Politik

USA wollen sich für Jahre Zugriff auf Venezuelas Öl sichern

Präsident Trump meldet Ansprüche auf die gewaltigen Bodenschätze an. Doch die Regierung in Caracas will sich nicht unter Druck setzen lassen und plant eine Diversifizierung ihrer Handelsbeziehungen.
08.01.2026 16:34
Lesezeit: 3 min

Trump beansprucht Zugriff auf die größten Reserven der Welt

Die USA wollen sich langfristig den Zugriff auf venezolanisches Erdöl sichern. Präsident Donald Trump erwarte, dass die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg Venezuela führen und die riesigen Ölreserven dort fördern werden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf ein Gespräch mit dem US-Präsidenten. Die venezolanische Führung sei bereit, alles zu geben, was die US-Regierung für notwendig halte, habe Trump weiter gesagt.

Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez wies den Druck aus Washington hingegen zurück. "Wir haben uns der wirtschaftlichen Aggression nicht gebeugt und werden uns auch keiner anderen Art von Aggression beugen", sagte sie. Vielmehr strebt die neue Führung in Caracas eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Beziehungen des südamerikanischen Landes an. "Wir reichen allen Ländern der Welt die Hand, um die Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handelskooperationen und die Zusammenarbeit im Energiebereich auszubauen", sagte Rodríguez.

Ölexport: wichtigste Devisenquelle für Venezuela

Trump hatte bereits zuvor Ansprüche auf die Einnahmen aus dem Export venezolanischen Öls angemeldet. Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind mehrere Raffinerien auf dieses Rohöl spezialisiert.

Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast 3 Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Dennoch bleibt Öl die wichtigste Devisenquelle des Landes. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl.

Der Wiederaufbau der maroden venezolanischen Ölindustrie dürfte nach Einschätzung von Experten Jahre dauern und Investitionen in Milliardenhöhe erfordern. Das räumte auch Trump in dem Interview ein. "Wir werden es auf sehr gewinnbringende Weise wiederaufbauen", sagte er über Venezuela. "Wir werden Öl nutzen, und wir werden Öl nehmen. Wir senken die Ölpreise und wir werden Venezuela Geld geben, das sie dringend brauchen."

Caracas: Verhältnis zu USA mit Makel behaftet

Die USA hatten in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angegriffen sowie Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau wegen angeblicher Drogengeschäfte gefangen genommen und außer Landes gebracht. Die venezolanische Regierung verurteilte die Attacke als völkerrechtswidrige Aggression und warf Washington vor, es auf die gewaltigen Bodenschätze des Landes abgesehen zu haben. Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela sei nun mit einem Makel behaftet wie noch nie zuvor in der Geschichte, sagte Rodríguez.

Die US-Regierung hatte zuvor deutlich gemacht, dass sie mit der Kontrolle über das venezolanische Ölgeschäft auch Druck auf die Regierung in Caracas ausüben will. Die Blockade von Öltankern sei ein "enormer Hebel", um politische Veränderungen in Venezuela herbeizuführen, sagte US-Außenminister Marco Rubio.

Politische Zukunft Venezuelas: weiterhin unklar

Allerdings bleiben die Pläne der US-Regierung zur politischen Zukunft Venezuelas unklar. Trump äußerte sich im Gespräch mit der "New York Times" beispielsweise nicht dazu, wann in Venezuela Wahlen stattfinden könnten und weshalb er sich nicht hinter die Oppositionsführerin und Nobelpreisträgerin María Corina Machado stellt.

Gleich nach dem US-Angriff in Caracas hatte Trump erklärt, die Vereinigten Staaten würden Venezuela nun vorübergehend führen. Die geschäftsführende Präsidentin Rodríguez betont allerdings immer wieder die Unabhängigkeit des Landes, und das mächtige Militär hat sich öffentlich hinter die neue Führungsriege in Caracas gestellt.

Russland und China: Kritik an US-Vorgehen im Nordatlantik

Am Mittwoch brachten die USA wegen "Verstößen gegen US-Sanktionen" zwei Schiffe auf, darunter einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik. Moskau bezeichnete den Einsatz als illegale Gewaltaktion. Das Vorgehen könne nur als grobe Verletzung der Grundprinzipien und Normen des internationalen Seerechts sowie der Freiheit der Schifffahrt interpretiert werden, hieß es in einer Mitteilung des russischen Außenministeriums. Die Bereitschaft Washingtons, akute internationale Krisensituationen zu provozieren, sei beunruhigend – unter anderem im Hinblick auf die ohnehin schon durch die Differenzen der vergangenen Jahre stark belasteten russisch-amerikanischen Beziehungen.

China warf den USA nach dem Einsatz im Nordatlantik Willkür vor. Die willkürliche Beschlagnahmung ausländischer Schiffe durch die USA in internationalen Gewässern sei ein schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking. China habe sich stets gegen "illegale einseitige Sanktionen" ausgesprochen, die keine Grundlage im Völkerrecht hätten und nicht vom UN-Sicherheitsrat genehmigt worden seien, erklärte sie.

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