftwerks in Neurath am Freitag wie geplant stilllegen - lässt sich aber eine Option zum Weiterbetrieb offen. Das bedeutet aber noch kein endgültiges Aus für den ältesten Block des Kraftwerks, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte: "Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um eine mögliche Reduzierung des Gasverbrauchs in der Stromerzeugung wird RWE den Block für kurze Zeit konservieren."

Nach Reuters-Informationen gibt es Überlegungen, den Kraftwerksblock für die sogenannte Sicherheitsbereitschaft zu nutzen. In dieser Notfallreserve stehen Anlagen, die zwar abgeschaltet sind, sich aber kurzfristig wieder aktivieren lassen. Das betrifft derzeit nach früheren Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium Kraftwerke mit einer Leistung von 1900 Megawatt. Sie könnten im Notfall zeitweise ans Netz gehen, um den Gasverbrauch bei der Stromerzeugung zu verringern. Für Kraftwerke, die sich in der sogenannten Sicherheitsbereitschaft befinden, erhalten die Betreiber eine Vergütung.

"Wir arbeiten seitens der Bundesregierung mit Hochdruck daran, die Vorsorge zu stärken", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums von Robert Habeck (Grüne). "Auch im Bereich Braunkohle prüfen wir, welchen zusätzlichen Beitrag die Braunkohle für den kommenden Winter leisten kann und muss, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten." Das Ministerium begrüße die RWE-Entscheidung, den Kraftwerksblock zunächst zu konservieren. Das Unternehmen sicherte zu, alle Maßnahmen zu unterlassen, die eine Wiederinbetriebnahme gefährden könnten.

Habeck hatte am Mittwoch die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen, weil sich durch den Ukraine-Krieg die Versorgung mit Gas verschlechtern könnte. Der Minister unterstrich aber, dass es derzeit keine Versorgungsengpässe gebe.

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