Elon Musk prognostiziert Durchbruch humanoider Robotik
Elon Musk ist überzeugt, dass Roboter den Menschen zahlenmäßig überholen werden. Die Vorstellung mag ungewohnt sein, doch sie könnte schneller Realität werden, als viele erwarten. Humanoide Roboter sollen Kinder betreuen, Hunde ausführen, Rasen mähen, einkaufen oder als soziale Begleiter fungieren.
Nach Einschätzung des Tesla-Gründers wird es im Jahr 2040 mehr humanoide Roboter als Menschen geben. Kritiker halten diese Prognose für überzogen, zumal Tesla erst im kommenden Jahr mit der Massenproduktion seines Roboters Optimus beginnen will. Dennoch gilt als sicher, dass menschenähnliche Roboter mit Armen, Beinen und Gesichtern technologisch auf dem Vormarsch sind.
Auch der Robotikexperte Søren Peter Johansen vom dänischen Technologischen Institut hält eine solche Entwicklung grundsätzlich für möglich. Er verweist darauf, dass die entscheidende Frage nicht das Ob, sondern das Wann sei. Johansen arbeitet seit 1994 mit Robotern und beobachtet seit Jahren eine beschleunigte Dynamik in diesem Bereich.
Großbanken sehen Milliardenmarkt entstehen
Mehrere internationale Großbanken rechnen mit einer rasanten Verbreitung humanoider Roboter. Die Schweizer Großbank UBS erwartet im Jahr 2035 rund zwei Millionen humanoide Roboter weltweit und bis 2050 mehr als 300 Millionen Einheiten. Parallel dazu formiert sich in Europa, den USA und vor allem in China ein neues industrielles Ökosystem.
Automobilhersteller wie Tesla und der chinesische Konzern Xpeng setzen gezielt auf humanoide Robotik als künftigen Wachstumstreiber. Der technologische Durchbruch wird vor allem durch Fortschritte in der KI begünstigt, die es Robotern erlaubt, komplexe Aufgaben in industriellen Produktionsumgebungen zu übernehmen. Viele Beobachter gehen davon aus, dass der breite Einsatz in Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre beginnt.
Auch andere Banken sehen enorme wirtschaftliche Potenziale. Die Deutsche Bank schätzt den Markt für humanoide Roboter im Jahr 2035 auf 75 Milliarden Dollar. Prognostiziert wird ein Wachstum auf rund 1000 Milliarden Dollar bis 2050. UBS erwartet ein Marktvolumen von mehr als 1400 Milliarden Dollar, während Morgan Stanley sogar von bis zu einer Milliarde Robotern und einem Markt von 5000 Milliarden Dollar ausgeht.
Chinas technologische Machtdemonstration
Wie weit die Entwicklung bereits fortgeschritten ist, zeigte China im August bei den Humanoid Robot Games. Mehr als 280 Teams aus 16 Ländern traten mit ihren Robotern in sportlichen Disziplinen gegeneinander an. Die Wettbewerbe reichten von Fußball über Leichtathletik bis zu Kickboxen.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Fußballspiele, bei denen die Roboter häufig im direkten Zweikampf stürzten. Technisch beeindruckender war ein Lauf über 1500 Meter, den ein chinesischer Roboter in etwas mehr als sechs Minuten absolvierte. Nach Einschätzung von Experten verdeutlichen solche Leistungen die wachsenden Freiheitsgrade moderner humanoider Systeme.
Johansen betont, dass heutige Roboter deutlich besser balancieren und greifen können und zunehmend für den Einsatz in menschlich geprägten Umgebungen geeignet sind. Diese Fortschritte seien vorwiegend zwei Faktoren zu verdanken: leistungsfähigeren Batterien und der rasanten Entwicklung der KI.
Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie
Nach Jahren intensiver Forschung lassen sich Batterien inzwischen so kompakt und effizient herstellen, dass humanoide Roboter mehrere Stunden autonom arbeiten können. Entscheidender ist jedoch der Fortschritt in der KI. Moderne Systeme verbinden Sehen, Sprache und Bewegung in integrierten Modellen, sodass Roboter ihre Umgebung in Echtzeit erfassen und darauf reagieren.
Die Software wird dabei in virtuellen Umgebungen trainiert. Roboter können so lernen, unter extremen Bedingungen zu agieren, ohne reale Tests durchführen zu müssen. Johansen vergleicht dies mit Fahrzeugtests in Arktis und Wüste, die heute simuliert statt physisch durchgeführt werden können, sofern ausreichend Rechenleistung vorhanden ist.
