Banken in Südeuropa kaufen wieder eifrig Staatsanleihen

Die Nachfrage nach spanischen Anleihen war angesichts der im Vergleich zu deutschen Anleihen noch rentablen Zinssätze sehr gut. Draghis Worte, Anleihen Spaniens notfalls über die EZB zu kaufen, zeigt noch immer Wirkung. Auch Italien profitiert weiterhin davon.

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Am Donnerstag trifft sich der EZB-Rat, um über den aktuellen Leitzins und weitere Vorgehen im Zuge der Schuldenkrise zu beraten. Derzeit liegt der Leitzins schon bei historisch niedrigen 0,75 Prozent. Eine weitere Senkung ist nicht ausgeschlossen, wird aber von einem Großteil der von Reuters befragten Ökonomen nicht erwartet.

Noch vor der EZB-Ratssitzung haben sowohl Spanien als auch Italien neue Anleihen emittiert und konnten niedrigere Zinssätze verbuchen. Insgesamt wollte das spanische Finanzamt Bonds im Wert von 5 Milliarden Euro verkaufen. Dank der großen Nachfrage wurden letztlich jedoch Anleihen im Umfang von 5,8 Milliarden Euro emittiert. Die Zinssätze für fünfjährige Anleihen sanken von 4,769 auf 4,033 Prozent und die Rendite für 13-jährige Papiere des spanischen Staates verringerte sich ebenfalls von 6,218 auf 5,569 Prozent. Die neuen Bonds mit einer Laufzeit von zwei Jahren gingen für 2,587 Prozent über den Tisch. Diese beinhalteten das erste Mal die nun für neue Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr verpflichtende Umschuldungsklausel. Diese Collective Action Clause (CAC) erlaubt es, dass im Fall einer Insolvenz de Gläubigerversammlung mit einer Mehrheit über das weitere Verfahren entschieden werden kann – beispielsweise bei einem Schuldenschnitt.

Die italienische Schuldenagentur veräußerte ebenfalls Anleihen am Donnerstag. Die Zinssätze für einjährige Papiere lagen hier bei lediglich 0,864 Prozent – im Dezember verlangten die Investoren noch eine Rendite von 1,456 Prozent.

Die Ankündigung Mario Draghis, notfalls nach einem Bailoutantrag Spaniens oder auch Italiens Anleihen im unbegrenzten Umfang am Sekundärmarkt durch die EZB kaufen zu lassen, wirken sich demzufolge weiterhin positiv auf die Refinanzierungskosten der beiden Länder aus. Neben der Sicherheit, die diese Ankündigung  für Investoren mit sich bringt, spielen aber auch die Zinssätze eine nicht mindere Rolle für die Käufer der Anleihen. Im Gegensatz zum Kauf von deutschen Anleihen beispielsweise kann man trotz der gesunkenen Rendite für spanische und italienische Papiere hier noch immer einen besseren Gewinn machen.

Gerade für die strauchelnden Banken in Spanien und Italien sind die Anleihen deshalb ein ganz guter Deal – aber auch für Pensionsfonds aus der Region. Bisher wird noch immer ein Großteil der spanischen Anleihen beispielsweise von den heimischen Banken gehalten und gerade zweijährige, also eher kurzfristige, Anleihen sind eine willkommene Anlagemöglichkeit. Allerdings sind sowohl in Spanien als auch in Italien die Kapazitäten zum Bondskauf bei den Banken und Pensionsfonds bald aufgebraucht, so dass in absehbarer Zeit, die Rendite wieder steigen wird (hier). Vor allem, da Spanien in diesem Jahr noch einmal noch mehr Anleihen emittieren will als 2012.

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Kommentare

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    • FDominicus sagt:

      Tja was das kleine Wort systemrelevant doch ausmacht….

    • Wutbürger sagt:

      Diese willfährigen Herrschaften in den Bangsterkästen, die brav die Befehle aus den Politpalästen ausführen, werden eines Tages ….

    • Marcus sagt:

      Warum sind wohl die Bondrenditen so niedrig? Weil sich im Zweifelsfall immer jemand findet welcher die Anleihen abkauft, sollten die südeuropäischen Banken keine Kapazitäten mehr haben.

      Entweder die EZB monetarisiert weiterhin die Staatsschulden über den Umweg der privaten Geschäftsbaken, oder sie setzt unbegrenzte Anleihenkäufe ein was Herr Draghi ja bereits ankündigte.
      Von daher habe ich auf jedenfall garantierte Abnehmer für meine Staatsanleihen, und auch genau aus diesem Grund sinken die Renditen.

    • Tommy Rasmussen sagt:

      “Diese Collective Action Clause (CAC) erlaubt es, dass im Fall einer Insolvenz de Gläubigerversammlung mit einer Mehrheit über das weitere Verfahren entschieden werden kann – beispielsweise bei einem Schuldenschnitt.” :

      10.01.2013 – Alle Staatsanleihen der Eurozone enthalten neu ab 2013 einen “Collective Action Clause”. Mit dem CAC können Staaten die Rückzahlung von Schulden verweigern. Die neuen Deutsche Staatsanleihen als Verlängerung der bestehenden 2115 Milliarden Euro Schulden und als Neuverschuldung werden die neue CAC-Klausel beinhalten. Als Reaktion ist die Forderung der Anleger nach höheren Zinsen wahrscheinlich. Wenn das Verlustrisiko erheblich steigt, müssen auch die Zinsen steigen, denn Zinsen sind immer auch eine Bewertung des Risikos.
      http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/01/so-ein-cac-staatsanleihen-mit.html

      “Forderung der Anleger nach höheren Zinsen” ? So ein CAC aber auch! :

      Am 9. August 1929 war es dann soweit: Die Federal Reserve Bank erhöhte den Diskontsatz. Es war Paul Warburg, der dem Countdown grünes Licht gab, indem er den Börsenhändlern riet, aus dem Markt auszusteigen. Die Aktionäre der Federal Reserve Bank taten das auch, nur das dumme Volk glaubte noch immer, Wertpapiere zu haben. Am 24. Oktober 1929 platzte die Blase, die Aktienmärkte brachen zusammen. Übrig blieb nur ein hoffnungsloses, verarmtes Gemeinwesen dessen Arbeiterschaft zur Hälfte stempeln ging. Seite 81-85 Kapitel 5 :
      http://www.vho.org/aaargh/fran/livres11/Eggert.pdf

      08.01.2013 – Jean-Claude Juncker warnt, das Jahr 2013 könnte ein Vorkriegsjahr werden wie das Jahr 1913, wo alle Menschen an Frieden glaubten, bevor der Krieg kam.
      http://tele.rtl.lu/waatleeft/replay/v/20130107/0/2983935/
      http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/01/warnt-jean-claude-juncker-vor-einem.html