Finanzen

Bitcoin-Kurs rutscht auf tiefsten Stand seit Juni: Anleger leiden unter Risikoaversion

Der Bitcoin-Kurs steht unter massivem Druck. Milliardenverluste, Panikverkäufe und makroökonomische Unsicherheiten erschüttern den Krypto-Markt. Am Dienstagabend fiel der Bitcoin-Kurs unter die psychologisch wichtige Marke von 100.000 US-Dollar. Während Anleger auf eine Trendwende hoffen, wächst die Angst vor einem noch größeren Absturz.
04.11.2025 20:40
Aktualisiert: 04.11.2025 20:40
Lesezeit: 3 min
Bitcoin-Kurs rutscht auf tiefsten Stand seit Juni: Anleger leiden unter Risikoaversion
Bitcoin-Symbol: Am Dienstag gerät der Bitcoin-Kurs mächtig unter Druck, der Kryptomarkt verliert 150 Milliarden US-Dollar (Foto: dpa). Foto: Jens Büttner

Bitcoin-Kurs stürzt ab: Krypto-Markt verliert 150 Milliarden US-Dollar

Die jüngste Entwicklung am Krypto-Markt sorgt für Aufsehen: Der Bitcoin-Kurs ist am Dienstag erneut mächtig unter Druck geraten und im späten Handel auf den tiefsten Stand seit Juni gefallen. Auf der Handelsplattform Bitstamp notierte die älteste und bekannteste Kryptowährung bereits am Nachmittag bei 104.000 US-Dollar, damit bewegte sich der Bitcoin-Wert nur knapp über dem markanten Zwischentief von Mitte Oktober.

Doch am Abend rutschte der Bitcoin-Kurs dann tatsächlich unter diese Unterstützung - und auf das niedrigste Niveau seit dem Sommer bei weniger als 100.000 US-Dollar. Zuletzt erholte sich der Bitcoinpreis etwas und tendierte um annähernd 101.000 US-Dollar.

Risikoaversion belastet die Märkte

Bereits seit Mittwoch vergangener Woche steht der Bitcoin-Kurs unter Druck. Auslöser war eine Äußerung des Präsidenten der US-Notenbank, wonach eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Dezember-Sitzung alles andere als sicher sei. Diese Aussage verunsicherte Anleger und löste eine Welle der Risikoaversion aus. "Investoren fürchten, dass der geldpolitische Gegenwind jenseits des Atlantiks doch länger anhält als gedacht und schalten in den Risk-off-Modus", erklärte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Solange die Phase der geldpolitischen Lockerungsfantasie vorbei scheine, fehle dem Markt der Nährboden für eine nachhaltige Erholung.

Heftige Verluste bei Altcoins

In diesem angespannten Umfeld kamen auch andere Kryptowährungen stark unter Druck. Laut der Branchenplattform Coinmarketcap notierten zuletzt die zehn größten Digitalwährungen nach Marktkapitalisierung deutlich in der Verlustzone. Besonders stark traf es Solana, BNB, Dogecoin und Cardano, die teils zweistellige Kursabschläge verzeichneten. Insgesamt korrigierte der gesamte Krypto-Markt um über vier Prozent und verlor damit deutlich mehr als 150 Milliarden US-Dollar an Wert.

Die gesamte Marktkapitalisierung des Krypto-Sektors sank auf 3,5 Billionen US-Dollar. Allein über 1,37 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen wurden innerhalb von 24 Stunden liquidiert. Long-Trader trugen dabei rund 90 Prozent der Verluste. Der Rückgang des Bitcoin-Kurses unter 105.000 US-Dollar löste eine Kettenreaktion aus, die viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischte.

Liquidationen erschüttern den Markt

Nach Daten des Analysehauses CoinGlass summierten sich die Liquidationen auf über 1,33 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 1,19 Milliarden auf Long-Positionen, während Short-Trader lediglich 142 Millionen verloren. Diese Zahlen zeigen, dass viele Anleger auf steigende Kurse gesetzt hatten und von der Dynamik des Kursrutsches überrascht wurden.

Die Stimmung in der Krypto-Welt reagierte entsprechend nervös. Der "Crypto Fear & Greed Index" fiel auf nur noch 25 Punkte – den niedrigsten Wert seit sieben Monaten. Damit signalisiert das Marktbarometer "Extreme Angst". Ein derart pessimistisches Sentiment war zuletzt im Frühjahr zu beobachten, als makroökonomische Unsicherheiten die Märkte belasteten.

Bitcoin-Kurs fällt: Institutionelle Anleger ziehen sich zurück

Auch von institutioneller Seite kamen Warnsignale. Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettoabflüsse von fast 800 Millionen US-Dollar. Katalysator für die jüngsten Kursverluste seien gedämpfte Zinssenkungsfantasien in den USA, gepaart mit Mittelabflüssen aus Spot-ETFs, die sich als zweischneidiges Schwert erwiesen, schrieb Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Nun könnten auch langfristig orientierte Anleger in den "Risk-off-Modus" schalten und dem Bitcoin den Rücken zukehren. Da Krypto-Werte als hochriskante und zinslose Anlageklasse fungierten, würden diese in der Regel in unsicheren Zeiten verlassen.

