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Führungskräfte antworten: So wird Druck zum Wettbewerbsvorteil

Kosten, Fachkräftemangel, neue Konkurrenten: Wer Belastungen nur als Risiko sieht, gerät schnell in den Krisenmodus. Wer Chancen erkennt, macht daraus Wachstum, Innovation und Stabilität. Erfolgreiche Betriebe handeln frühzeitig, bauen solide Grundlagen und nutzen Technologien konsequent.
06.10.2025 12:17
Lesezeit: 3 min
Führungskräfte antworten: So wird Druck zum Wettbewerbsvorteil
Laut KPMG-Umfrage setzen Unternehmen auf Automatisierung, Daten und klare Strategien (iStock/ jacoblund). Foto: jacoblund

Automatisierung als Top-Treiber für mehr Leistung

Der Druck auf deutsche Unternehmen wächst. Konkurrenz, teurere Finanzierungen und Fachkräftemangel belasten die Betriebe massiv. Doch eine aktuelle Umfrage von KPMG unter 250 Führungskräften macht deutlich: Wer Belastungen als Chance begreift, kann daraus Wachstum, Innovation und Stabilität entwickeln. Besonders deutlich zeigt sich das beim Thema Automatisierung – für die meisten Unternehmen heute der zentrale Hebel zur Performancesteigerung. Ganze 89-Prozent der Unternehmen setzen auf die Optimierung von Prozessen, vielfach mit Künstlicher Intelligenz als Schlüssel für mehr Effizienz und geringere Kosten.

„Prozessoptimierung ist ein durchgängiger Veränderungsprozess. Entscheidend dabei ist es, Doppelstrukturen zu vermeiden, technologieoffen vorzugehen und eine hohe Datenqualität zu gewährleisten“, betont Christian Sar, CFO Allianz Services, zum Thema Prozessoptimierung durch KI in der Praxis. Wer zögert, riskiert steigende Kosten, den Verlust von Marktanteilen und sinkende Attraktivität für Talente.

Gerade kleinere Betriebe können profitieren. KI macht Abläufe effizienter, senkt Fehlerquoten und sorgt für einen gezielteren Ressourceneinsatz. Ein Beispiel liefert ein mittelständischer Onlinehändler aus Berlin: Durch KI-gestützte Datenanalysen erkannte er die Hauptgründe für Retouren. Mit präziseren Produktbeschreibungen und angepassten Prozessen gingen die Rücksendungen um fast 20-Prozent zurück – ein Erfolg, der Kosten senkte und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit steigerte.

Wachstum statt Sparprogramme

Parallel dazu rücken Wachstum und finanzielle Stabilität in den Mittelpunkt. 82-Prozent der Unternehmen erschließen neue Märkte – durch geografische Expansion, die Ansprache neuer Kundengruppen oder den Ausbau digitaler Vertriebskanäle. 74-Prozent verbessern zudem ihre Liquidität mit Working-Capital-Management, also der effizienten Steuerung von Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten. Dadurch wird gebundenes Kapital freigesetzt – und neue finanzielle Spielräume entstehen.

Fast die Hälfte der Unternehmen entwickelt gezielt neue Produkte und Dienstleistungen, um sich vom Wettbewerb abzuheben und zusätzliche Umsätze zu generieren. Gleichzeitig prüfen viele ihre Einkaufskonditionen und stellen ihr Portfolio kritisch auf den Prüfstand – mit dem klaren Ziel, Kosten zu senken und Ressourcen konsequent auf die profitabelsten Bereiche zu konzentrieren. Bemerkenswert ist, was kaum eine Rolle spielt: Investitionsstopps, Neueinstellungsstopps oder Personalabbau. Statt auf kurzfristige Einschnitte setzen die meisten Führungskräfte auf Zukunftsinvestitionen – in der Überzeugung, dass sie langfristig mehr Stabilität schaffen als reines Sparen.

