Politik

Fukushima: USA behindern Messung von radioaktivem Niederschlag

Das renommierte Forschungszentrum MIT ist besorgt: Messungen des gefürchteten radioaktiven Niederschlags von Fukushima haben höhere Werte ergeben, als nach der Atom-Katastrophe von Tschernobyl. Die US-Behörden hatten versucht, die Wissenschaftler an den Messungen zu hindern.
29.01.2014 00:03
Lesezeit: 2 min

Auf einem Symposium des Massachusetts Institute of Technology (MIT) verkündeten Wissenschaftler die Mess-Ergebnisse des radioaktiven Niederschlags nach der Atom-Katastrophe vom März 2011. Demnach erreichte die Verseuchung der Umwelt mit Cäsium-137 ähnliche Grade wie nach dem Super-GAU von Tschernobyl. Zudem sagten die Wissenschaftler aus, dass US-Behörden sie bei ihrer Arbeit behindert und ihnen sogar Messungen boykottiert hätten.

Bei der Vortragsreihe am MIT sprachen Chemiker, Physiker und Ozeanologen über die direkten Folgen der Atom-Katastrophe von Fukushima. Dabei werteten sie Messwerte des radioaktiven Niederschlags in Form von Cäsium-134 und Cäsium-137 aus. Ersteres hat nur eine realtiv kurze Halbwertszeit von 2 Jahren, während Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren aufweist.

„Die aktuellsten Zahlen, die mir vorliegen, zeigen, dass 80 Petabecquerel von Cäsium-137 in die Umwelt abgegeben wurden“, sagte Jay Cullen, Dozent am Institut für Geo- und Meereswissenschaften an der Universität von Victoria.

Beim Super-GAU von Tschernobyl wurde Cäsium-137 im Umfang von etwa 75 Petabecquerel freigesetzt.

„Fukushima hat etwa 50 bis 80 Petabecquerel in 2011 freigesetzt. Ich sehe mir diese beiden an [Tschernobyl und Fukushima] und behaupte, dass sie in ihrem Ausmaß durchaus vergleichbar sind“, sagte der Meeres- und Geo-Chemiker Ken Buesseler.

Der Unterschied sei lediglich, dass der radioaktive Niederschlag von Tschernobyl größtenteils über dem Festland niederging, während er bei Fukushima hauptsächlich aufs Meer hinausgetragen wurde. Das sei das große Glück der Japaner gewesen, aber hätte dafür das Ökosystem des Pazifiks empfindlich getroffen, so Buesseler.

Die Wissenschaftler am MIT kritisierten auch, dass Regierungsbehörden sie bei den Messungen behindert haben. Sowohl das National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), als auch die Environmental Protection Agency (EPA) und das Energie Ministerium (DoE) boykottierten die Arbeit der Wissenschaftler.

„Wir boten unsere Dienste der NOAA an, denn wir wollten mit unserer Expertise helfen. […] Das NOAA hatte die Aufgabe dieses Desaster zu untersuchen und die amerikanische Reaktion darauf abzuschätzen. Ihre Reaktion war weitere Modelle anzufertigen und dadurch die Effekte [des radioaktiven Niederschlags] einzuschätzen, aber keine Außen-Messungen. Sie sagten, sie machen so etwas nicht. Sie messen keine Radionuklid. Stattdessen schoben sie die Verantwortung an das Energie Ministerium weiter. Dieses wiederum sagte, es hätte nichts mit den Meeren zu tun. Das sei Aufgabe des NOAA und nicht ihr Problem“, sagte Buesseler bei seinem Vortrag am MIT.

In den Tagen und Wochen nach der Katastrophe von Fukushima, fürchteten sich die Bewohner der US-Westküste vor dem radioaktiven Niederschlag. Dennoch entschied die Umweltbehörde EPA, keine Messgeräte an den Küsten von Oregon, Washington und Kalifornien aufzustellen. Dies berichtet Central Coast News und bezieht sich dabei auf eine offizielle Email der Umweltbehörde.

Die Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung zeigen sich vermehrt auch vor der amerikanischen Westküste. Massenhaft organisches Material bedeckt die Meeresböden und die Meereslebewesen zeigen unnatürliche Verhaltensweisen (mehr hier). Zudem wurde ein millionenfaches Absterben von Seesternen vor der Westküste der USA und Kanadas beobachtet (hier). Der Höhepunkt der radioaktiven Welle wird zwischen 2014 und 2015 erwartet. Die US-Regierung hat sich vorsorglich mit 14 Millionen Jod-Tabletten eingedeckt (hier).

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...