Finanzen

Rheinmetall-Aktie rutscht ab: Fregatten-Deal wackelt – politische Risiken wachsen

Die Rheinmetall-Aktie gerät wegen möglicher Änderungen bei einem milliardenschweren Fregattenprojekt am Freitag mächtig unter Druck. Politische Signale, Verzögerungen und Kostenexplosionen verschärfen die Unsicherheit beim Düsseldorfer Rüstungskonzern.
14.11.2025 12:06
Lesezeit: 2 min
Rheinmetall-Aktie rutscht ab: Fregatten-Deal wackelt – politische Risiken wachsen
Eingang eines Rheinmetall-Werks: Die Gerüchte um ein Fregatten-Großprojekt belastet die Rheinmetall-Aktie am Freitag massiv (Foto: dpa) Foto: Wolf von Dewitz

Milliarden-Deal im Fokus: Was der Fregatten-Streit für die Rheinmetall-Aktie bedeutet

Die Rheinmetall-Aktie steht am Freitag im Mittelpunkt einer politisch aufgeheizten Debatte. Ein möglicher Rheinmetall-Fregattendeal über sechs Schiffe der Klasse 126 sorgt angesichts massiv gestiegener Kosten und zeitlicher Verzögerungen bei Anlegern für Unsicherheit. Wie mehrere Berichte übereinstimmend melden, prüft Verteidigungsminister Boris Pistorius, ob der bisherige Generalunternehmer tatsächlich durch die Rheinmetall-Tochter Naval Vessels Lürssen ersetzt werden soll. Noch ist die Vertragsübernahme nicht ausgehandelt, und Insider fürchten, Rheinmetall könne das Verfahren für weitere Preissteigerungen nutzen.

Laut Berichten der Bild-Zeitung hat der Haushaltsausschuss für den Etat 2026 eine Verpflichtungsermächtigung über 7,1 Milliarden Euro unter dem Titel "Beschaffung Fregatte 126 – Alternative Plattform" beschlossen. Die Botschaft dahinter scheint eindeutig: Die Bundesregierung hält sich die Möglichkeit offen, den Rheinmetall-Großauftrag zu kippen und den Auftrag an einen anderen Anbieter zu vergeben. Als Alternative wird insbesondere die thyssenkrupp-Tochter TKMS genannt, deren Angebot mit rund einer Milliarde Euro pro Schiff deutlich günstiger ausfallen soll. Damit verstärkt sich der politische und wirtschaftliche Druck auf den Rüstungskonzern.

Folgen für den Rüstungskonzern

Für den Rüstungskonzern Rheinmetall hätte eine Neuausrichtung gravierende Folgen. Der milliardenschwere F126-Auftrag gilt als zentraler Baustein der maritimen Sparte. Eine Verzögerung oder ein Verlust würde nicht nur die Umsatzperspektiven schmälern, sondern auch die Bewertung durch Investoren beeinflussen. Politische Unsicherheiten bei Großprojekten könnten künftig stärker eingepreist werden. Dadurch entsteht ein Risikoaufschlag, der sich im Rheinmetall-Aktienkurs widerspiegeln kann.

Wie die Rheinmetall-Aktie reagiert und was das für Anleger heißt

Im XETRA-Handel gerät die Rheinmetall-Aktie entsprechend unter Druck. Am Freitag verlor sie zeitweise mehr als 4,5 Prozent und rutschte auf unter 1.670 Euro ab. Damit setzt sich der Abwärtstrend fort: Seit dem Oktober-Top summiert sich das Minus auf rund 15 Prozent. Händler verweisen dabei erneut auf die Berichte über Kosten von nahezu 10 Milliarden Euro sowie Verzögerungen im Beschaffungsprozess. Der Rheinmetall-Aktienkurs rutschte zeitweise klar unter die Marke von 1.700 Euro. Auch andere deutsche Rüstungskonzerne wie RENK und HENSOLDT gerieten mit 6,55 Prozent beziehungsweise 2,61 Prozent ins Minus.