Fundament legen: Mindset, Analyse, Pilotprojekte

Doch Wachstum und Innovation entstehen nicht allein durch neue Märkte oder Produkte. Damit Maßnahmen greifen, braucht es ein solides Fundament – und den Mut, Gewohntes kritisch zu hinterfragen. „Statt sich in Beschwerden über Standortfaktoren zu verlieren, sollten Unternehmen die Veränderung selbst anpacken: Fokus, Eigeninitiative und ein offenes Mindset sind der Schlüssel, um trotz Herausforderungen zukunftsfähig zu bleiben“, betont Cornelius Everke, CEO der Oase GmbH.

Wer die eigene Situation ehrlich analysiert, erkennt nicht nur Schwächen, sondern auch ungenutzte Chancen. Auf dieser Basis lässt sich das Geschäftsmodell straffen: Strukturen vereinfachen, Ressourcen bündeln, Ballast abwerfen.

In der Praxis zeigt sich zudem: Transformation beginnt selten mit dem großen Wurf. Viele Unternehmen starten mit Pilotprojekten, messen die Ergebnisse und rollen erfolgreiche Ansätze Schritt für Schritt im gesamten Betrieb aus. Unterstützt wird dieser Prozess durch sogenannte Value Offices, die Fortschritte überwachen und die Zielerreichung absichern. So führte ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg zunächst in einer Produktionslinie ein KI-gestütztes Wartungssystem ein – nach klar messbaren Einsparungen bei Ausfällen wurde es sukzessive auf alle Werke ausgeweitet.

Daten und Expertise als Schlüsselfaktoren

Für die befragten Führungskräfte ist zudem klar: Ohne verlässliche Daten bleibt jede Transformation Stückwerk. 77-Prozent sehen eine hochwertige Datenbasis als Grundvoraussetzung, um fundierte Entscheidungen zu treffen, Markttrends rechtzeitig zu erkennen und Kundenverhalten präzise zu analysieren. Erst wenn Informationen aus Vertrieb, Produktion und Finanzen systematisch verknüpft werden, lassen sich Prozesse effizient steuern und Chancen konsequent nutzen.

Ebenso wichtig ist der Blick nach außen. Externe Experten bringen spezielles Know-how ein, eröffnen neue Perspektiven und übertragen Best Practices aus anderen Branchen. Wer diese Impulse nutzt, beschleunigt den Wandel und stärkt zugleich die eigenen Teams.

Performance steigern: Drei Bereiche mit dem größten Hebel

Am Ende zeigt die KPMG-Studie klar, worauf es besonders ankommt: IT (58-Prozent), Finanzen (56-Prozent) und Kundenservice (34-Prozent). Moderne Systeme schaffen die Grundlage für Automatisierung und Datenanalyse, transparente Finanzen sichern die Handlungsfähigkeit und ein starker Kundenservice bindet Kundenvertrauen und Umsatz.

Bei allen Maßnahmen dürfen Führungskräfte den Faktor Zeit nicht außer Acht lassen. Weiterbildung wirkt bereits morgen, Risikomanagement stabilisiert mittelfristig und Investitionen in Technologie oder Standorte sichern den Erfolg auf lange Sicht. Die Botschaft ist eindeutig: Wer jetzt handelt, verwandelt Druck in Stärke – wer abwartet, riskiert den Anschluss zu verlieren.

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Anika Völger

Freie Wirtschaftsjournalistin, Autorin, Bankkauffrau, Verwaltungswirtin, Dozentin für Recht. Anika Völger verbindet juristisches und wirtschaftliches Fachwissen mit journalistischer Klarheit. Die Hannoveranerin ordnet wirtschaftliche und politische Entwicklungen ein, analysiert rechtliche Zusammenhänge und erklärt Wirtschafts-, Finanz-, Technologie- und Kryptothemen für ein breites Publikum. Sie schreibt u. a. für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, für Kanzleien sowie für Finanz- und Technologieunternehmen.
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