Erstmals seit sieben Monaten überstieg damit das tägliche Angebot an neu geschürften Coins die Nachfrage der Großanleger. Diese Entwicklung zeigt, dass die tragende Säule des jüngsten Aufschwungs ins Wanken geraten ist.

Makroökonomische Faktoren verstärken die Unsicherheit zusätzlich. Die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Leitzinssenkung im Dezember, die vom Markt erwartet worden war, fiel von über 45 Prozent auf aktuell 15 Prozent. Gleichzeitig stieg der US-Dollar-Index um 0,8 Prozent. Das erhöhte Zinsniveau und die Stärke des Dollars belasten Risikoanlagen wie Tech-Aktien und Kryptowährungen gleichermaßen. Anleger ziehen Kapital aus volatilen Märkten ab und investieren stattdessen in sichere Häfen wie US-Staatsanleihen.

Hoffnung auf "Moonvember"?

Der Bitcoin steht bereits seit Mittwoch vergangener Woche unter Druck. Der Präsident der US-Notenbank hatte Anleger mit der Aussage verunsichert, dass eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Dezember-Sitzung alles andere als sicher sei. Der Treibstoff der Zinssenkungsfantasien scheine nun sukzessive auszugehen, sodass viele Investoren ihren Risikoappetit überdächten, schrieb Emden weiter. Solange die Phase der geldpolitischen Lockerungsfantasie vorbei scheine, fehle dem Markt der Nährboden für eine nachhaltige Erholung.

Trotz des Rückschlags geben sich manche Investoren noch nicht geschlagen. Historisch gesehen gilt der November als der stärkste Monat für den Bitcoin-Kurs. Im Durchschnitt legte er in diesem Zeitraum um mehr als 42 Prozent zu. Manche Marktteilnehmer hoffen daher auf einen sogenannten "Moonvember" und setzen auf eine kurzfristige Erholung der Bitcoin-Kursentwicklung. Zwar hat sich das Sentiment deutlich eingetrübt, doch mit rund 17 Prozent unter dem Allzeithoch befindet sich der Bitcoin-Wert weiterhin im Rahmen früherer Korrekturen in Bullenmärkten. Ob sich diese Stabilität fortsetzt, hängt nun maßgeblich davon ab, ob die geldpolitischen Signale der US-Notenbank in den kommenden Wochen Klarheit bringen. Bis dahin bleibt der Bitcoin-Kurs unter Druck – und der Krypto-Markt im Krisenmodus.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Das Zeitalter des intelligenten passiven Einkommens: Bitcoin-Mining mit BlackchainMining

In der heutigen, sich rasant entwickelnden digitalen Wirtschaft sind Kryptowährungen wie Bitcoin nicht nur Vermögenswerte, sondern auch...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Medienkrieg: Warum Paramount Skydance das Netflix-Angebot sprengt
10.12.2025

Ein Übernahmekampf erschüttert die US-Medienbranche, weil Paramount Skydance das vermeintlich entschiedene Rennen um Warner Bros....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volkswagen beendet Fahrzeugproduktion: Umbaupläne für Gläserne Manufaktur in Dresden
10.12.2025

Die VW-Fahrzeugproduktion in Dresden endet aus wirtschaftlichen Gründen nach mehr als 20 Jahren. Über die Zukunft des ehemaligen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Jobabbau bei BASF und Co.: Deutsche Chemie-Industrie historisch schlecht ausgelastet
10.12.2025

Teure Energie, Wirtschaftskrise und Preisdruck: Die deutsche Chemiebranche steckt in der schwierigsten Krise seit 25 Jahren. Auch 2026...

DWN
Politik
Politik Schutz vor Einschüchterung: Bundesregierung beschließt besseren Schutz vor Schikane-Klagen
10.12.2025

Die Bundesregierung schützt Journalisten, Wissenschaftler und Aktivisten künftig besser vor sogenannten Schikane-Klagen. Mit dem Vorhaben...

DWN
Finanzen
Finanzen Kapitalmarkt 2026: Mehr Börsengänge in Deutschland und Europa erwartet
10.12.2025

Mit Ottobock, TKMS und Aumovio zählen drei deutsche Börsendebüts zu den gewichtigsten in Europa im laufenden Jahr. Doch viele...

DWN
Finanzen
Finanzen Weihnachtsfeier steuerlich absetzen: So gelingt es – Tipps vom Steuerberater
10.12.2025

Viele Unternehmen möchten ihre Weihnachtsfeier steuerlich absetzen und gleichzeitig die Kosten im Blick behalten. Eine gut geplante Feier...

DWN
Politik
Politik „Reichsbürger“-Verfahren: Prinz Reuß wird zu Vorwürfen sprechen
10.12.2025

Der mutmaßliche „Reichsbürger“ Heinrich XIII. Prinz Reuß wird zu den Vorwürfen eines geplanten „Staatsstreichs“ Stellung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Blase: Warum die Rekordausgaben der Tech-Giganten zum Risiko werden
10.12.2025

Die Tech-Konzerne pumpen Milliarden in künstliche Intelligenz und treiben ihre Investitionslast auf historische Höhen. Doch aus dem...