China sieht Gefahr einer Kredit-Klemme

China setzt Journalisten unter Druck, um die Berichterstattung über die Kreditklemme zu kontrollieren. Die Regierung hat Angst vor einem Zusammenbruch der Börsen, sobald der Handel am Montag wieder eröffnet. Zuletzt verschärfte sich die Lage trotz des Eingreifens der Zentralbank.

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Das chinesische Propagandaministerium legte Journalisten und Medienunternehmen nahe, ihre Berichterstattung über die Kreditklemme zu reduzieren. Dies berichtet die Financial Times. Die Regierung zeigt sich besorgt, dass die Aktienkurse weiter einbrechen könnten, wenn der Handel am Montag wieder eröffnet wird.

Als Reaktion auf die Zinsanstiege hat die chinesische Zentralbank einen Notfallplan ergriffen und den Markt mit Liquidität geflutet, wie Guardian berichtet. Aus dem Plan geht hervor, dass die Zentralbank 300 Milliarden Renminbi (36 Milliarden Euro) für einzelne Banken bereitgestellt hat. Dennoch stiegen die Interbanken-Zinsen am folgenden Tag erneut stark an. Die kurzfristigen Zinsen lagen bei 8,2 Prozent und damit doppelt so hoch wie noch zum Anfang der Woche (mehr hier). Auch der Shanghai Composite fiel um zwei Prozent und verbucht damit seit neun Tagen Verluste. Das ist die längste Verlustserie der chinesischen Börse seit 19 Jahren.

Die Interbanken-Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich chinesische Banken unter einander Geld leihen. Der starke Anstieg deutet darauf hin, dass die Banken Geld horten und sehr zurückhaltend dabei sind, sich gegenseitig Kapital zu leihen. Die derzeitige Situation am Interbanken-Markt erinnert an die Kreditklemme, die im Juni Chinas Wirtschaft vor schwere Probleme stellte (hier).

Damals gab die chinesische Regierung eine Direktive heraus, die Journalisten ein Redeverbot erteilte. Sie wurden angewiesen „zu erklären, dass die Märkte garantiert ausreichend Liquidität zur Verfügung haben“. Die Reporter sollten zudem „ihre positive Berichterstattung verstärken“ und „über die positiven Aspekte der Wirtschaft berichten, um das Marktvertrauen zu stärken.“

Die Zensoren des Propagandaministeriums haben die Journalisten auch diesmal davor gewarnt, die Kreditklemme zu dramatisieren. Außerdem haben sie einigen Journalisten verboten, dass chinesische Wort für Kreditklemme zu benutzen, wie die Financial Times berichtet. Die Warnung zeigte Wirkung. Eine große, staatliche Nachrichtenagentur erwähnte das Thema nur am Rande. Unabhängige chinesische Webseiten, die für ihre kritischen Kommentare bekannt sind, griffen das Thema überhaupt nicht mehr auf oder verwiesen nur auf die Stellungnahme der Zentralbank.


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