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Siemens: Peter Löscher muss gehen, die Krise bleibt

Siemens entlässt den Vorstandschef Peter Löscher. Das Problem liegt jedoch tiefer: Der Konzern wird nicht mehr unternehmerisch geführt. Seine Eigentümer sind Investoren, die sich gerne von eitlen Managern das Blaue vom Himmel versprechen lassen. So blühen Intrigen, Geldgier und Machtspiele. Die klassische Ingenieurs-Kunst von Siemens hat an der Unternehmens-Spitze keine Stimme mehr.

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In den achtziger Jahren war Siemens noch führend bei der Entwicklung von Chips - wie dem ersten 1 MB-Chip im Jahr 1987. Nun sorgt das Unternehmen vor allem durch Querelen für Schlagzeilen. Am Mittwoch soll Joe Kaeser als Nachfolger des glücklosen Peter Löscher inthronisiert werden. (Fotos: Siemens)

In den achtziger Jahren war Siemens noch führend bei der Entwicklung von Chips – wie dem ersten 1 MB-Chip im Jahr 1987. Nun sorgt das Unternehmen vor allem durch Querelen für Schlagzeilen. Am Mittwoch soll Joe Kaeser als Nachfolger des glücklosen Peter Löscher inthronisiert werden. (Fotos: Siemens)

Der Aufsichtsrat von Siemens wird am kommenden Mittwoch den Vorstandschef Peter Löscher entlassen und an seiner Stelle allen Spekulationen zufolge den bisherigen Finanzvorstand Joe Kaeser zum neuen Chef des Unternehmens ernennen.

Löscher hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt, als er die Gewinnprognose für 2014 zurücknehmen musste.

Löschers Amtszeit war glanz- und glücklos. Er war von außen gekommen, um den Konzern aus dem Korruptions-Sumpf zu holen. Das ist ihm gelungen. Mehr aber auch nicht.

Die tatsächlichen Ursachen für die erneute Führungskrise bei Siemens liegen jedoch nicht allein im weltfremden Führungsstil Löschers.

Das Problem von Siemens: Das Unternehmen wird nicht mehr unternehmerisch geführt. Das wichtigste Element von Siemens, die Innovationskraft seiner Ingenieure, hat bei unternehmerischen Entscheidungen keine Stimme mehr.

An ihrer Stelle haben sich andere das 1847 vom Erfinder des Zeigertelegrafen, Werner Siemens gemeinsam mit Johann Georg Halske gegründete Unternehmen unter den Nagel gerissen. Keiner von denen, die bei Siemens die Entscheidungen treffen, versteht etwas von Technologie.

Das beginnt bei den Eigentümern. Das Unternehmen ist an der Börse notiert. Die wichtigsten Shareholder sind neben der Familie Siemens unter anderem der US-Finanzinvestor Blackrock, der Staat Katar sowie der staatliche norwegische Pensionsfonds. Diese Gruppen interessiert nur eines: Dass sich das Vermögen, das sie in Siemens investieren, vermehrt.

Im Aufsichtsrat findet man jene Kräfte, die man als die berüchtigte „Deutschland AG“ kennt: An der Spitze Gerhard Cromme, der die ThyssenKrupp AG vor kurzem wegen mangelnden Erfolges verlassen musste. Neben ihm unter anderem der Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Außerdem jede Menge „Arbeitnehmervertreter“, also Leute von der IG Metall oder Betriebsräte. Hinzu kommt Allianz-Chef Michael Diekmann. Am ehesten noch Sachverstand wird man Nicola Leibinger-Kammüller von der Trumpf GmbH bescheinigen können.

Im Vorstand sitzen vor allem alte Siemens-Fahrensleute und Brigitte Ederer, eine Ex-Politikerin der österreichischen Sozialdemokraten. Nur zwei von ihnen haben einen Hintergrund, der ihnen Fachwissen verschafft: Industrie-Vorstand Siegfried Russwurm, der nach dem Wunsch vieler Siemensianer eigentlich hätte der neue Chef werden sollen, und Energie-Vorstand Michael Süß, der jedoch aus der Automobilbranche kommt und daher für Energie-Fragen nur bedingt geeignet erscheint.

Der nun gefeuerte Peter Löscher kam vom Pharmakonzern Merck. Er war von Cromme geholt worden, der Löscher gar nicht kannte. Am Ende verstrickte sich Löscher in einem beispiellosen Intrigen-Spiel. Die FAZ will sogar erfahren haben, dass Cromme Löscher absichtlich ins Messer habe laufen lassen und ihn zu der im Grunde überflüssigen Gewinnwarnung gezwungen habe, um seine eigene Haut zu retten. Löschers zu erwartender Nachfolger, der Finanzvorstand Kaeser, war zuständig für die Prognosen.

