Banken-Krise weitet sich aus: Espirito Santo-Holding meldet Insolvenz an

Die Banken-Krise in Portugal zieht weitere Kreise: Am Freitagabend hat die Mutter-Holding der Espirito Santo Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft in Portugal hat Ermittlungen gegen das Umfeld der Bank Espirito Santo eingeleitet. Die Regierung in Lissabon sucht nach einem Retter für die angeschlagene Bank. Die Lage wird langsam kritisch.

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Die Finanzschwierigkeiten der portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo hat nun auch auf die Holding der Banco Espirito Santo übergegriffen. Die Espirito Santo Internationale (ESI) mit Sitz in Luxemburg gab am Freitagabend bekannt, dass sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen könne und daher um Gläubigerschutz ansuche.

Die Pleite der Mutter macht eine Kapitalerhöhung bei der maroden Tochter unumgänglich. Es ist allerdings völlig unklar, wer die Skandal-Bank jetzt retten soll. Die Regierung in Lissabon hat einem Bloomberg-Bericht zufolge bereits bei mehreren privaten Banken angeklopft und versucht, die Banken zum Einstieg bei der Espirito Santo zu bewegen. Die Institute hätten sich jedoch geweigert, die Bank ohne genaue Kenntnis der Risiken zu übernehmen.

Das Misstrauen der Banken ist nur allzu begründet.

Die Staatsanwaltschaft gab nämlich am Freitag Ermittlungen gegen das Espirito Santo-Umfeld bekannt. Geprüft würden mögliche strafbare Handlungen. Näher wollten sich die Ermittler nicht äußern (mehr hier).

Die Familie kontrolliert ein ganzes Firmengeflecht, zu dem auch Portugals größtes börsennotiertes Geldhaus Banco Espirito Santo (BES) gehört. Die Finanzprobleme traten bei der Familienholding Rioforte auf, die in dieser Woche Portugal Telecom (PT) eine Zahlung von 847 Millionen Euro schuldig blieb. Dies führte dazu, dass der größte Telekomkonzern des Landes einen deutlich geringeren Anteil in die Fusion mit der brasilianischen Grupo Oi einbringen kann.

Auf PT kommt eine Klage von Investoren zu. Diese werfen dem Unternehmen vor, sie nicht ausreichend über Schuldenrisiken informiert zu haben. Sie kritisieren den Kauf der Rioforte-Schuldtitel als selbstmörderisch. Der Telekomanbieter, an dem die Espirito-Familie beteiligt ist, hält sich bislang dazu bedeckt, warum er einen solch großen Teil seiner liquiden Mittel in die Papiere eines einzigen Unternehmens investierte.

Die Probleme der Bankiersfamilie haben Sorgen um die BES aufgeworfen, die zuletzt dramatisch an Börsenwert verlor (mehr hier). Nach Darstellung des portugiesischen Zentralbankchefs Carlos Costa jedoch ist die Bank in keiner bedrohlichen Situation. Bei Bedarf werde das Institut neue Investoren finden, die frisches Geld zuschießen, sagte Costa am Freitag vor einem Parlamentsausschuss (mehr hier).


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