Münchner Start-up Hypersonica testet Hyperschallrakete
Ein deutsch-britisches Start-up hat eine europäische Hyperschallrakete entwickelt und nun erstmals getestet. Der ohne Sprengkörper ausgestattete Prototyp HS1 startete am 3. Februar vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya und erreichte eine Geschwindigkeit von Mach 6, wie das 2023 gegründete Unternehmen Hypersonica mitteilte. Das entspricht mehr als 7.400 Kilometern pro Stunde. Die Hyperschallrakete flog demnach 300 Kilometer weit. Bis 2029 soll der Flugkörper serienreif sein.
Mit dem Testflug sorgt das Start-up Hypersonica für Aufmerksamkeit. Bisher verfügen nur wenige Staaten – darunter China, Russland und die USA – über Hyperschallraketen oder arbeiten an deren Entwicklung. Die Hypersonica-Rakete ist nach Angaben des Unternehmens mehrere Meter lang und wiegt über eine Tonne. Technische Einzelheiten veröffentlichte das Start-up nicht. Der Hauptsitz von Hypersonica liegt in München, eine Tochtergesellschaft befindet sich in London.
Hyperschallraketen sind schwer abzuwehren
Russland hat nach Angaben Moskaus im Ukraine-Krieg Hyperschallraketen eingesetzt, die wegen ihrer extrem hohen Geschwindigkeit nur sehr schwer abzufangen sind. Militärs und Rüstungsexperten diskutieren seit Jahren, ob und in welchem Umfang Hyperschallraketen die bisherigen militärischen Kräfteverhältnisse zwischen USA und Europa einerseits sowie China und Russland andererseits verändern könnten.
Angesichts der europäischen Zweifel an der Verlässlichkeit der USA unter der Regierung von Präsident Donald Trump wollen die Hypersonica-Gründer Europa bis 2029 "die erste souveräne Hyperschall-Fähigkeit" zur Verfügung stellen.
Hypersonica: Technische Herausforderung ist die Manövrierfähigkeit
Neu ist die Hyperschalltechnologie nicht, ihre Ursprünge reichen bis in die 1930er Jahre zurück. Moderne Hyperschallraketen sollen jedoch steuerbar sein. "Der Motor ist nicht so sehr das Problem, die technische Herausforderung besteht darin, mit Hyperschallgeschwindigkeit zu fliegen und gleichzeitig mit hoher Präzision zu manövrieren", sagte Geschäftsführer und Mitgründer Philipp Kerth der Deutschen Presse-Agentur. "Bei der hohen Geschwindigkeit entsteht sehr große Hitze."
Ziel des Testflugs war es, so viele Daten wie möglich zu sammeln. "Wir sind die erste Firma in Europa, die einen privat finanzierten Hyperschall-Testflug durchgeführt hat." Der Physiker gründete Hypersonica gemeinsam mit dem Luftfahrt-Ingenieur Marc Ewenz, beide haben in Oxford über Hyperschall promoviert. Dabei stand auch die Weiterentwicklung der Hypersonica-Rakete im Fokus, ebenso wie die Serienreife der HS1.
Space X: Vorbild für Hypersonica-Hyperschallrakete
Hyperschall sei in Europa seit mehr als 30 Jahren vernachlässigt worden, sagte Kerth. "Europa hat keine 20 Jahre Zeit, und wir haben keine 20 Milliarden." US-Milliardär Elon Musk und dessen Raumfahrtunternehmen Space X hätten gezeigt, dass sich die Entwicklungszeit von Raketen stark beschleunigen lasse.
"Die haben Entwicklungszeit und -aufwand um 80 bis 90 Prozent reduziert", sagte Kerth. "Das übertragen wir jetzt auf den Hyperschallbereich. Für uns ist es ein riesiger Erfolg, in so kurzer Zeit zur Erprobung des ersten Prototyps gekommen zu sein." Nach Unternehmensangaben benötigte Hypersonica neun Monate vom Entwurf bis zum Testflug der Hyperschallrakete HS1.
Europas Wettlauf um die Hyperschallrakete beginnt
Der erfolgreiche Test der Hyperschallrakete HS1 zeigt, dass Hypersonica in kurzer Zeit große technologische Fortschritte erzielt hat. Hyperschallraketen gelten als strategisch entscheidend, weil sie extrem schnell und schwer abzufangen sind. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung anspruchsvoll, vor allem wegen der Hitze und der nötigen Manövrierfähigkeit bei Mach 6. Mit der Hypersonica-Rakete verfolgt das Start-up das Ziel, Europa bis 2029 unabhängiger zu machen. Ob dieser Plan aufgeht, hängt davon ab, wie schnell sich die Technologie weiterentwickeln lässt.