Als Lobbyist betätigen sich der ehemalige Außenminister Joschka Fischer und seine US-Kollegin Madeleine Albright für Siemens

Die jüngere Geschichte Siemens ist eine Chronologie der Verirrungen und Fehlschläge. Das betrifft nicht nur die Zeit Löschers, sondern auch die seiner Vorgänger Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Kernprodukte wie bestellte ICE-Züge konnten nicht zeitgerecht geliefert werden, der Ausflug ins Mobilfunkgeschäft entpuppte sich als Desaster. Auch im Solar-Bereich oder bei der Windenergie lief nichts nach Plan. Stattdessen wurde die Kernmarke Osram verkauft, die als Google-Konkurrenz gedachte deutsche Suchmaschine Quaero kennt man heute nicht einmal mehr dem Namen nach (mehr im Details zu den zahllosen Fehlschlägen finden sich in einer interessanten Presseschau im Blog des Siemens Österreich Betriebsrats).

Einst eine Ikone von Siemens: Osram, das Synonym für Glühbirne. (Foto: Siemens)

Einst eine Ikone von Siemens: Osram, das Synonym für Glühbirne. (Foto: Siemens)

Die einzigen Konstanten, mit denen sich die 370.000 Mitarbeiter im Lauf der Jahre beschäftigen konnten, waren Sparprogramme beim Personal und Gehaltsexzesse bei den Managern. So hatte Heinrich von Pierer mitten während einer Lohnkürzungs-Phase für die Mitarbeiter gefordert, dass die Vorstandsgehälter um 30 Prozent zu erhöhen seien. Löscher kam im Jahr 2012 auf eine Gesamtvergütung von 7,87 Millionen Euro, monatlich also 656.000 Euro. Im Vergleich: Das niedrigste Tarifgehalt der IG Metall Bayern liegt inklusive Leistungszulage bei 2.289 Euro.

Diese Diskrepanz findet sich in vielen DAX-Konzernen. Sie bringt zum Ausdruck, was schiefläuft in diesen Unternehmen – und warum es für Siemens mit einem einfachen Personalwechsel an der Spitze nicht getan sein wird.

Bei Siemens liegt der größte Sachverstand des Managements darin, wie die Manager selbst zu noch mehr Geld kommen können.

Ihr ersten Blick gilt den Shareholdern: Dieser werden mit Phrasen zugedeckt, die aus den Management-Lehrbüchern der 90er Jahre stammen. Motivation, Vision, Strategie, Leitbild. Ob für Chips, Medikamente, Medien – das ist einerlei. Die schönen Worte sind überall dieselben. Sie sollen bei den Shareholdern Wohlwollen schaffen. Wenn alles ganz gut läuft, fallen sogar die Lemminge an den Börsen darauf herein und kaufen und treiben den Kurs (mehr zum Irrsinn von Börsenkursen – hier).

Finanzchef Kaeser zitierte bei der Grundsteinlegung für die neue Siemens-Zentrale einen Spruch, den es über Siemens schon länger gibt: Das Unternehmen sei eine „Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“. Siemens sei „im Augenblick mit der Reparatur eines Blechschadens“ beschäftigt.

Alle Beteiligten bei Siemens sind jedoch in erster Linie daran interessiert, dass die Bank reibungslos funktioniert: Sie ist der Garant für die Renditen. Mit komplexen Finanzprodukten oder wie zuletzt mit hektischen M&A-Aktivitäten kann schnelles Geld verdient werden. Viele Vorstandschefs machen sich gar nicht mehr die Mühe, das Kerngeschäft zu verstehen. Sie wissen, dass sie mit geschicktem Kaufen und Verkaufen schneller und müheloser Kasse machen können. Das nützt ihren Shareholdern und ihnen selbst – den einen mit Rendite, ihnen selbst mit Bonus-Zahlungen.

Wenn es mit dem Kaufen und Verkaufen nicht funktioniert, dann versuchen sich die Manager in Umstrukturierungen, Neupositionierungen, Ausgliederungen oder Konsolidierung. Sie schaffen damit bürokratische Instanzen, mit denen sie hoffen, der Börse zu imponieren. Sie lagern die Verantwortung für ihr Tun an Berater und Consultants aus, lassen Studien und Gutachten erstellen, die alle nur dem einen Zweck dienen sollen: Niemand soll merken, dass die Millionen-Manager keine Ahnung haben von dem Geschäft.

Im Jahr 2011 zogen Joe Kaeser und Peter Löscher noch an einem Strang. Und Kaeser trug noch einen Bart, der ist nun ab. (Foto: Siemens)

Im Jahr 2011 zogen Joe Kaeser und Peter Löscher noch an einem Strang. Und Kaeser trug noch einen Bart, der ist nun ab. (Foto: Siemens)

Die Mitarbeiter und damit die Produkte bleiben in diesem Umfeld naturgemäß auf der Strecke. Sie verlieren trotz hoher Qualifikation ihren Job und bleiben bei irgendwelchen sinnlosen Transfer-Gesellschaften hängen, wie etwa 1.000 Top-Diplom-Ingenieure, Elektrotechniker und Mathematiker, die wegen des Flops beim Nokia Siemens Network seit über einem Jahr ohne Job sind.