Analysten sprechen daher von einem Übergang zur physischen Intelligenz. Während KI bislang vorrangig in Softwareanwendungen wie Chatbots eingesetzt wurde, erhält sie nun eine körperliche Dimension und kann aktiv in der realen Welt handeln.
Demografischer Druck treibt Nachfrage
Morgan Stanley bezeichnet die Entwicklung humanoider Roboter als ein Schlüsselkapitel der Menschheitsgeschichte. Die Bank geht davon aus, dass im Jahr 2050 auf zehn Menschen ein humanoider Roboter kommen könnte. UBS verweist zusätzlich auf strukturelle Probleme wie alternde Gesellschaften, Arbeitskräftemangel und stagnierende Produktivität.
Besonders China sieht in humanoiden Robotern eine Antwort auf den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften in der Industrie. Entsprechend stark wächst dort die Zahl der Hersteller. Unternehmen wie Unitree Robotics, UBtech, Xiaomi und der Autobauer Xpeng treiben die Serienproduktion voran.
Ein Beispiel ist der Roboter G1 von Unitree, der in Europa von dem Unternehmen Hive Robots aus Lyngby vertrieben wird. Der Preis liegt bei rund 26.800 Euro. Auch in den USA und Europa arbeiten Firmen wie Boston Dynamics und Tesla an eigenen humanoiden Systemen. Bei Tesla ist ein erheblicher Teil der Unternehmensbewertung von rund 1,34 Billionen Euro mit dem Erfolg von Optimus verknüpft.
China dominiert Wertschöpfung und Patente
Nach einer Studie des Technologischen Instituts führt China das globale Rennen klar an. Während das Land zwischen 2010 und 2014 nur drei Prozent der neuen Robotikentwicklungen stellte, liegt sein Anteil seit 2020 bei 71 Prozent. Auch bei Patentanmeldungen dominiert China deutlich.
Die Zahl der weltweiten Patentanträge im Bereich humanoider Robotik hat sich in zehn Jahren fast verfünffacht und erreichte 2023 mit 520 Anträgen einen Höchststand. Acht der zehn aktivsten privaten Unternehmen stammen aus China, ebenso alle führenden Forschungseinrichtungen. Laut Johansen kontrolliert China inzwischen nahezu die gesamte Wertschöpfungskette, was westliche Hersteller stark abhängig macht.
Erste Schritte in Haushalten und Industrie
Noch sind humanoide Roboter im privaten Umfeld stark eingeschränkt. Viele Aufgaben erfordern menschliche Steuerung per Fernbedienung oder VR-System. Dies zeigte auch eine Demonstration des Roboters Neo von 1X Technologies, der für 20.000 Dollar vorbestellt werden kann. Trotz einfacher Aufgaben wie dem Einräumen einer Spülmaschine stieß das System schnell an seine Grenzen.
Experten gehen daher davon aus, dass der Durchbruch zunächst in der Industrie erfolgt. Dort können Roboter repetitive Aufgaben übernehmen. Unternehmen wie Tesla, Xpeng, BMW, Mercedes-Benz und BYD testen bereits entsprechende Systeme in ihren Fabriken. Auch Logistik und Servicebranchen gelten als frühe Einsatzfelder.
Energieinfrastruktur als neues Einsatzfeld
In Dänemark testet der staatliche Netzbetreiber Energinet den Einsatz humanoider Roboter. Nach Einschätzung von Innovationsdirektorin Mette Have Larsen-Ledet liegt hier ein erhebliches Potenzial. Roboter könnten künftig einfache Bewachungsaufgaben an kritischer Infrastruktur übernehmen oder bei Wartungsarbeiten auf schwer zugänglichen Offshore-Anlagen eingesetzt werden.
Ein Vorteil humanoider Systeme liegt darin, dass sie für menschliche Umgebungen konzipiert sind. Frühere Tests mit Robotikhunden scheiterten unter anderem an Treppen und Türen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, wie wichtig praxisnahe Tests für den technologischen Fortschritt sind.
Industrielle Perspektiven für den Standort Deutschland
Für Deutschland eröffnen humanoide Roboter langfristig erhebliche Chancen, insbesondere angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in Industrie, Logistik und Energieversorgung. Gleichzeitig wächst die strategische Abhängigkeit von chinesischen Komponenten, was industriepolitische Herausforderungen mit sich bringt.
Entscheidend wird sein, ob deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Lage sind, eigene Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette aufzubauen und die Technologie gezielt in zentrale Wirtschaftsbereiche zu integrieren.


