Island: Top-Banker muss wegen Finanzkrise ins Gefängnis

Erstmals ist in Island ein hochrangiger Banker im Zusammenhang mit der Finanzkrise verurteilt worden. Doch auch wenn er im Gegensatz Islands Ex-Premier Geir Haarde tatsächlich hinter Gitter muss, sind die Isländer mit dem Strafausmaß nicht zufrieden.

Ihren XING-Kontakten zeigen

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise wurde in Island erstmals ein hochrangiger Bankmanager wegen Betrugs verurteilt, berichtet die FT. Am Freitag wurde Larus Welding zu neun Monaten Haft verurteilt, wovon allerdings sechs Monate für zwei Jahre ausgesetzt wurden. Er war Chef von Glitnir, der einst drittgrößten Bank Islands, die 2008 vom isländischen Staat gerettet wurde, nachdem sie infolge der Lehman-Pleite zusammengebrochen war. Seit der Finanzkrise kämpft Island mit wirtschaftlichen Problemen, zuletzt mit Inflation und einer Immobilienblase (mehr hier).

Larus Welding, der Ex-Chef der einst drittgrößten Bank Islands, muss für drei Jahre hinter Gitter. Das reicht vielen Isländern nicht. (Foto: Screenshot 31.12.2012)

Larus Welding, der Ex-Chef der einst drittgrößten Bank Islands, muss für drei Jahre hinter Gitter. Das reicht vielen Isländern nicht. (Foto: Screenshot 31.12.2012)

Durch die Strafverfolgung der Verantwortlichen für die Finanzkrise suche Island eine „nationale Aussöhnung“, zitiert die FT den isländischen Premierminister. Doch alle angeklagten Politiker und Banker haben bisher jede Verantwortung von sich gewiesen. Der frühere Glitnir-Banker Gudmundur Hjaltason wurde im Zusammenhang mit Kreditgeschäften schuldig gesprochen. Sogar Geir Haarde, Islands früherer Premierminister, wurde der Verletzung seiner Sorgfaltspflicht schuldig gesprochen, kam allerdings um eine Gefängnisstrafe herum.

Zwar sind die Isländer mit dem Ausmaß der Strafen bei weitem nicht zufrieden, doch sind sie anderen Ländern um Längen voraus. Denn auch in Europa und in den USA gibt es weit verbreiteten Unmut in der Bevölkerung über die Politiker und Banker, deren Verhalten zur Finanzkrise geführt hat. Dennoch gab es dort bisher kaum Konsequenzen, geschweige denn Verurteilungen.


Zu den Kommentaren dieses Artikels (10)