Das Interesse an der „Elektroabteilung“ hält sich nämlich bei den Verantwortlichen in engen Grenzen: Was sollten Aufseher wie Cromme (Stahl), Ackermann (Banken) oder Diekmann (Finanzwirtschaft) dort auch schon ausrichten?

Die Shareholder wiederum haben daran auch kein Interesse: Blackrock und Katar sind bei Siemens eingestiegen, damit ihr Geld arbeitet. Sie sind geradezu manisch anfällig, auf Blender in Management-Positionen hereinzufallen. Sie wollen Performance. Sie wissen alles über den Preis der Aktie, den diese erreichen muss, damit sie, die Investoren, nicht als die Idioten dastehen. Sie wissen jedoch nichts über den Wert der Arbeit, der Produkte, der Innovationen bei Siemens.

Löscher hatte den Shareholdern, wie er es in den USA gelernt hatte, stets mehr versprochen, als er halten konnte. Nun messen ihn die Investoren an seinen Worten und stellen ihm den Stuhl vor die Tür. Löscher wird, wie alle gefeuerten Manager, für seinen Teil am Versagen, fürstlich entlohnt werden. Medienberichten zufolg darf Löscher mit einer Abfindung von über 9 Millionen Euro rechnen. Hinzu kommen noch 15 Millionen Euro aus Ansprüchen für seine Altersversorgung.

Joe Kaeser wird der neue Mann bei Siemens.

Er wird das Spiel mitspielen, solange es die Hülle Siemens gibt.

Denn diese Hülle verspricht Gewinn für all jene, die am Spieltisch des globalen Kasinos Platz nehmen dürfen. Manager tragen kein Risiko. Shareholder können umschichten oder auf Kosmetik hoffen.

Die Tausenden tüchtigen Ingenieure, Mathematiker und Software-Entwickler bei Siemens dagegen werden weiter staunen müssen über das Spiel, in dem sie Schachfiguren bleiben in einem Vabanque-Spiel aus Größenwahn, Zufall und Glück.

Das ist schade für die Mitarbeiter, denn sie leisten auch unter widrigen Umständen immer noch Außergewöhnliches.

Seit einiger Zeit kurvt der maßgeblich von Siemens-Technologie betriebene Mars-Roboter „Curiosity“ auf dem Roten Planeten herum.

Böse Zungen hoffen in München auf einen Einstieg von Siemens in die bemannte Raumfahrt.

Und würden den einen oder anderen brillanten Manager gerne als Test-Piloten sehen.

Auf dem Mars.


Öl zu Dollars: Saudische Herrscher bereiten sich auf Exil vor
Öl zu Dollars: Saudische Herrscher bereiten sich auf Exil vor
Die Mitglieder des saudischen Königshauses bereiten sich offenbar auf das Exil vor. Es wird so viel Öl wie möglich verkauft, um die Petro-Dollars außer Landes zu schaffen. Der Ölpreis-Verfall spielt dabei keine Rolle. Aus den USA kommen deutliche Signale, dass…
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Für US-Präsident Barack Obama sind die Saudis unersetzliche Partner. Doch Saudi-Arabien schreint sich auf ein Exil in Sachen Öl vorzubereiten. (Foto: dpa)

Für US-Präsident Barack Obama sind die Saudis unersetzliche Partner. (Foto: dpa)

Im ersten Quartal des aktuellen Jahres sind die Öl-Exporte Saudi-Arabiens im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,5 Prozent gestiegen, berichtet fuelfix. Im vergangenen Jahr sind etwa 61 Prozent aller saudischen Öl-Exporte nach Asien gegangen. Im aktuellen Jahr sind bisher 65 Prozent aller saudischen Öl-Exporte nach Asien gegangen. Davon wurde alleine nach China 14 Prozent exportiert. Im Ländervergleich ist der wichtigste Absatzmarkt für saudischen Öl die USA. Im März erzielten die saudischen Öl-Exporte in die USA mit einem täglichen Volumen von 1,28 Millionen Barrel sogar einen Elf-Monats-Rekord

Im Dezember berichtete Oilprice.com, dass Saudi-Arabien trotz des fallenden Ölpreises seine Öl-Exporte erhöht. Das Land verkauft sein Öl mittlerweile zu jedem Preis. Gleichzeitig wehrt sich das Land gegen eine Drosselung seiner Förderung. Stattdessen fordert das Königreich eine Drosselung von Russland und dem Iran, um – nach eigenen Aussagen – eine Ölpreiserholung zu bewirken.

Nach bisherigen Medienberichten wollte Riad mit dieser Politik vor allem Russland und dem Iran schaden, die beide als Rivalen im Nahen Osten angesehen werden. Doch den größten objektiven Schaden erleidet das Königreich selbst. Die Devisenreserven des Landes sind aufgrund des Ölpreis-Verfalls drastisch zurückgegangen. Der Staatshaushalt kann nicht mehr in gewohnter Weise finanziert werden.

