IWF resigniert vor Kapitalflucht und stimmt Kapital-Kontrollen zu

Aus Sorge um die anhaltende Kapitalflucht aus den europäischen Südstaaten gibt der IWF seinen Widerstand gegen die Kontrolle des Kapitalverkehrs auf. Die Staaten Südamerikas haben ebenfalls mächtig Druck gemacht. Damit könnte eine Periode der Liberalisierung zu Ende gehen.

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Der IWF gibt überraschend seinen Widerstand gegen Kapitalverkehrskontrollen auf. Diese sollen dazu dienen, Kapitalflüsse einzudämmen, die schwachen Wirtschaften gefährlich werden könnten. Warnungen bestehen allerdings weiterhin, dass solche Kontrollen transparent und zielgerichtet ablaufen müssten, heißt es in einem neuen Bericht des IWF (Originalbericht hier).

Richtungswechsel beim IWF: Eine Kontrolle für Kapitalflüsse kann Ländern mit einer gefährdeten Wirtschaft zugute kommen (Foto: consilium)

Richtungswechsel beim IWF: Eine Kontrolle für Kapitalflüsse kann Ländern mit einer gefährdeten Wirtschaft zugute kommen (Foto: consilium)

Der IWF war in den neunziger Jahren ein starker Verfechter von Marktliberalisierungen und freiem Fluss von Kapital. In dem neuen Bericht heißt es jedoch, dass „Liberalisierungen gut geplant sein müssten, damit sichergestellt werden kann, dass die Nutzen die Kosten überwiegen“. Desweiteren werde nicht angenommen, dass „komplette Liberalisierung jederzeit ein adäquates Mittel für alle Länder“ sei. Das Beispiel der EU zeige die Gefahr von freiem Kapitalverkehr bei gleichzeitigem Fehlen von Regeln für das Finanzsystem.

Es wird vermutet, dass der IWF aufgrund von Experimenten in Brasilien, Thailand und Südkorea zu dieser neuen Einschätzung gekommen sein könnte, berichtet die FT. In diesen Ländern wurden bereits Steuern auf Finanzgeschäfte, Verordnungen und Restriktionen eingeführt. Jedoch sei der IWF immer noch sehr zurückhaltend gegenüber Kapitalverkehrs-Kontrollen und sieht dessen Anwendung als letztes Mittel an, sagte ein brasilianischer Sprecher des IWF.

Eine umfassende Kapitalverkehrs-Kontrolle müsste jedoch die USA mit einschließen. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega warnte vor einem „Währungskrieg“. Er ist ein scharfer Kritiker der amerikanischen Geldpolitik, dessen Notenbank Kredite zu sehr günstigen Zinsen ausgibt. Diese Politik würde Investoren dazu verleiten, sich billig amerikanische Dollars zu besorgen und damit auf hohe Renditen in Schwellenmärkten zu spekulieren. Die USA spekulieren ihrerseits auf eine Initialzündung ihrer Wirtschaft durch erhöhte Liquidität bei Unternehmen und Haushalten (mehr hier).

In Italien, Spanien und Portugal kommt es indes anscheinend zu einer Entspannung auf den Kapitalmärkten. Einer Studie der Commerzbank zufolge sind in Italien seit Juni 2012 Zuflüsse in Höhe von acht Prozent des BIP eingegangen. Als Grund dafür kann die Ankündigung der EZB angesehen werden, notfalls Staatsanleihen von zahlungsschwachen Staaten anzukaufen. Für Investoren sinkt damit die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens der europäischen Währungsunion.

Eine Kontrolle der Finanzströme müsse nach Ansicht des IWF eher bei den Kapitalzuflüssen liegen. Viel wichtiger als diese zu kontrollieren sei jedoch die Etablierung einer funktionsfähigen Bankenaufsicht und einer Fiskalunion, sagte ein Sprecher des IWF.

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