Sanktionen: Russen ziehen Milliarden von westlichen Banken ab

Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen dem russischen Außenminister Lawrow und US-Aussenminister Kerry haben russische Banken und Unternehmen begonnen, ihr Kapital aus dem Westen abzuziehen. Sie fürchten die Enteignung nach dem Referendum auf der Krim.

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Die Diskussion über Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland im Verlauf des Krim-Konflikts veranlasst russische Unternehmen zum Handeln. Sie wollen verhindern, dass ihre Konten gesperrt werden und ziehen Milliarden von Banken in Europa und den USA ab.

Die EU hatte angekündigt, wegen der Krim-Krise zahlreiche Konten von reichen Russen zu sperren – ohne allerdings im Einzelfall dafür eine rechtliche Handhabe zu haben (mehr hier).

Diese Methode erinnert an die Bankenschließung in Zypern, wo zahlreiche Russe ebenfalls betroffen waren – sehr zum Zorn von Wladimir Putin, der dem Westen damals schon vorwarf, sich nicht an Recht und Gesetz zu halten (mehr hier).

Die Sberbank und VTB, zwei teilverstaatlichte russische Banken, reagierten zuerst. Aber auch das Energieunternehmen Lukoil hat Geld aus Banken mit Geschäftsbeziehungen in die USA abgezogen, berichtet die FT. Die Aktion fand statt, nachdem die Gespräche zwischen US-Außenminister Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über eine diplomatische Lösung der Krise gescheitert waren (mehr hier).

Bis Montag will die USA eine Entscheidung gefällt haben, ob es zu wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland kommen soll. Der Konflikt hat bereits jetzt wirtschaftliche Konsequenzen für Russland und die USA. Die Zinsen für russische, zehnjährige Staatsanleihen sind in die Höhe geschossen und der Rubel nähert sich einem Rekord-Tief an (hier).

Aber auch die USA sehen sich mit finanziellen Konsequenzen durch den Konflikt konfrontiert. So wurden allein in dieser Woche US-Staatsanleihen im Wert von über 100 Milliarden Dollar abgestoßen, die die Fed für ausländische Investoren hielt (mehr hier). Maßgeblich verantwortlich für diesen Massenverkauf sei die Russische Zentralbank, berichtet die FT.

In diesen Zeiten brauche man gar keine Sanktionen zu beschließen, um finanzielle Turbulenzen auszulösen, sagte Christopher Granville, Manager beim Marktforscher Trusted Resources, „die bloße Ankündigung genügt bereits“.

Seit dem Beginn des Krim-Konflikts ist zudem zu beobachten, dass US-Investoren ebenso ihre Vermögenswerte aus Russland retten. US-Banken und Unternehmen sind mit schätzungsweise 76 Milliarden Dollar in Russland engagiert. Die Kreditvergabe für russische Unternehmen durch US-Banken ist bereits zum Erliegen gekommen.

Der ehemalige russische Finanzminister Alexei Kudrin warnte indes davor, dass Sanktionen durch die USA der russischen Wirtschaft 50 Milliarden Dollar zusätzlich pro Quartal entziehen könnte.

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