Deshalb ist diese Haltung nicht alleine dadurch zu erklären, dass Saudi-Arabien ausschließlich Russland und den Iran schwächen möchte. Das Königreich hat in den vergangenen Jahrzehnten die eingenommenen Petro-Dollars vor allem in US-Anleihen und US-Vermögensgüter investiert. Ein erheblicher Teil der Gelder floss offenbar auch in US-Offshore-Zentren wie Delaware, Wyoming oder Nevada. Die Panama Papers bestätigen, dass die saudische Königsfamilie Gelder in Steuer-Oasen parkt.

Dieser gesamte Prozess hat sich seit den Konflikten im Nahen Osten und den Unruhen im eigenen Land beschleunigt. Die saudische Königsfamilie fürchtet einen Umsturz und will sich offenbar für die Zeit danach auf eine neue Heimat im Exil einrichten.

Der ehemalige Stabschef im Pentagon, Lawrence Wilkerson, erklärte gegenüber den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Wir müssen uns auch im Klaren darüber sein, dass der Arabische Frühling – ich nenne es Arabischer Winter – noch nicht vorüber ist. Die Könige und Emire von Bahrain, Saudi-Arabien und Katar und andere sind alle verängstigt. Die Welt verändert sich, und diese Emire und Könige sind auf der falschen Seite der Geschichte. Ihre Tage sind gezählt.“

Saudi-Arabien ist in die Konflikte im Jemen und in Syrien direkt verwickelt und diese Konflikte wirken sich polarisierend auf die Innenpolitik des Landes aus. Neben den Schiiten gibt es noch weitere Gruppen im Land, die die Außenpolitik der Königsfamilie nicht teilen.

Doch es gibt auch kritische Personen unter den saudischen Prinzen, die einen Umsturz der saudischen Monarchie befürworten, berichtet der Guardian. Diesen Personen zufolge ist das Königreich nicht mehr tragbar, weil es seine Legitimität verloren hat.

Defense One berichtet: „Es gibt überhaupt keinen saudi-arabischen Staat. Es handelt sich dabei um einen instabilen Laden, der derart korrupt ist, dass er einer kriminellen Vereinigung ähnelt und die USA sollten sich auf die Zeit danach vorbereiten.“

Die Luft für das saudische Königshaus dünner. Je konfliktträchtiger die Lage in der Region wird, desto mehr Öl verkauft das Land, um die Einnahmen anschließend außer Landes zu schaffen.

Sogar US-Präsident Obama fordert mittlerweile „demokratische Reformen“ von Riad. Er weist auf die Notwendigkeit dieser Reformen hin, um Unruhen in Saudi-Arabien zu verhindern. Dieselbe Rhetorik brachte Obama kurz vor Ausbruch des Syrien-Konflikts im Jahr 2011 gegenüber der Regierung in Damaskus vor. Anschließend brach der aus dem Ausland finanzierte Syrien-Konflikt aus.

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Mehrheit der Deutschen will gute Beziehungen zu Russland
Mehrheit der Deutschen will gute Beziehungen zu Russland
Nach einer aktuellen Umfrage der Körber-Stiftung wollen 95 Prozent der Deutschen und 84 Prozent der Russen gute Beziehungen zueinander. Trotzdem nimmt die Mehrheit der Deutschen Russland als Bedrohung wahr.
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Merkel und Putin haben ein gestörtes Verhältnis. Dennoch will die Mehrheit der Deutschen ein gutes Verhältnis zu Russland. (Foto: dpa)

Merkel und Putin haben ein gestörtes Verhältnis. (Foto: dpa)

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TNS-Infratest hat eine Umfrage zu den deutsch-russischen Beziehungen durchgeführt. Dazu wurden 1.000 Personen in Deutschland und 1.024 Personen in Russland befragt. Die Umfrage wurde von der Körber-Stiftung in Auftrag gegeben.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge befürworten die Mehrheit der Deutschen und Russen „die Rückkehr zur Zusammenarbeit und eine Forstsetzung der historischen Aussöhnung“, meldet die Stiftung in einer Mitteilung. Gemeinsamen guten Beziehungen stimmen 95 Prozent der Deutschen und 84 Prozent der Russen zu.

„Wenn es darum geht, mit welchem Land in Zukunft eine stärkere Zusammenarbeit gewünscht wird, nennen die Deutschen Russland an zweiter Stelle direkt nach Frankreich. In Russland belegt Deutschland sogar den ersten Platz, dicht gefolgt von China“, so das Ergebnis der Umfrage.

Trotzdem empfinden knapp die Hälfte, also 48 Prozent,  der Deutschen Russland für bedrohlich, wohingegen nur ein Viertel der Russen Deutschland als Bedrohung wahrnehmen. Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, sagt, dass Russland eindeutig zu Europa gehöre. Deshalb sei es wichtig, den Dialog zwischen beiden Ländern und Völkern zu stärken.

Zuvor wurde eine Forsa-Umfrage veröffentlicht, die von der Zeitschrift für Internationale Politik in Auftrag gegeben wurde. Dieser Umfrage zufolge fordert die Mehrheit der Deutschen eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland.

