Nervosität in China: Regierung verbietet Berichterstattung über Kreditklemme

Die chinesischen Behörden sind offensichtlich sehr beunruhigt darüber, dass die Öffentlichkeit vom wahren Ausmaß der Kreditklemme erfahren könnte. Die Zensur über die Wirtschafts-Medien des Landes wurde verschärft. In Peking geht die Furcht vor einem drohenden Finanzmarkt-Crash um.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Chinas kommunistische Einheits-Partei hat Lokalmedien per Anweisung verboten, über die Kreditklemme zu berichten. Grund ist die Angst vor einer weiteren Verunsicherung der Finanzmärkte. Die neuen Zensurmaßnahmen sind ein Zeichen für die steigende Nervosität bei der Staatsmacht.

Chinas Lokalmedien erhielten in den vergangenen Tagen eindeutige Anweisungen, wie sie sich über die Probleme auf dem chinesischen Finanzmarkt zu äußern haben – und wie nicht. Darüber berichtet die FT, die aus einer Direktive der Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei zitiert. Darin heißt es, die Medien müssten davon absehen, „die so genannte Geldklemme aufzubauschen“. Stattdessen sollten sie verkünden, dass die Finanzmärkte ausreichend liquide seien. „Die Medien müssen ihre positiven Berichte ausbauen“, zitiert die Zeitung. Die Geldpolitik der Zentralbank sei nicht knapp, sondern beständig.

Die bereits Anfang letzter Woche verfasste Direktive wurde in den vergangenen Tagen an lokale Zeitungen und Rundfunksender gesendet. Viele chinesische Medien hatten in den vergangenen Wochen ausführlich über die Probleme am Finanzmarkt berichtet.

Das Vertrauen der Banken untereinander hat stark unter der geringen Liquidität am Geldmarkt gelitten. Zuletzt hieß es vorübergehend sogar, die mächtige Bank of China sei pleite (hier). Berichte wie diese ließen den Interbankenzinssatz immens ansteigen. Das schränkt auch die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen ein. Die Anforderungen dafür werden ohnehin schon seit längerer Zeit verschärft.

All dies sind erste Anzeichen für ein baldiges Platzen der chinesischen Kreditblase. Der drohende Crash (mehr hier) hat auch Auswirkungen auf andere Märkte, etwa in Europa. An Chinas Börsen kam es bereits zu regelrechten Panikverkäufen. Anfang letzter Woche sanken die Indizes innerhalb von Tagen um mehr als zehn Prozent. Auch die Aktienmärkte in Japan und Europa reagierten auf die Entwicklungen spürbar negativ.

Zensur ist in China allgegenwärtig. Die Redaktionen erhalten regelmäßig Vorgaben, wie über politisch sensible Themen zu berichten sei. Im Falle der aktuellen Finanzmarktprobleme dauerte es zwar relativ lange, bis die chinesische Propaganda-Maschinerie ins Laufen kam. Die Führung in Peking ist aber offensichtlich fest entschlossen, jede weitere Berichterstattung über die Kreditklemme im Keim zu ersticken.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick