Finanzen

Fed vollbringt schnellsten Bilanzabbau aller Zeiten

Die Federal Reserve setzt den Abbau ihrer Bilanz unbeirrt fort. Die Bilanzsummme liegt jetzt auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Die Bankenkrise scheint überwunden.
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08.07.2023 15:50
Aktualisiert: 08.07.2023 15:50
Lesezeit: 3 min
Fed vollbringt schnellsten Bilanzabbau aller Zeiten
Fed-Chef Jerome Powell hat den schnellsten Bilanzabbau aller Zeiten über die Bühne gebracht. (Foto: dpa) Foto: Manu Fernandez

Die Bilanzsumme der Federal Reserve hatte im April letzten Jahres ihren historischen Höchststand erreicht. Seitdem ist die Bilanz bereits um 667 Milliarden Dollar geschrumpft und liegt nun bei 8,298 Billionen Dollar, wie die am Donnerstag von der Fed veröffentlichten Daten zeigen. Dies ist der niedrigste Stand seit August 2021. Denn die Notenbank setzt den Bilanzabbau - die sogenannte Quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) - unerbittlich fort.

Allein in den 15 Wochen seit dem Höhepunkt der Bankenpanik im März hat die Federal Reserve Vermögenswerte in Höhe von 435 Milliarden Dollar abgebaut. Niemals zuvor ist die Bilanzsumme innerhalb von nur 15 Wochen so schnell geschrumpft. Die Quantitative Straffung trotz Bankenkrise unbeirrt fortgesetzt, auch wenn die Versorgung der Banken mit Liquidität vorübergehend zu einem erneuten Anstieg der Bilanzsumme um 391 Milliarden Dollar führte.

Banken zahlen Kredite an Fed zurück

Doch die Bankenkrise scheint überwunden, dies zeigen zumindest die Daten der Federal Reserve. Am Diskontfenster stehen Kredite in Höhe von nur noch 3 Milliarden Dollar aus, ein starker Rückgang gegenüber 153 Milliarden Dollar im März. Seit der letzten Zinserhöhung berechnet die Federal Reserve den Banken für diese sogenannten Primärkredite immerhin 5,25 Prozent.

Darüber hinaus müssen die Banken der Fed Sicherheiten zum „fairen Marktwert“ hinterlegen. Diese Primärkredite am Diskontfenster sind also durchaus teuer für Banken, wie der Analyst Wolf Richter erklärt. Wenn nicht gerade eine Bankenkrise ansteht, sollten die Banken in der Lage sein, von ihren Einlegern günstigere Kredite aufzunehmen, ohne dafür Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Deshalb haben zahlen sie diese Kredite so schnell wie möglich bei der Fed ab.

Das eigens für die jüngst Bankenkrise in Leben gerufene Bank Term Funding Program (BTFP) verzeichnet diese Woche ebenfalls einen leichten Rückgang um eine Milliarde Dollar auf 102 Milliarden Dollar. Dies war der erste Rückgang seit Mai. Banken können im Rahmen diese Programms Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr zu einem festen Zinssatz aufnehmen, der an den einjährigen Overnight-Index-Swapsatz zuzüglich 10 Basispunkten gekoppelt ist.

Banken müssen der Fed dafür Sicherheiten stellen, die „zum Nennwert“ bewertet werden. Zwar ist auch dies immer noch teures Geld für die Banken, aber es ist günstiger als am Diskonstfenster. Daher haben die Banken ihre Primärkredite am Diskontfenster offenbar mithilfe von BTFP-Darlehen an die Fed zurückgezahlt. Beide Fazilitäten zusammen stehen nun bei 105 Milliarden Dollar, ein starker Rückgang gegenüber 165 Milliarden Dollar Mitte März.

Einlagenversicherung zahlt Kredite an Fed zurück

Auch die Kredite an die US-Einlagenversicherung FDIC sind in der letzten Woche um weitere 4 Milliarden Dollar auf 188 Milliarden Dollar zurückgegangen. Anfang Mai hatte diese Summe einen starken Anstieg verzeichnet, als JP Morgan die Vermögenswerte von First Republic für 182 Milliarden Dollar von der FDIC erwarb und 50 Milliarden Dollar von der FDIC borgte, um den Kauf zu finanzieren. Die FDIC wiederum nahm Kredite von der Fed auf.

Die FDIC verkauft nun systematisch die Kredite und Wertpapiere, die sie von der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank (SVB) und der Signature Bank übernommen hat. Da die Einlagenversicherung diese Mittel in der Folge an die Fed zurückgibt, verringert sich der Saldo der Kredite der Notenbank an die FDIC kontinuierlich.

Quantitative Straffung geht weiter

In der letzten Woche baute die Fed ihre Bestände an US-Staatsanleihen um weitere 5,11 Billionen Dollar ab und hält nun 665 Milliarden Dollar weniger als beim Höchststand im Juni 2022. Die Notenbank hat also inzwischen 20,5 Prozent der Staatsanleihen im Umfang von 3,25 Billionen Dollar abgebaut, die sie im Rahmen der Quantitativen Lockerung gekauft hatte.

Schatzanweisungen und Anleihen „verschwinden“ zur Monatsmitte oder am Ende des Monats aus der Bilanz, wenn sie fällig werden und die Fed den Nennwert dafür bezahlt bekommt. Der Roll-off ist auf 60 Milliarden US-Dollar pro Monat begrenzt, und ungefähr so viel rollt normalerweise ab, abzüglich des Inflationsschutzes, den die Fed durch TIPS (Treasury Inflation Protected Securities) erhält, der dem Kapital der TIPS hinzugefügt wird.

An hypothekenbesicherten Wertpapieren (mortgage-backed securities, MBS) hält die Fed derzeit noch 2,54 Billionen Dollar fort. Dies bedeutet einen Rückgang um 202 Milliarden Dollar gegenüber dem Höchststand im letzten Jahr. MBS werden in erster Linie durch durchlaufende Tilgungszahlungen aus der Bilanz ausgebucht, die Inhaber erhalten, wenn Hypotheken abbezahlt werden oder wenn regelmäßige Hypothekenzahlungen geleistet werden.

Allerdings lag der Rückgang an hypothekenbesicherten Wertpapieren um 20 Milliarden Dollar im Juni erneut deutlich unter der Obergrenze von 35 Milliarden Dollar pro Monat. Denn die Weiterleitung der Kapitalzahlungen an die Fed erfolgte nur langsam, weil derzeit weniger Hypotheken abbezahlt werden. Denn die Hausverkäufe in den USA sind zurückgegangen und die Refinanzierungen sind eingebrochen.

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