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EU erwägt Internierungslager für Flüchtlinge in Libyen
EU erwägt Internierungslager für Flüchtlinge in Libyen
Die EU erwartet in den Sommermonaten einen verstärkten Zustrom von Migranten über das Mittelmeer. Der Auswärtige Dienst denkt deshalb über die Einrichtung von Internierungslagern in Libyen nach. Nicht zuletzt aufgrund des im Land herrschenden Machtvakuums wird die Idee kritisiert.
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Von Libyen aus brechen viele Flüchtlinge in Richtung Europa auf. (Foto: dpa)

Von Libyen aus brechen viele Flüchtlinge in Richtung Europa auf. (Foto: dpa)

Angesichts zahlreicher Flüchtlinge, die in Libyen auf eine Überfahrt nach Europa hoffen, erwägt die Europäische Union den Aufbau von „Inhaftierungseinrichtungen“ in dem nordafrikanischen Krisenstaat. Das geht aus einem 17-seitigen Dokument des Europäischen Auswärtigen Dienstes hervor, das am Freitag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. In dem Papier werden Möglichkeiten der EU für eine Zusammenarbeit und Stärkung der Einheitsregierung in Libyen beschrieben.

Dabei geht es auch um die Flüchtlingspolitik. Der Kampf gegen Schlepper und Menschenschmuggel sei für die Behörden des Landes kaum möglich. Als Möglichkeit einer Kooperation wird die „Unterhaltung zeitweiliger Unterkünfte“ für Flüchtlinge genannt. „Nachgedacht werden muss auch über Inhaftierungseinrichtungen“, heißt es in dem Dokument. Die EU-Experten betonen jedoch, dass auch Alternativen zu einer Inhaftierung von Flüchtlingen erwogen werden müssten. Sie unterstreichen zudem, dass die Migranten mit Würde und voller Rücksicht auf die Menschenrechte behandelt werden müssten.

Auch wird eine besondere Aufmerksamkeit für Kinder, unbegleitete Jugendliche und Frauen gefordert. Die Überlegungen der EU-Experten in dem auf den 1. April datierten Papier riefen in Deutschland dennoch Kritik hervor. „In Libyen gibt es noch keine anerkannte Regierung, geschweige denn funktionierende staatliche Strukturen“, sagte die Grünen-Außenpolitikexpertin Franziska Brantner zu AFP. „Wer in Libyen soll denn über die Einhaltung von Menschenrechts- oder Rechtsstaatsstandards in jenen Auffanglagern wachen, über deren Errichtung die Brüsseler Diplomaten jetzt räsonieren?“

Nach der Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge wird erwartet, dass Migranten wieder verstärkt versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die Fahrt in oft überfüllten Schlauchbooten ist gefährlich und hat schon unzähligen Menschen das Leben gekostet. Gerade in den Sommermonaten könnten viele die Überfahrt wagen.

Die EU ist im Mittelmeer mit der Mission „Sophia“ im Einsatz, um gegen Schlepper vorzugehen. Erst am Donnerstag nahm die deutsche Marine 599 Flüchtlinge auf, die vor der libyschen Küste in Seenot geraten waren. In dem EU-Papier wird eine Ausweitung des Einsatzes dahingehend erwogen, dass die EU-Mission beim „Aufbau der libyschen Küstenwache und Marine“ helfen könnte.

Brantner fühlt sich angesichts der Überlegungen aus Brüssel an Zeiten erinnert, in denen die EU mithilfe des damaligen Despoten Muammar al-Gaddafi Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa stoppen wollte. „Der Unterschied zu den letzten Deals dieser Art, die die EU mit Libyen schließen wollte ist, dass Gaddafi ein Despot war und heute bis auf weiteres ein Machtvakuum herrscht“, sagte die Grünen-Politikerin. „Solange dieses nicht gefüllt ist und ein Minimum an Schutz für die Migranten gegeben ist, verbieten sich derlei Überlegungen.“

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„Wir sind auf dem Weg zu einem digitalen Proletariat“
„Wir sind auf dem Weg zu einem digitalen Proletariat“
Die durch das Internet angestoßene, technologische Veränderung wird nach Ansicht von Mindshare-Chef Christof Baron zu gravierenden sozialen Verwerfungen führen. Weil im Zeitalter der Roboter und künstlicher Intelligenz weniger Menschen gebraucht werden, rechnet Baron mit sozialen Unruhen und einer Zunahme von…
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Facebook verändert die Welt nicht immer zu Besseren. (Foto: dpa)

Facebook verändert die Welt nicht immer zu Besseren. (Foto: dpa)

Christof Baron, CEO, CEE & Non-Executive Chairman, Mindshare Deutschland (Foto: Christof Baron)

Christof Baron, CEO, CEE & Non-Executive Chairman, Mindshare Deutschland (Foto: Christof Baron)

Alle Innovationen, die auf dem Internet aufbauen, sowie die zunehmende Vernetzung von „Dingen“ verändern unsere Umwelt und Arbeitswelt, ganz besonders durch die enormen Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und Robots. Und dies in einer Geschwindigkeit, für die es keinen historischen Vergleich gibt. Die daraus resultierenden Folgen sind nach Einschätzung des Chefs von Mindshare Deutschland, Christof Baron, nicht nur erfreulich, sondern erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung.

