Wegen Krise: Zahl der Geschäfte für Goldankäufe in Italien hat sich vervierfacht

Während viele italienische Geschäfte und Unternehmen vor dem Aus stehen, machen in Italien immer mehr Läden, die Gold ankaufen, auf. Viele Italiener bekommen keine Kredite und müssen mit dem Verkauf von altem Gold über die Runden kommen. Einige Abgeordnete gehen sogar von regelrechten mafiosen Strukturen aus.

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Italiens Stadtzentren haben sich in den vergangenen zwei Jahren stark verändert. Immer mehr Geschäfte mit dem Slogan „Ich kaufe Gold“ eröffnen. Der Think Tank Eurispes schätzt, dass die Zahl dieser Gold-Ankauf-Geschäfte in Italien sich in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht hat. Das Wachstum dieser Branche ist ein sehr guter Indikator für das Niveau der Not im Land“, sagt Gian Maria Fara, der Präsident des Think Tanks, Reuters.

Während beispielsweise das Unternehmen Via Medaglie D’Oro vor fünf Jahren die erste Filiale zum Ankauf von Gold in Rom eröffnete, gehören ihr nun bereits sieben Filialen in Rom. Diese Pfandleihäuser haben derzeit einen geschätzten Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro. Gianni Mancuso, einer von sechs Abgeordneten, die im vergangenen Monat einen Antrag im Parlament gestellt haben, um den Sektor strenger zu regulieren, schätzt, dass es mittlerweile rund 28.000 dieser „Cash für Gold“-Verkaufsstellen gibt.

Die Abgeordneten sind sehr misstrauisch. Bei neuerlichen Schießereien in Rom seien den Abgeordneten zufolge Besitzer der Gold-Ankauf-Läden beteiligt gewesen. Und das italienische Parlament hat Beweise dafür, dass die Branche gerade von Mafia-Gruppen unterwandert wird. Etliche Betreiber dieser Läden verkaufen bereits, nachdem sie ein paar Wochen aktiv waren, ihre Lizenzen weiter. Das mache es schwieriger, den Vorwürfen von Geldwäsche und dem Handel mit geklauter Ware nachzugehen.

Ein anderes Bild zeigt sich indes bei den kleinen Geschäften und Boutiquen in Italien. Mehr als 1.500 wurden seit Beginn dieses Jahres bereits geschlossen, so der Einzelhandelsverband Confesercenti. Wenn die von Rezession geplagte Wirtschaft nicht bald an Fahrt gewinne, werden noch 5.000 weitere Geschäfte vor Ende des Jahres schließen. Trotz umfangreicher Rabatte, sank der Umsatz im Einzelhandel im Juli um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Kunsthandwerkervereinigung CNA. Der Umsatz der Gold-Shops indes steigt stetig. Allein die offiziellen Goldverkäufe in die Schweiz stiegen um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 120 Tonnen. 73 Tonnen waren es 2010 und 64 Tonnen im Jahr 2009.

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