Die politische Großwetterlage bleibt ein Belastungsfaktor. Die Diskussionen um neue Schuldenregelungen und Zweifel an langfristigen Rüstungszusagen drücken zusätzlich auf das Sentiment. Obwohl Rheinmetall selbst keine neuen Nachrichten veröffentlichte, steht der Konzern stärker im Fokus. Analysten verweisen jedoch darauf, dass kurzfristige Schwankungen nicht den langfristigen Trend bestimmen. Zum Capital Markets Day am 17. November will das Management neue mittelfristige Ziele vorstellen. Berenberg senkte zwar das Kursziel leicht von 2.330 auf 2.300 Euro, bestätigte jedoch die positive Einschätzung. Trotz der aktuellen Schwäche sieht der Markt langfristig Potenzial.

Rheinmetall-Aktie: Einordnung für Anleger

Für Anleger der Rheinmetall-Aktie bleibt die Lage daher angespannt. Während der Rheinmetall-Fregattendeal politisch weiter umkämpft ist, schwankt der Rheinmetall-Aktienkurs deutlich und reflektiert die Unsicherheit im gesamten Sektor. Der Rüstungskonzern steht vor der Herausforderung, Vertrauen in die Stabilität seiner Auftragslage zurückzugewinnen. Marktbeobachter betonen, dass die Rheinmetall-Aktie trotz aktueller Verluste strukturell vom Auf- und Ausbau militärischer Fähigkeiten profitiert. Allerdings könnten mögliche Änderungen beim Großprojekt zusätzliche Volatilität auslösen.

Im Mittelpunkt steht nun die Frage, ob der Rüstungskonzern den politischen Druck abfedern kann. Sollte der Auftrag neu bewertet werden, dürfte der Rheinmetall-Aktienkurs erneut reagieren. Anleger blicken deshalb sowohl auf den weiteren Verlauf der Haushaltsdebatten als auch auf die kommenden Aussagen des Managements. Damit bleibt die Rheinmetall-Aktie ein zentraler Gradmesser für die Entwicklung politischer Risiken im deutschen Rüstungsmarkt in den kommenden Monaten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Finanzen
Finanzen Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft
19.08.2026

Die Moderna-Aktie schießt nach einem wegweisenden Studienerfolg in die Höhe. Ein personalisierter Krebsimpfstoff könnte dem...

DWN
Politik
Politik Altersteilzeit vorm Aus? Regierung will beliebtestes Modell für Berufsausstieg streichen
19.08.2026

Mit Altersteilzeit in den wohlverdienten Ruhestand: So haben Millionen Deutsche ihren Renteneinstieg geplant. Doch die Bundesregierung will...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie hebt ab: Zulassungshoffnung löst Kursrally bei Biontech-Aktie aus
19.08.2026

Die Biontech-Aktie schießt im US-amerikanischen Börsenhandel am Mittwoch kräftig nach oben und lässt den Gesamtmarkt weit hinter sich....

DWN
Panorama
Panorama KI-Manifest von Mark Zuckerberg zeigt, wie Meta die Zukunft der Menschen verändern will
19.08.2026

Mark Zuckerberg verspricht persönliche Superintelligenz, mehr individuelle Macht und sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Doch sein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sprengung Nord-Stream: Ukrainer in Kroatien festgenommen
19.08.2026

Vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines führen Ermittlungen zu den Sprengungen erneut zu einer Festnahme. Es ist...

DWN
Politik
Politik Mietrecht: Justizministerin will Einbau von Klimaanlagen erleichtern
19.08.2026

Wie kann die Rechtspolitik einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten? Bundesjustizministerin Hubig hat eine Idee.

DWN
Technologie
Technologie Konkurrenz für SpaceX: China gelingt Raketenlandung auf Beinen
19.08.2026

Erstmals ist in China eine Raketenstufe nach einem Orbitalstart senkrecht auf eigenen Beinen gelandet. Sie gehörte zur privat entwickelten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple nimmt nach EU-Strafe Änderungen im App-Store vor
19.08.2026

500 Millionen Euro Strafe brummte die EU-Kommission Apple 2025 auf. Brüssel will den US-Konzern zu mehr Offenheit beim Vertrieb seiner...