Wirtschaft

Devisenmangel: Argentinien kann Importe nicht mehr bezahlen

Die Finanzkrise in Argentinien verschärft sich weiter. Die Zentralbank muss Importzahlungen mangels Devisen verschieben. Die Inflation wird unerträglich.
21.04.2023 10:37
Aktualisiert: 21.04.2023 10:37
Lesezeit: 1 min

Die argentinische Zentralbank hat wegen eines gravierenden Devisenmangels einen Zahlungsaufschub für Dienstleistungen und Frachttransporte aus dem Ausland verkündet. Bis zum Jahresende seien Transaktionen im Wert von zwei Milliarden US-Dollar ausgesetzt, teilten die Währungshüter am Donnerstag (Ortszeit) mit.

Die nach Brasilien zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas kämpft seit langem mit einer schweren Finanzkrise, die durch eine dreistellige Inflationsrate gekennzeichnet ist. Eine historische Dürre hat die Lage in den vergangenen Monaten verschärft, da durch Ernteausfälle die Agrarexporte niedriger ausfallen als gewöhnlich und dadurch beträchtliche Dollarsummen nicht wie sonst ins Land strömen.

Die Mitte-Links-Regierung von Präsident Alberto Fernandez hat mit zahlreichen Maßnahmen versucht, den Zufluss ausländischer Devisen anzukurbeln und die stetig schwächer werdende Landeswährung Peso zu stützen - bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Der jüngste Schritt der Zentralbank, die eng mit der Regierung Fernandez verbunden ist, soll das Ausbluten stoppen und die Abwanderung von ausländischem Kapital eindämmen.

Die Zentralbank hat eigenen Angaben zufolge "Maßnahmen genehmigt, die zusammen einen Aufschub von Zahlungen in Fremdwährung in Höhe von zwei Milliarden Dollar bis zum Ende des Jahres bedeuten". Zuvor war die argentinische Landeswährung auf einem weit verbreiteten Parallelmarkt auf ein Rekordtief von 438 Pesos pro Dollar gesunken. Der streng kontrollierte offizielle Wechselkurs liegt bei 218 Pesos je Dollar, was etwa der Hälfte des Schwarzmarktkurses entspricht.

Die Zentralbank erhöhte zudem ihren Leitzins von 78 auf 81 Prozent und damit stärker als von Ökonomen erwartet. Sie will damit die Inflation eindämmen, nachdem die Jahresteuerungsrate im März auf 104 Prozent gestiegen war. Eine Umfrage der Zentralbank prognostiziert, dass die Inflationsrate in diesem Jahr auf 110 Prozent steigen könnte. Die Ökonomen der Bank JP Morgan halten sogar 130 Prozent für möglich. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Düngemittelpreise explodieren und Brüssel liefert nur erste Hilfen
21.05.2026

Erst Energiekrise, dann Nahost-Krieg, jetzt die nächste Kostenwelle auf den Feldern. Europas Bauern sollen vor der kommenden Aussaat...

DWN
Politik
Politik Kreml signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber Europa
21.05.2026

Russland zeigt sich nach Angaben des Kremls offen für direkte Gespräche mit europäischen Staaten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von...

DWN
Panorama
Panorama Schuldspruch im Berufungsprozess: Air France und Airbus nach Absturz verurteilt
21.05.2026

Wende im Fall des Absturzes von Flug AF 447 im Jahr 2009 mit 228 Todesopfern: Ein Pariser Berufungsgericht hat Air France und Airbus der...

DWN
Politik
Politik EU-Asylwende: Abschiebezentren in Drittstaaten vor der Umsetzung
21.05.2026

Die Europäische Union steht vor einer grundlegenden Reform ihrer Abschiebepolitik. Die Verhandlungen über die neue, verschärfte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krise der Autoindustrie: Eberspächer zieht die Reißleine in Deutschland
21.05.2026

Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer kämpft mit Umsatzrückgängen und geopolitischen Spannungen. Als Reaktion auf die weltweite...

DWN
Politik
Politik Debatte um späteren Renteneintritt: Regierung weist Gerüchte um Rente mit 70 zurück
21.05.2026

Kurz vor dem Abschlussbericht der Rentenkommission sorgen Spekulationen über ein mögliches höheres Renteneintrittsalter für politische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stagnation: Bundesbank warnt vor Konjunkturstillstand durch Iran-Krieg
21.05.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert nach Einschätzung der Bundesbank spürbar an Schwung. Vor allem die Auswirkungen des Iran-Krieges...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie: Milliardenumsatz und Ausblick reichen nicht für neues Rekordhoch – Anleger bleiben vorsichtig
21.05.2026

Der KI-Boom treibt Nvidia seit Jahren zu immer neuen Rekorden, doch diesmal reagieren Anleger überraschend zurückhaltend. Analysten loben...