Wirtschaft

Erst Ölpreis bei 200 Dollar erschüttert die Welt – ohne das bleibt der Iran-Krieg nur eine Korrektur

Historische Erfahrungen zeigen, dass nicht Kriege selbst, sondern makroökonomische Fundamentaldaten die Finanzmärkte bestimmen. Warum der Ölpreis erst bei 200 Dollar die Welt erschüttert.
24.03.2026 11:30
Aktualisiert: 24.03.2026 11:30
Lesezeit: 2 min
Erst Ölpreis bei 200 Dollar erschüttert die Welt – ohne das bleibt der Iran-Krieg nur eine Korrektur
An den Finanzmärkten bleibt der Iran-Krieg bislang eine Korrektur, da ohne einen massiven Ölpreisschock die globalen Konjunkturtrends weiterhin dominieren. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Ölpreis bei 200 Dollar als entscheidender Faktor

Die aktuellen Marktreaktionen auf den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran seien lediglich eine Korrektur, sagt Jarosław Niedzielewski, Leiter der Investmentabteilung bei Investors TFI gegenüber unseren Kollegen von der polnischen Wirtschaftszeitung Puls Biznesu. Der zuvor bestehende globale Aufschwung werde sich trotz des Konflikts fortsetzen.

Er verweist darauf, dass nach dem sogenannten „Tag der Befreiung“, an dem US-Präsident Donald Trump neue Zolltabellen präsentierte, die globalen Aktienmärkte innerhalb weniger Tage stärker einbrachen als während drei Wochen Krieg im Persischen Golf. Besonders deutlich wird dies am S&P 500, der seit dem Angriff auf Iran um 5 Prozent gefallen ist, während er im Jahr 2025 innerhalb weniger Tage um 12 Prozent nachgab.

Nach Einschätzung Niedzielewskis würde der aktuelle Konflikt erst dann gravierende wirtschaftliche Folgen haben, wenn der Ölpreis auf über 200 Dollar pro Barrel steigen würde. Erst dann wäre ein Szenario vergleichbar mit den Ölkrisen der 1970er Jahre.

Der Ölpreisschock nach dem Jom-Kippur-Krieg ließ den Preis damals zunächst von 3 auf 11 Dollar steigen und anschließend weiter klettern. Im Vergleich dazu sei die aktuelle Preisbewegung deutlich moderater. Ölpreise zwischen 100 und 120 Dollar seien in den vergangenen 20 Jahren mehrfach erreicht worden und daher kein außergewöhnliches Ereignis.

Selbst wenn der Konflikt mehrere Monate andauern sollte, sei ein nachhaltiger Inflationsschock unwahrscheinlich, solange keine massive Eskalation eintritt. Entscheidend wäre, ob Raffinerien im Persischen Golf zerstört würden. Ohne solche Schäden könne sich die Weltwirtschaft an höhere Energiepreise anpassen. Sollten die Ölpreise kurzfristig bei etwa 120 Dollar verharren und anschließend wieder auf 80 bis 90 Dollar zurückfallen, wäre laut Niedzielewski keine nachhaltige Belastung für das globale Wachstum zu erwarten. Auch die Zentralbanken müssten ihre Zinspolitik nicht grundlegend ändern, da der Inflationsimpuls zeitlich begrenzt bliebe.

Konjunkturzyklen wichtiger als Kriege

Langfristige Marktbewegungen hängen laut Niedzielewski stärker von Konjunkturzyklen als von militärischen Konflikten ab. Dies zeige sich auch an früheren Kriegen. Nach den US-Invasionen in Afghanistan im Oktober 2001 und im Irak im März 2003 lag der S&P 500 jeweils nur leicht über dem Vorkriegsniveau. Ein Jahr später entwickelte sich der Markt jedoch unterschiedlich. Nach Afghanistan lag er 25 Prozent im Minus, nach dem Irak hingegen 27 Prozent im Plus. Diese Unterschiede erklärt Niedzielewski mit der jeweiligen Phase des Konjunkturzyklus. Der Afghanistan-Krieg fiel in eine Phase wirtschaftlicher Abschwächung nach dem Platzen der Dotcom-Blase, während sich die Wirtschaft 2003 bereits in einer Erholungsphase befand.

Auch der Krieg in der Ukraine habe global betrachtet weniger Einfluss gehabt als oft angenommen. Zwar fiel der S&P 500 nach Beginn der Invasion im Februar 2022 um rund 10 Prozent, doch entscheidend waren laut Niedzielewski die geldpolitischen Reaktionen auf die Inflation infolge der Pandemie.

Steigende Risiken im Nahen Osten

Gleichwohl unterscheidet sich die aktuelle Lage im Nahen Osten von früheren Konflikten. Während frühere Kriege geografisch begrenzt blieben, hat sich der aktuelle Konflikt auf mehrere Länder ausgeweitet, darunter Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zudem greifen die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen in den Schiffsverkehr im Roten Meer ein. Dadurch steigt das Risiko für globale Lieferketten und Energiepreise.

Trotz dieser Risiken geht Niedzielewski davon aus, dass die positiven wirtschaftlichen Trends der vergangenen Monate überwiegen könnten. Insbesondere die Industrie, die sich seit drei Jahren in einer Schwächephase befand, zeige sowohl in den USA als auch in Deutschland erste Anzeichen einer Erholung.

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