Wirft man einen Blick zurück, so sind alle technologischen Umwälzungen nie spurlos an der Menschheit beziehungsweise einzelnen Gesellschaften vorübergegangen. Es gab immer erhebliche Anpassungsprobleme, ob bei der Erfindung der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls, der Erfindung des Autos, der industriellen Fertigung am Fließband, der Entdeckung der Elektrizität und Atomenergie zur Energieerzeugung und vieler anderer Entwicklungen, deren Adaption und Durchsetzung nicht nur sehr lange dauerten, sondern auch einen brutalen Druck auf einzelne Teile der Gesellschaft ausübten. In der Regel brauchte es Jahrzehnte, bis die Mehrheit der Bevölkerung einen Nutzen daraus ziehen konnten.

Zurückblickend lässt sich heute konstatieren, dass alle Innovationen, die die Kraft und das Potential hatten, einen relevanten Fortschritt in Teilbereichen des Alltags zu liefern, sich positiv ausgewirkt haben. Das Ergebnis waren  mehr Wohlstand, weniger Hunger, eine geringere Säuglingssterblichkeit und höhere Alterserwartung, bessere Jobs und vieles mehr.

Allerdings gab es meist auch unzählige Opfer, bevor eine Mehrheit von dem Innovationspotential profitieren konnte. Natürlich gibt es immer noch und überall massive Ungleichgewichte zwischen einzelnen Ländern. Und das nicht nur zwischen hochentwickelten Ländern in West-Europa und Asien, sondern auch innerhalb politischer Konstrukte wie der EU – trotz enger wirtschaftlicher und politischer Kooperation.

Mit jeder Weiterentwicklung, mit jeder neuen technischen Innovation, haben sich Märkte einander angenähert. Aus dem Markplatz auf dem Dorf als zentralem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens wurde ein globaler Marktplatz mit komplexen Verästelungen in alle Ecken der Erde. Gleichzeitig hat die Geschwindigkeit des Austauschs und der Verbreitung von Leistungen und Informationen stetig zugenommen: wo früher Informationen Jahre brauchten um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, werden heute nur noch Millisekunden benötigt.

Die Geschwindigkeit, mit der sich nun das Internet kontinuierlich ausdehnt und alle Lebensbereiche durchdringt, ist bislang einmalig. Und die Wucht, mit der dies derzeit geschieht, ist ebenfalls beispielslos. Baron sieht grundsätzliche Herausforderungen für alle Gesellschaftsschichten in aller Welt. Niemand wird sich dieser Entwicklung entziehen können, sofern er nicht ein Leben als Esoteriker auf einer einsamen Insel führt – oder der Meinung ist, auf Technik weitestgehend verzichten zu können. Eine Minderheit also.

Die technologische Revolution werde zu einem Siegeszug von Robotern beziehungsweise Assistenz- und Automatisierungslösungen führen, die viele Menschen aus der Erwerbsarbeit, wie wir sie heute definieren, treiben wird.

„Wir sind in unseren Gesellschaften und den vorherrschenden, sehr starren Strukturen nicht auf diese Umwälzungen in dieser Geschwindigkeit vorbereitet. Das zeigt sich schon allein an den Schwierigkeiten der EU, wettbewerbsfähige digitale Strukturen zu schaffen“, so Baron. „Eine Studie der US-Institution White House’s Council of Economic Advisers (CEA) kommt zu dem Ergebnis, dass alle Jobs die weniger als 20 US-Dollar pro Stunde verdienen, durch Computer ersetzt werden. Dies betrifft aktuell 62 Prozent aller Arbeitsverhältnisse. Bei Jobs zwischen 20 und 40 US-Dollar beträgt die Wahrscheinlichkeit hinsichtlich der Ersetzbarkeit 31 Prozent, und bei Jobs ab 40 US-Dollar nur noch 4 Prozent.

Vergleichbare Studien von der Oxford University und McKinsey kommen zu ähnlichen, wenn auch nicht ganz so gravierenden Ergebnissen. Die Oxford-University prognostiziert, dass bis zu 50 Prozent der Jobs zwischen 2025 und 2035 wegfallen werden, McKinsey rechnet mit 45 Prozent. Das Forschungsinstitut ZEW kommt in einer Studie aus dem Jahr 2014 zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 18 Millionen Jobs von der Einführung von Automatisierungtechnologien betroffen sein werden, aber tatsächlich – bezogen auf den Aufgabenbereich – bis zu 5 Millionen Arbeitsplätze bedroht sein können. Das ist immer noch eine stattliche Zahl. Ganz klar – es werden neue Jobs entstehen, die wir heute noch gar nicht auf dem Schirm haben. Eine höhere Qualifizierung, eine bessere (Aus-)Bildung wird ebenfalls helfen, die negativen Effekte des Systemwandels zu minimieren. Aber nicht alle Jobs werden durch gleichwertige ersetzt oder irgendwann wiederkommen. Und ich denke, dass wir eine ähnliche Entwicklung in allen entwickelten Volkswirtschaften erleben werden, aber nicht nur dort. Die Volkswirtschaften, die bis dato kostengünstig manuelle Tätigkeiten für die hochentwickelten Länder übernommen haben, stehen im Zweifel aufgrund steigender Arbeitskosten vor noch größeren Herausforderungen, da sie nicht über ausreichend entwickelte Strukturen verfügen.“ Dadurch werde die „Stabilität der Gesellschaften im Kern getroffen“.

