Panorama

Grillmarkt in der Krise? Holzkohle wird teurer

Grills verkaufen sich längst nicht mehr von selbst. Nach Jahren des Booms mit Rekordumsätzen schwächelt die Nachfrage. Händler und Hersteller setzen auf neue Strategien – und hoffen, dass Innovationen und gezielte Angebote den Appetit der Kunden wieder anregen.
03.07.2025 18:00
Lesezeit: 3 min

Grills sind keine Selbstläufer mehr im Handel

Von einer Grillkrise kann keine Rede sein, da sind sich Hersteller und Händler einig. Aber die Kunden zeigen sich zurückhaltender. Vieles verändert sich.

Grillen bleibt beliebt

Gegrillt wird immer. Das gilt selbst in Zeiten von Wirtschafts- und Klimakrise. Dennoch müssen Grillhersteller und Händler überlegen, mit welchen Neuerungen die Kauflaune der Grillfreunde entfacht werden kann. Denn nach einem Aufwärtstrend über anderthalb Jahrzehnte mit Spitzenumsätzen in der Corona-Pandemie reißen die Kunden den Händlern Grills nicht mehr aus den Händen. Zudem hat das Grillen Konkurrenz bekommen: Draußen leben lautet das neue Motto. Und bei Holzkohle droht ein Preisschub.

Gas versus Holzkohle

Für viele Grillfreunde ist das fast schon eine Glaubensfrage. Wo schmeckt am Ende die Wurst oder das Grillgemüse besser? Neben dem Geschmack geht es den einen ums Erlebnis, anderen auch um Zeit und Aufwand. Wenn spontan die Freunde vor der Tür stehen und man sofort grillen möchte, ist der Gasgrill praktisch, meint ein Besitzer. Beim Holzkohlegrill muss die richtige Temperatur erreicht werden. Der Holzkohlegrill bleibt aber weiter gefragt. Elektrogrills kommen auch aus Rücksicht auf die lieben Nachbarn zum Einsatz.

Mehr Grills verkauft als im Vorjahr

"Wir sehen, dass wir auch nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahren in der Lage sind, sehr viel im Premiumbereich beispielsweise zu verkaufen", erklärt Dirk Weber, Bereichsleiter Garden bei OBI, bei einer Gesprächsrunde des Baumarktverbandes BHB. Die Preislagen gingen ein Stück nach unten. Auch die Barbecue-Branche spürt eine gewisse Kaufzurückhaltung. OBI hat dennoch in diesem Jahr bisher mehr Grills verkauft als im gleichen Vorjahreszeitraum. Umsatzstärkster Artikel europaweit ist bei OBI nicht ein Gasgrill, sondern ein Holzkohlegrill. Die Baumarktkette verfügt über fast 650 Märkte in zehn Ländern.

Trend ungebrochen

Daniel Schellhoss, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Santos Grill, das sich zu den weltgrößten Grillfachhändlern zählt, erkennt einen ungebrochenen Trend zum Grillen, dem Handy zu entkommen sowie mit der Familie und Freunden im Garten zu sitzen. Das sieht man an Grill-Events und Grillseminaren. "Die Buchungszahlen sind höher denn je", schilderte er. Rund 50.000 Grillfans besuchen jedes Jahr Kurse des Unternehmens, berichtet Santos Grill online. Eine gute Beratung der Kunden oder ein Einkaufserlebnis zahlt sich aus.

Markt nicht mehr Selbstläufer

Selbstläufer wie während der Pandemie – wer noch Ware hat, der verkauft den Grill – gehören der Vergangenheit an. Eine negative Entwicklung ist aus seiner Sicht gewesen, dass Händler nach Corona große Lagerbestände aufbauten und dann in Rabattschlachten gerieten. Schellhoss berichtet, in der Mittelschicht der Preislagen sei der typische Vier-Brenner-Gasgrill – eigentlich ein Verkaufsschlager – von den Verkaufszahlen her "ein bisschen angeschlagen". Hingegen ist die Nachfrage sowohl bei günstigen Grills als auch bei Premiumgrills gestiegen.

Branchenvertreter sehen unter anderem in Innovationen eine Möglichkeit, die Kauflust zu entfachen. Apps sind auch für Grillgeräte ein Trend. Auch Nischen gilt es zu besetzen wie Pizzaöfen oder Smoker zum Räuchern von Wurst oder Fisch. Großes Potenzial sehen Branchenvertreter ebenso bei Grill-Zubehör.

Holzkohle wird teurer

Wegen höherer Sicherheitsvorgaben beim Seetransport von Import-Holzkohle droht eine Preissteigerung: Bislang ist sie nicht als gefährliches Gut eingestuft, erklärt Norbert Jedrau vom Grillherstellerverband BIAG (Barbecue Industry Association Grill). Noch. Denn neue Vorgaben sehen vor, den Stauraum für Holzkohle im Container ab 2026 um ein Drittel zu verkleinern. "Das führt zu einer Verteuerung bei der Holzkohle", warnt der Geschäftsführer des Verbandes. 80 Prozent der Grillkohle bezieht Deutschland nach seiner Schätzung aus dem Import.

Neue Zielgruppen im Blick

Jedrau rät der Branche, neue Zielgruppen zu erreichen, darunter Menschen mit ausländischen Wurzeln. Er selbst lebt in einem multikulturellen Stadtteil, in dem gemeinsam gegrillt wird. Die Grills und die Holzkohle werden aber nicht bei Santos und OBI gekauft. Diese Bevölkerungsgruppen gilt es anzusprechen, für das Grillen zu begeistern. Auch junge Leute, die bislang Einweggrills etwa an der Tankstelle kaufen, sollte man gewinnen.

Schwieriger Start ins Jahr

Die Baumarktbranche hatte laut dem Marktforschungsunternehmen NielsenIQ einen schwierigen Start 2025. Die ersten fünf Monate zusammengenommen lagen die Baumärkte mit 9,2 Milliarden Euro Gesamtumsatz ein Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Die Gartencenter verloren 4,5 Prozent auf 0,95 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Die Gartensortimente haben diesmal im Unterschied zum Vorjahr keine positiven Impulse für die Baumärkte geben können, sagte der NielsenIQ-Handelsexperte Sascha Kehrstephan.

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