Finanzen

Vermögen im Visier: Schweiz plant Enteignung durch Erbschaftssteuer für Superreiche

Die Schweiz steht vor einem Tabubruch: Kommt die 50-Prozent-Steuer auf große Erbschaften? Die Eidgenossen debattieren über ein riskantes Experiment mit Signalwirkung.
03.07.2025 15:58
Aktualisiert: 03.07.2025 16:00
Lesezeit: 2 min
Vermögen im Visier: Schweiz plant Enteignung durch Erbschaftssteuer für Superreiche
Der Ausgang der geplanten Abstimmung für eine mögliche Erbschaftssteuer ist absolut offen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Volksinitiative fordert radikalen Kurswechsel bei der Erbschaftssteuer für Superreiche

Die vermeintliche Steueroase Schweiz steht vor einer politischen Zerreißprobe. Ende November müssen die Eidgenossen über ein Vorhaben abstimmen, das bislang unvorstellbar schien: Die Einführung einer 50-Prozent-Steuer auf Schenkungen und Erbschaften – ab einem Freibetrag von 50 Millionen Franken, umgerechnet knapp 54 Millionen Euro, berichtet der Kurier.

Ins Rollen gebracht haben diese Initiative die Schweizer Jungsozialisten (Juso). Ihre Begründung: Die zunehmende Vermögenskonzentration gefährde den sozialen Zusammenhalt. Die Lösung sehen sie in einer drastischen Abgabe auf Großvermögen, deren Erlöse dem Kampf gegen die Klimakrise zugutekommen sollen. Dabei lebt die Schweiz seit Jahrzehnten vom Ruf als Hort des Geldes. Mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit und dank moderater Steuersätze gilt das Land als Magnet für Millionäre und Milliardäre. Doch der jüngste Vorschlag könnte diese Standortvorteile ins Wanken bringen.

Kampf der Extreme: Superreiche gegen Sozialaktivisten

Die Zahlen sprechen für sich: Laut öffentlichem Rundfunk SRF gibt es fast 400.000 Millionäre in der Schweiz. Besonders auffällig: Das reichste Prozent – rund 40.000 Personen – besitzt fast die Hälfte des gesamten Vermögens. Gleichzeitig gelten über 700.000 Menschen im 8,8-Millionen-Land offiziell als arm. Diese Schieflage befeuert die Debatte über mehr Gerechtigkeit.

Die Gegner der Steuer-Initiative warnen vor massiven Kollateralschäden. Vor allem Familienunternehmen befürchten, dass die Übergabe an die nächste Generation faktisch unmöglich wird. Viele Betriebe müssten verkauft werden, um die Steuerlast zu stemmen – oder sie würden ins Ausland abwandern. Erste Milliardäre haben mit genau diesem Schritt bereits öffentlich gedroht. Die Initiatoren der Reform argumentieren hingegen, dass gerade die Superreichen einen überproportionalen Anteil an Emissionen verursachen – entsprechend müssten sie sich an der „sozial gerechten Bekämpfung der Klimakrise“ beteiligen. Die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer für Superreiche sollen in den ökologischen Umbau der Wirtschaft fließen.

Abstimmung mit Signalwirkung auch für Deutschland

Der Ausgang der Abstimmung ist offen. Zwar zeigen Umfragen derzeit eine Mehrheit von 58 Prozent gegen das Vorhaben, doch bis zum Abstimmungstermin im November bleibt noch Zeit für Mobilisierungskampagnen. Die Befürworter setzen auf das Argument wachsender sozialer Ungleichheit – die Gegner auf wirtschaftliche Vernunft.

Für Deutschland hätte eine Annahme der Initiative Signalwirkung. Auch hier mehren sich Forderungen nach einer Vermögensabgabe für Superreiche, kombiniert mit ökologischen Investitionen. Die Schweiz könnte somit unfreiwillig zum Testlabor für neue Umverteilungsmodelle werden – mit unabsehbaren Folgen für Standortattraktivität und Kapitalströme in Europa. Die Eidgenossen stehen vor einer Richtungsentscheidung, die weit über die Alpenrepublik hinausreicht. Die geplante 50-Prozent-Erbschaftssteuer für Superreiche entzweit das Land – und könnte das internationale Steuersystem auf den Kopf stellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

 

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Sollte ich US-Banken kaufen? Warum ich Citigroup und Wells Fargo genauer prüfe
14.10.2026

Nach der starken Rally ist bei US-Bankaktien Ernüchterung eingekehrt. Gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Institute weiter. Für mich...