Wirtschaft

Iran-Investments: Risiko, Isolation – und gewaltige Renditen?

Öl, Gas, Pistazien – doch der Iran hat weit mehr zu bieten. Trotz Isolation, Sanktionen und politischer Unsicherheit entwickelt sich dort ein Kapitalmarkt mit Milliardenpotenzial.
25.06.2025 05:59
Aktualisiert: 25.06.2025 07:00
Lesezeit: 2 min
Iran-Investments: Risiko, Isolation – und gewaltige Renditen?
Milliardenmarkt Iran – Zwischen Isolation und Aufbruch (Foto:dpa) Foto: Iranian Army Office

Iran: Chancen für Investoren trotz Isolation und Sanktionen

Der Iran bleibt für viele Europäer ein unbekannter Fleck auf der Weltkarte – geprägt von Konflikten, politischer Isolation und einem schlechten Ruf. Dabei verbirgt sich hinter den Schlagzeilen ein faszinierendes Land mit gewaltigen Rohstoffreserven, jahrtausendealter Kultur und einer weitgehend autarken Wirtschaft.

Maciej Wojtal, Investmentmanager bei Amtelon Capital, ist einer der wenigen westlichen Anleger mit direkter Erfahrung am iranischen Kapitalmarkt. Sein Fonds investiert seit Jahren gezielt in Teheran – und zeigt, welche verborgenen Chancen in dem 89-Millionen-Einwohner-Staat schlummern.

Milliardenmarkt abseits des Westens – Rohstoffe, Industrie, Börse

Der Iran verfügt über die größten kombinierten Öl- und Gasreserven der Welt – noch vor Russland und Saudi-Arabien. Doch die Isolation durch westliche Sanktionen zwang das Land, eigene Industrien, einen robusten Dienstleistungssektor und sogar Technologieunternehmen aufzubauen. Ergebnis: Ein weitgehend eigenständiges Wirtschaftssystem, das sich dem internationalen Wettbewerb bislang entzogen hat.

Die Teheraner Börse mit rund 700 gelisteten Unternehmen bleibt der größte Kapitalmarkt der Region außerhalb Saudi-Arabiens. Trotz politischer Unsicherheit und hoher Inflation locken extrem günstige Bewertungen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis vieler Unternehmen liegt nur beim Drei- bis Vierfachen, Dividendenrenditen erreichen teils 25 Prozent.

Für Wojtal war dies der Ausgangspunkt: „Der Iran bietet weltweit einzigartige Investitionsmöglichkeiten. Ein Land, dessen Wirtschaft noch einen gewaltigen Wandel vor sich hat.“ Sein Fonds investiert gezielt in exportorientierte Unternehmen, die von Währungsabwertungen profitieren und dennoch Zugang zu den Märkten der Region haben.

Zwar dominieren lokale Privatanleger den Kapitalmarkt, doch ausländische Investoren wie Amtelon Capital nutzen die Datenvielfalt vor Ort: Unternehmen müssen monatlich detaillierte Verkaufszahlen offenlegen, die Aufsicht schützt Kleinanleger, der Markt funktioniert weitgehend elektronisch.

Deutschland profitiert indirekt – geopolitische Perspektiven für Anleger

Für deutsche Unternehmen und Investoren bleibt der Iran offiziell weitgehend gesperrt – zu hoch das Risiko, gegen US-Sanktionsrecht zu verstoßen. Doch mittelbar eröffnet der iranische Binnenmarkt, verbunden mit Rohstoffexporten, regionalem Handel und technologischem Eigenbau, auch Chancen für Europa.

Vor allem die wachsende junge Bevölkerung – über 50 Prozent der Iraner sind unter 35 – bildet einen potenziellen Absatzmarkt für westliche Produkte, sollte sich die politische Lage entspannen. Deutsche Maschinenbauer, Chemie- und Lebensmittelkonzerne haben in der Vergangenheit bereits Kontakte geknüpft, deren Reaktivierung künftig enorme wirtschaftliche Vorteile bringen könnte. Zudem bietet der Kapitalmarkt perspektivisch Diversifikation, da er weitgehend unkorreliert zu den globalen Leitbörsen verläuft.

Pistazien, Stahl, Autos – Irans unterschätzte Wirtschaftsstruktur

Weit über Rohstoffe hinaus produziert der Iran Lebensmittel, Pharmazeutika, Autos, Stahl und chemische Erzeugnisse. Die petrochemische Industrie gehört zu den profitabelsten Sektoren weltweit, während die Landwirtschaft mit Pistazien-Exporten den Weltmarkt dominiert.

Trotz geopolitischer Risiken, hoher Inflation und kapitalmarktferner Strukturen sehen mutige Investoren wie Wojtal enormes Potenzial. Sein Fonds arbeitet über spezialisierte Banken und unterliegt strengen rechtlichen Auflagen, um Sanktionsverstöße zu vermeiden. Dennoch bleibt das Engagement risikobehaftet:

„Man investiert nicht für stabile 10 Prozent im Jahr – Verluste sind möglich, aber auch Gewinne im dreistelligen Bereich“, so Wojtal. Seine bislang beste Investition: ein iranischer Kekshersteller mit Kursgewinnen von 600 bis 700 Prozent.

Ein weiterer Ausbau des Fonds hängt von geopolitischen Entwicklungen ab. Kommt es zu einer Entspannung, könnten internationale Investoren folgen – ähnlich wie bei den Boomphasen anderer Schwellenländer.

„Der Iran ist wie die Türkei mit Rohstoffen oder Saudi-Arabien mit Industrie – das Potenzial liegt bei einer Wirtschaft zehnmal so groß wie heute“, erklärt Wojtal.

Trotz aller Risiken bleibt für Anleger, die Diversifikation und hohe Renditechancen suchen, der Blick nach Teheran lohnenswert.

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