Der zunehmende Einsatz von Robotern wird sich ebenfalls global auswirken: „Wenn Roboter verstärkt in der Produktion eingesetzt werden, muss ein Unternehmen diese nicht in die Schwellenländer verlagern. Die Anschaffungskosten für den Roboter sind überall gleich, ob ich ihn nun in Vietnam oder Rumänien einsetze. Allerdings ist man dichter an den Abnehmermärkten und schneller und kostengünstiger in der Logistik, und im Zweifel sind auch die strukturellen Rahmenbedingungen besser. Jene Länder, die heute vom Outsourcing profitieren, werden mittelfristig die Folgen spüren.“ Baron nennt den chinesischen Zulieferer Foxconn als Beispiel: „Foxconn hat angekündigt, 30 Prozent der Belegschaft in den nächsten fünf Jahren durch voll automatisierte Fertigungsprozesse zu ersetzen. Das sind über 300.000 Mitarbeiter! Man möchte zwar einen Teil der Mitarbeiter in höherwertige Produktionsbereiche übernehmen, aber es ist illusorisch anzunehmen, dass ein Bedarf von zusätzlich 300.000 Ingenieuren besteht. Was passiert in Märkten, in denen ein Großteil der Menschen in der Landwirtschaft arbeitet, aber sich auch hier die Digitalisierung und die Industrialisierung in der Bewirtschaftung großer Flächen mittelfristig durchsetzen werden? Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, wenn verhindert werden soll, dass es zu immensen sozialen Spannungen kommt.“

Wenn die menschliche Arbeitskraft teurer ist als die eines Roboters oder mit Hilfe des Einsatzes neuer Technologien und Software, die in der Lage sind sich selbständig zu optimieren, Produkte schneller, besser und billiger produziert werden können, wird sich zunehmend die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Produktionsfaktors Mensch stellen.

Eurozone wächst zu Jahresbeginn stärker als erwartet
Eurozone wächst zu Jahresbeginn stärker als erwartet
Die Volkswirtschaften der Eurozone wuchsen im ersten Quartal stärker als erwartet. Auf Jahressicht bleiben die Erwartungen der Analysten jedoch eher gedämpft, weil die Daten noch revidiert und zudem von Sondereffekten beeinflusst sein könnten.
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Die Eurozone wuchs im ersten Quartal deutlich stärker als in den USA. (Foto: dpa)

Die Eurozone wuchs im ersten Quartal deutlich stärker als in den USA. (Foto: dpa)

Die Wirtschaft in der Eurozone ist zu Jahresbeginn unerwartet stark gewachsen. Im ersten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 19 Staaten der Währungsunion durchschnittlich um 0,6 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2015 zugelegt, teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag laut AFP mit. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahreszentrum lag das Wachstum laut Eurostat bei 1,6 Prozent. Damit übertrifft die Eurozone das amerikanische Ergebnis zum ersten Quartal von 0,1 Prozent deutlich.

„Selbst aus Frankreich kommen jetzt positive Überraschungen. Dort lag der Zuwachs bei 0,5 Prozent, unter anderem aufgrund eines Nachholeffektes beim Konsum nach den Terroranschlägen. Zudem haben die niedrigen Ölpreise – wie in allen europäischen Ländern – geholfen. Erfreulicherweise sind zudem die Investitionen der nichtfinanziellen Unternehmen erneut deutlich gestiegen. Damit wird der Aufschwung breiter, wenngleich die Bautätigkeit weiterhin schwach verläuft. Trotzdem ist eine Erhöhung unserer Wachstumsprognose auf 1,5 Prozent für 2016 (vorher: 1,3 Prozent) gerechtfertigt“, heißt es in einer Stellungnahme der Helaba.

In der gesamten EU stieg die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Schlussquartal 2015 um 0,5 Prozent, wie Eurostat weiter mitteilte. Gegenüber dem Vorjahreszeitrum verbuchte die EU demnach ein Wachstum von 1,7 Prozent. Insbesondere Verbraucher und Unternehmen hätten Beobachtern zufolge mehr ausgegeben und investiert.

Die offizielle Zahl der Arbeitslosen liegt derzeit auf dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Im März hatten demzufolge rund 16,4 Millionen Frauen und Männer keine Stelle – 226.000 weniger als im Februar und fast 1,5 Millionen weniger als ein Jahr zuvor.

