Politik

Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich und könnten globale Märkte destabilisieren. Was bedeutet das für Preise, Versorgung und Europas Energiesicherheit?
25.03.2026 16:00
Lesezeit: 2 min
Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
Im Hafen Ust Luga wird ein Großteil des russischen Ölexports über die Ostsee abgewickelt. (Foto: dpa | Igor Russak) Foto: Igor Russak

Russlands Ölexport: Drohnenangriffe legen wichtige Ostseehäfen lahm

Russland hat die Rohölexporte über seine westlichsten Ostseehäfen Primorsk und Ust Luga vorübergehend gestoppt. Grund sind Drohnenangriffe, die zu erheblichen Störungen geführt haben. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev mit Bezug auf Reuters. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, erklärte, dass infolge der Angriffe mehrere Treibstofflager im Hafen von Primorsk in Brand geraten seien. In seiner offiziellen Stellungnahme erwähnte er jedoch keinen Stopp der Ölexporte. Zwei Quellen aus der Energiebranche bestätigten gegenüber Reuters dennoch, dass die Exporte tatsächlich unterbrochen wurden.

Ob der Hafen Ust Luga direkt beschädigt wurde, ist bislang unklar. Russische Behörden haben hierzu keine Bestätigung gegeben. Drosdenko teilte mit, dass bei den jüngsten Angriffen insgesamt 35 Drohnen über der Region abgeschossen worden seien. Die ukrainische Seite hat sich zu den Angriffen bislang nicht geäußert.

Bedeutung der Häfen für Russlands Ölexport

Die betroffenen Häfen zählen zu den wichtigsten Exportdrehscheiben für russisches Rohöl. Primorsk verfügt über eine tägliche Exportkapazität von mehr als einer Million Barrel und spielt damit eine zentrale Rolle im russischen Energiesystem. Der Hafen Ust Luga verarbeitet täglich etwa 700000 Barrel Rohöl. Nach Angaben von Reuters exportierte Ust Luga im vergangenen Jahr rund 32,9 Millionen Tonnen Ölprodukte, während Primorsk auf 16,8 Millionen Tonnen kam. Ein vergleichbarer Exportstopp in Primorsk wurde zuletzt im September des vergangenen Jahres registriert. Bereits im März hatten Drohnenangriffe auch den Ölumschlag im Schwarzmeerhafen Noworossijsk beeinträchtigt. Die wiederholten Angriffe zeigen, dass die Energieinfrastruktur Russlands zunehmend unter Druck gerät.

Auswirkungen auf Europa und Deutschland

Für Europa hat die Entwicklung potenziell erhebliche Konsequenzen, da die Ostseehäfen traditionell eine wichtige Rolle bei der Versorgung europäischer Märkte mit russischem Öl gespielt haben. Zwar hat die Europäische Union ihre Abhängigkeit von russischen Energieimporten seit Beginn des Ukrainekriegs reduziert, dennoch bleiben indirekte Effekte auf Preise und Lieferketten möglich.

Ein direkter Deutschlandbezug lässt sich derzeit nur eingeschränkt herstellen, da Deutschland keine nennenswerten Mengen russischen Rohöls mehr importiert. Dennoch könnten Marktverwerfungen durch Angebotsengpässe global wirken und damit auch die Energiepreise in Deutschland beeinflussen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen So bleiben deine Online-Finanzdaten geschützt

Heutzutage wird jede deiner Aktivitäten online nachverfolgt. Es fühlt sich an, als würde immer jemand deine Einkäufe im Internet...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Globale Staatsverschuldung auf Rekordniveau: Was Anleger jetzt wissen sollten
12.04.2026

Die globale Verschuldung nimmt weiter zu und übertrifft zunehmend das Wachstum der Weltwirtschaft, während steigende Zinsen die...

DWN
Panorama
Panorama A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen
12.04.2026

Leadership gilt als moralischer Kompass unserer Zeit: empathisch, inklusiv, kontrolliert. Doch passt dieses Ideal zur Realität...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Arbeitsverträge als Risiko: So vermeiden Unternehmen teure Fehler
12.04.2026

Arbeitsverträge gelten in vielen Unternehmen als Formalität, doch fehlerhafte oder veraltete Vereinbarungen können schnell rechtliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geely Cityray im Test: Was stimmt eigentlich nicht mit dem günstigen Chinesen?
12.04.2026

Der Geely Cityray gehört zu den vernünftigsten Familien-SUV auf dem Markt. Für einen Preis von 27.000 Euro, der eher dem Segment...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsprojekte unter Druck: Milliardeninvestitionen geraten ins Stocken
12.04.2026

Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme, doch zentrale Projekte geraten durch Konflikte, Verzögerungen und steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreis-Prämie als Direktzahlung geplant? Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
12.04.2026

Die deutsche Regierung prüft neue Wege, um die hohen Kraftstoffpreise der Bürger auszugleichen und setzt möglicherweise mit einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Richtlinien im E-Commerce: One-Click-Return setzt neue Standards
12.04.2026

Neue EU-Vorgaben setzen den Onlinehandel unter Druck, da Rückgaben künftig genauso einfach funktionieren müssen wie der Kaufprozess...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation und Wachstum unter Druck: EZB warnt vor Risiken durch Energiepreise
12.04.2026

Die wirtschaftlichen Risiken im Euroraum nehmen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen spürbar zu, während die EZB...