Panorama

Sind Aldi und Lidl wirklich billiger als Supermärkte?

Discounter oder Supermarkt – welche Preise sind tatsächlich günstiger? Aldi und Lidl liefern sich einen erbitterten Wettkampf, doch aktuelle Analysen zeigen: Viele Produkte kosten an der Kasse fast gleich viel.
03.02.2026 11:20
Aktualisiert: 03.02.2026 11:20
Lesezeit: 3 min

Discounter: Großes Versprechen, nichts dahinter?

Kunden in Deutschland haben die Wahl, ob sie im Discounter oder im Supermarkt einkaufen. Wie groß sind die Unterschiede? Welche Vorzüge bieten die Formate?

Mal Butter, mal Kaffee, Orangensaft oder Wurst: Die Discounter Aldi und Lidl liefern sich derzeit einen besonders harten Wettkampf. Mal senkt der eine die Preise zuerst, mal der andere. Vor wenigen Tagen ärgerte Lidl seinen Konkurrenten und unterbot dessen kurz zuvor angekündigte Preissenkung für Schokoladenprodukte teilweise.

Preise sind für Kunden so wichtig wie lange nicht mehr. Das zeigt auch eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln: Gut siebzig Prozent vergleichen beim Lebensmitteleinkauf stärker die Preise und greifen häufiger zu Sonderangeboten.

Preisdruck auf Discounter

Besonders groß ist der Druck auf Aldi und Lidl. "Discount" – übersetzt Rabatt – ist schließlich ein Versprechen. Aldi gilt als Erfinder und langjähriger Preisführer – ein Image, kein offiziell vergebener Titel. Herausforderer Lidl stellt diesen Anspruch infrage. "Eure Nr. 1. Der Preisführer lohnt sich", so wirbt der Händler. Doch wer ist tatsächlich billiger? Und spüren Kunden überhaupt, wo sie einkaufen? Ein Überblick:

Wo ist es am günstigsten?

Die Vergleichsapp Smhaggle hat im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur die dominierenden Regalpreise der großen Lebensmittelhändler in Deutschland im Jahr 2025 analysiert. Untersucht wurden die Kernsortimente, etwa 2.000 Produkte, die bei allen Anbietern verfügbar und damit gut vergleichbar sind. Sonderangebote blieben außen vor.

"Egal ob Milch, Joghurt, Nudeln, Butter oder Salatgurke: Die Preise dieser Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen auf den Cent gleich", sagt Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter. Dies gelte sowohl für Eigenmarken als auch für Markenprodukte – unabhängig davon, ob es sich um Discounter oder Supermarkt handelt. Die Preise könnten regional und in von selbstständigen Kaufleuten geführten Märkten abweichen. Über die Smhaggle-App laden Nutzer laut Reuter täglich mehr als 10.000 Kassenbons hoch. So lässt sich die Preisentwicklung detailliert nachvollziehen.

Preisführerschaft bleibt fraglich

Meist senken die Discounter zuerst die Preise. Die anderen Händler wie Rewe, Edeka oder Kaufland ziehen schnell nach. Laut Reuter reagieren sie auf Preisänderungen innerhalb weniger Stunden oder ein bis zwei Tagen. Da die Preise anschließend anbieterübergreifend nahezu identisch sind, könne von einer Preisführerschaft eines Händlers keine Rede sein, sagt Reuter.

Die Supermarktkette Rewe wirbt mit einem Versprechen. Auf der Internetseite heißt es: "Bei Rewe findest du 4.000 Produkte, die immer genauso günstig sind wie beim Discounter." Die Verkaufspreise werden regelmäßig mit denen von Aldi und Lidl abgeglichen. Bei Edeka gilt Ähnliches.

Einkaufsvorlieben der Deutschen

Ein klarer Favorit lässt sich nicht ausmachen. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur bevorzugen 32 Prozent der Menschen in Deutschland Supermärkte wie Rewe und Edeka, 29 Prozent ziehen Discounter wie Aldi und Lidl vor. 38 Prozent haben keine feste Präferenz. Die Gründe unterscheiden sich deutlich. Für die jeweiligen Kunden sind besonders folgende Aspekte wichtig:

  • Erreichbarkeit (Supermärkte: 62 Prozent, Discounter: 65)

  • Frische Produkte wie Obst, Gemüse und Fleisch (52, 36)

  • Eigenmarken (48, 55)

  • Sonderangebote (43, 60)

  • Große Auswahl an Lebensmitteln (42, 15)

  • Preise (35, 77)

Beim Preis liegen die Discounter klar vorn. Supermärkte überzeugen mit der größeren Auswahl. Andere Merkmale, mit denen sie sich abheben wollen, spielen eine geringere Rolle. Nur jeweils 29 Prozent nennen die Vielzahl an Markenprodukten oder die angenehme Einkaufsatmosphäre mit mehr Platz, lediglich 21 Prozent das freundliche Personal.

Experten urteilen: Unterschiede schwinden

Die Unterschiede zwischen den Formaten verschwimmen zunehmend. Discounter setzen heute stärker auf Ambiente und Markenprodukte. "Die Qualität der Ware ist auch hoch", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts EHI. "Die Supermärkte müssen sich anstrengen und Erlebniswert hinzufügen." Sie sollten mit besonderen Angeboten punkten, etwa Gastronomie, Veranstaltungen, Bedientheken oder Regionalität.

Ein Unterschied bleibt bestehen: Discounter führen deutlich weniger Artikel. Aus Sicht von Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, ist das nicht zwingend ein Nachteil. Ganz im Gegenteil. "Auswahl ist grundsätzlich gut, zu viel kann aber überfordern", sagt er. "Viele Kunden fühlen sich wohl, wenn es übersichtlicher ist." Das erleichtert die Kaufentscheidung.

Umsatz: Discounter liegen vorn

Die Discounter, zu denen auch Penny und Netto zählen, liegen beim Umsatz vorn. Im Handel mit Produkten des täglichen Bedarfs kamen sie laut YouGov zuletzt auf einen Marktanteil von gut 38 Prozent, die Supermärkte wie Rewe und Edeka auf rund 28,5 Prozent. Der Rest entfiel unter anderem auf SB-Warenhäuser wie Kaufland, Fachhandel und Drogerien.

Größter Lebensmittelhändler in Deutschland ist laut EHI Edeka. Bei den Discountern setzt Lidl zwar mehr um als Aldi Nord und Aldi Süd jeweils, zusammen liegen die beiden Aldi-Unternehmensgruppen jedoch knapp vorn. Die Marktanteile verschieben sich seit Jahren zugunsten der Discounter. Experten führen dies darauf zurück, dass Kunden wegen der hohen Inflation preisbewusster einkaufen. "Für Discounter sind schlechte Zeiten gute Zeiten", sagt Handelsexperte Gerling.

Laut YouGov kauften 44 Prozent wegen gestiegener Preise in den vergangenen Jahren häufiger bei Discountern ein. "Dabei zahlen sie dort für die gleichen Produkte nicht weniger als in Supermärkten. Die Discounter Aldi und Lidl haben zudem deutlich weniger Sonderangebote", sagt Smhaggle-Chef Reuter. Am meisten sparen Verbraucher, wenn sie gezielt Aktionsprodukte einkaufen.

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