Die mittelfristigen Aussichten der Eurozonen-Wirtschaft werden weiterhin aber eher verhalten beurteilt. Es sei „unwahrscheinlich, dass die Eurozone diese Wachstumsrate im zweiten Quartal halten kann“, meinte Howard Archer von IHS Global Insight. Er ging deshalb davon aus, dass das Wachstum im Gesamtjahr erneut bei 1,6 Prozent liegen werde. Auch die Experten von Capital Economics zeigten sich abwartend. „Wir haben genug falsche Morgenröten gesehen, um zu zögern, bevor wir zu dem Schluss kommen, dass die Wirtschaft der Eurozone auf dem Weg zu einer soliden und anhaltenden Erholung ist.“

Andere Beobachter weisen darauf hin, dass das starke Plus teilweise auf Sonderfaktoren wie Kalendereffekte und den vergleichsweise milden Winter zurückzuführen sei. Zudem müsse sich die Verlässlichkeit der Schätzung erst noch erweisen. Bislang hat Eurostat erst 45 Tage nach Quartalsende eine erste Wachstumszahl genannt, die endgültigen Daten folgten dann weitere 20 Tage später. Die aktuelle Schnellschätzung wurde nun schon rund 30 Tage nach Quartalsende veröffentlicht werden, kann aber später noch Revisionen nach sich ziehen, berichtet Reuters.

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Studie: Kaufprämie für E-Autos verfehlt ihr Ziel
Studie: Kaufprämie für E-Autos verfehlt ihr Ziel
Die von Bundesregierung und Automobilindustrie beschlossene Kaufprämie für Elektroautos droht einer Studie zufolge zu verpuffen. Im Vergleich deutlich höhere Anschaffungskosten gelten nach wie vor als größte Hürde. Verstärkt informieren möchten sich potentielle Kunden offenbar trotzdem.
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Ein Elektroauto wird in Celle an einer Stromtankstelle aufgeladen. (Foto: dpa)

Ein Elektroauto wird in Celle an einer Stromtankstelle aufgeladen. (Foto: dpa)

Jeder siebte Verbraucher in Deutschland spiele zwar mit dem Gedanken, sich einen batteriebetriebenen Wagen zuzulegen. Für mehr als die Hälfte der Interessenten sind Kaufprämien und steuerliche Vergünstigungen jedoch kein Grund für die Wahl eines Elektroautos, wie aus einer am Freitag in Nürnberg veröffentlichten Befragung der GfK-Marktforschung hervorgeht. Entscheidend seien hingegen Umweltaspekte und geringere Unterhaltskosten im Vergleich zu Wagen mit Benzin- oder Dieselmotoren.

Zwei Drittel der Befragten empfinden Reuters zufolge die hohen Anschaffungskosten von Elektroautos als wesentliche Hürde. Daran ändere eine Kaufprämie wenig. Denn gegen eine höhere Akzeptanz von Elektroautos sprächen die geringe Reichweite und lange Batterieladezeiten. Eine wichtige Rolle bei der Anschaffung spiele die Infrastruktur, wenn es um die Wahl des Antriebs gehe. Rund die Hälfte der Verbraucher sei der Auffassung, dass das Netz an Ladestationen noch unzureichend sei. Die Ergebnisse des GfK Global Green Index, basieren auf einer Befragung von Anfang April.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Laden zu Hause die Grundvoraussetzung für eine weitere Verbreitung der Elektromobilität ist“, so Philipp Schmidt, Energie- und Umweltexperte bei GfK über die Stimmung der Verbraucher. „Ergänzend ist es aber wichtig, ein möglichst breites Netz auch für kurze Ladezeiten zur Verfügung zu stellen.“

Bundesregierung und Autoindustrie wollen die Deutschen mit einer Prämie von 4000 Euro zum Kauf von Elektro-Fahrzeugen bewegen. Darauf hatten sich beide Seiten in einem Spitzengespräch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen verständigt. Gelten soll der Kaufanreiz ab Mai. Damit sollen die vergleichweise teuren Elektro-Autos billiger und attraktiver werden. Ob das Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 damit erreicht werden kann, wird allerdings bezweifelt.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bekomme unterdessen bereits „vermehrt Anfragen dazu“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Die Anfragen gingen „an verschiedensten Stellen“ im Hause ein.

Der Zulieferer Continental geht davon aus, dass reine Elektroautos in den nächsten Jahren weiter ein Nischendasein fristen werden. Als Gründe nannte Vorstandschef Elmar Degenhart am Freitag vor den Aktionären zu hohe Kosten und einen zu geringen Energiegehalt der Batterien. Um sich durchzusetzen, müssten reine Elektroautos mit einer Batterieladung mindestens 500 Kilometer weit fahren. „Und zwar real auf der Straße! Nicht im Labor“, so der Conti-Chef. Als Übergangslösung sei deshalb die Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektroantrieb nötig. Solche Hybridautos sind immer mehr gefragt.

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