Finanzen

Trump setzt auf Kevin Warsh als Fed-Chef: Neuer Kurs für die US-Notenbank?

US-Präsident Donald Trump bringt mit Kevin Warsh einen möglichen neuen Fed-Chef ins Spiel. Doch kann ein Machtwechsel die Geldpolitik verändern – oder droht der Notenbank ein gefährlicher politischer Einfluss?
30.01.2026 14:38
Aktualisiert: 30.01.2026 14:38
Lesezeit: 3 min
Trump setzt auf Kevin Warsh als Fed-Chef: Neuer Kurs für die US-Notenbank?
Kevin Warsh: US-Präsident Trump hat den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Powell vorgeschlagen (Foto: dpa). Foto: Alastair Grant

Trump schlägt Kevin Warsh als neuen Fed-Präsidenten vor

US-Präsident Donald Trump hat den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger für den amtierenden Notenbankchef Jerome Powell ins Spiel gebracht. Er kenne Warsh seit vielen Jahren und sei überzeugt, dass dieser als einer der bedeutendsten Köpfe an der Spitze der Zentralbank in die Geschichte eingehen werde, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Bevor Warsh das Amt übernehmen kann, muss der US-Senat Trumps Kandidaten noch bestätigen. Powells reguläre Amtszeit läuft im Mai aus.

Warsh gilt grundsätzlich als ein sogenannter "Inflation Hawk", der eher einen strafferen Kurs bei den Zinsen bevorzugt, um die Preissteigerungen einzudämmen. Sein Schwerpunkt liegt stärker auf Preisstabilität, während er vor einer zu lockeren Geldpolitik und steigenden Inflationsrisiken warnt – er spricht sich somit eher für Zinserhöhungen aus. Laut jüngsten Medienberichten soll Warsh zuletzt jedoch offen für niedrigere Zinsen gewesen sein.

Für den heute 55-Jährigen wäre es nicht das erste Mal, dass er als möglicher Vorsitzender der wichtigsten Notenbank der Welt gehandelt wird. Bereits 2017 soll Trump erwogen haben, ihn als Nachfolger von Janet Yellen zu nominieren – letztlich entschied er sich jedoch für Powell, mit dem er inzwischen seit Monaten im Streit liegt.

Powell seit Monaten unter Druck von Trump

Trump drängte Powell wiederholt dazu, die Leitzinsen zu senken. Die Federal Reserve legte zuletzt eine Pause ein, nachdem sie zuvor drei Zinsschritte nach unten auf 3,5 bis 3,75 Prozent vorgenommen hatte. Diese vorsichtigen Senkungen sollten verhindern, dass die Inflation erneut auf hohem Niveau anzieht. Trump ging das jedoch nicht weit genug – in der Folge verlangte er Powells Entlassung und attackierte ihn regelmäßig mit Beleidigungen. Trumps Angriffe hatten an den Finanzmärkten die Sorge ausgelöst, dass die mächtige Fed künftig stärker politisch beeinflusst werden könnte.

Ob Warsh tatsächlich Trumps Wunsch nach niedrigeren Zinsen erfüllen wird, bleibt abzuwarten, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. "Kevin Warsh versteht aber, dass die Fed und deren guter Ruf essenziell für das Wohlergehen der USA ist." Es gehe um die Stabilität des US-Finanzsystems. "Die schlimmsten Befürchtungen, dass die Fed ihren guten Ruf als verlässliche Notenbank verliert, dürften sich nicht bewahrheiten."

Warsh war bereits mit 35 Jahren Fed-Gouverneur

Warsh blickt auf eine steile Laufbahn zurück: Nach einem Jurastudium arbeitete er mehrere Jahre bei der Investmentbank Morgan Stanley und war dort mit Fusionen und Übernahmen befasst. 2002 wechselte er in die Politik und arbeitete unter dem damaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush, den er unter anderem bei Fragen zu Kapitalströmen und Wertpapieren beriet.

Bush nominierte Warsh 2006 als Fed-Gouverneur – mit nur 35 Jahren wurde er das jüngste Vorstandsmitglied in der Geschichte der Federal Reserve. Der frühere Fed-Chef Ben Bernanke, unter dem Warsh tätig war, schrieb in seinen Memoiren, dass Warshs junges Alter zunächst Kritik ausgelöst habe – doch seine politischen Fähigkeiten, sein Marktverständnis und seine zahlreichen Kontakte an der Wall Street hätten sich als wertvoll erwiesen.

Warsh ist zudem der Schwiegersohn des engen und langjährigen Trump-Vertrauten Ronald Lauder, Präsident des jüdischen Weltkongresses.

Zweifel an Trumps Nominierung

Ob Trumps Wunschkandidat tatsächlich neuer Fed-Chef wird, ist offen. Laufende Ermittlungen gegen Powell hatten dem Präsidenten Kritik selbst aus den eigenen Reihen eingebracht. So erklärte der einflussreiche Senator Thom Tillis, er werde keinem Kandidaten für einen Notenbank-Posten zustimmen, bis die Angelegenheit geklärt sei.

Weder Trump noch die Republikaner können sich im Wahljahr 2026 interne Streitigkeiten leisten: Anfang November stehen die wichtigen Kongresswahlen an. Sollte Trump die Mehrheit verlieren, dürften die Demokraten im US-Parlament ihm die Arbeit während der restlichen Amtszeit deutlich erschweren.

Ermittlungen gegen Powell

Zuletzt hatte sich der Konflikt zwischen Trump und der US-Notenbank weiter zugespitzt: In einer äußerst seltenen Stellungnahme wies Powell Ermittlungen gegen ihn und eine mögliche Anklage als Versuch zurück, die Arbeit der Fed zu beeinflussen.

"Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen".

Powell zufolge stellte das US-Justizministerium der Fed Vorladungen zu und drohte mit einer Anklage. Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen und kostspieligen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, lautet der Vorwurf. Die zuständige Staatsanwältin spielte den Fall herunter: Außer Powell habe niemand das Wort "Anklage" in den Mund genommen. Notenbankchefs weltweit stellten sich hinter Powell.

Nicht nur Fed-Chef in Trumps Visier

Powell ist nicht das einzige Fed-Vorstandsmitglied, gegen das die Trump-Regierung vorgeht: Das Oberste US-Gericht prüft, ob die Vorständin Lisa Cook entlassen werden darf oder nicht. Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern äußerten zuletzt Skepsis gegenüber den Vorwürfen der Regierung, Cook habe vor ihrem Amtsantritt bei Hypothekengeschäften falsche Angaben gemacht. Sie betonen die besondere verfassungsrechtliche Stellung und Unabhängigkeit der US-Notenbank. Powell bezeichnete den Fall sogar als "vielleicht wichtigsten in der 113 Jahre langen Geschichte der Fed".

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