US-Geldschwemme: Banken kassieren, Kunden zahlen zu hohe Zinsen

Mit dem massiven Anleihekauf wollte die US-Notenbank Kredite vergünstigen und so die Wirtschaft ankurbeln. Doch die Banken schöpfen bei der Kreditvergabe mehr Gewinn ab und verhindern so, dass die Geldschwemme bei Unternehmen und der Bevölkerung richtig ankommt.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aktuell: Milliardengrab – Crédit Agricole verkauft griechische Emporiki für 1 Euro

Kreditgeber in den USA machen aktuell ein ausgezeichnetes Geschäft. Mit der Geldschwemme der Federal Reserve haben sie günstigen Zugang zu Liquidität bekommen. Die Zinsen, die Banken für Kapital zahlen müssen, fiel nach dem QE3 von 2,36 auf inzwischen 1,85 Prozent. Kreditnehmer müssen nun zwar ebenfalls vergleichsweise niedrige Zinsen zahlen, angesichts der massiven Ausweitung der Geldmenge müsste es allerdings noch billiger sein, sich Geld zu leihen. Damit verhindern die Banken den gewünschten Effekt der Geldschwemme: Die Wirtschaft über billigere Kredite wieder anzukurbeln. Dies berichtet die Financial Times.

Demnach beträgt die Verzinsung einer Hypothek mit einer Laufzeit von 30 Jahren derzeit 3,4 Prozent. Damit ist der Ertrag, den Banken bei der Vergabe eines Kredites erzielen, auf 1,6 Prozent gestiegen. Bevor die US-Notenbank angekündigt hatte, auf dem Markt für Anleihen tätig zu werden, waren es noch 1,44 Prozent. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 machten Kreditgeber sogar nur 0,5 Prozent Geschäft.

„Für Banken die Kredite vergeben war die Geldschwemme eine der besten möglichen Nachrichten. Sie werden weiter Kredite ausstellen und sie am Markt für beträchtliche Prämien verkaufen“, sagte Steven Abrahams, Kreditanalyst der Deutschen Bank der Financial Times.

Die Banken begründen die höheren Kosten damit, dass sie aufgrund der hohen Nachfrage überfordert seien (mehr hier). Außerdem würden sich die höheren Kapitalvorschriften auf die Kreditpreise auswirken.

„Die Banken sind in der Lage mit diesen Geldern Kredite auszustellen, die deutlich billiger sind, als das am Sekundärmarkt derzeit der Fall ist. Solange das Angebot an neuen Krediten die Nachfrage nicht erfüllen kann, bleiben die Preise auf dem Sekundärmarkt hoch und die die Profite für die Kreditgeber steigen“, erklärte Dick Bove der Financial Times.

Investoren kaufen inzwischen wieder stärker Wertpapiere die auf Kreditgeschäften basieren, weil sie sicher sein können, dass sie aufgrund des Kreditbooms und der hohen Liquidität einen Abnehmer dafür finden. Am Ende werden diese Papiere wohl wieder bei der Fed als Sicherheiten für neues Geld hinterlegt.

In der Vergangenheit nutze vor allem die Investmentbank Goldman Sachs das Angebot der US-Notenbank und sicherte sich damit satte Gewinne (mehr hier).

Mehr Themen:
Inflation: Messungen wie in der Steinzeit der Statistik
Wegen Bundestag: Merkel fürchtet sich vor Spanien-Bailout
Analysten: In China droht der Crash des Rentensystems

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick