Deutschland

Gier oder Gerechtigkeit: Der Sachverstand der Bürger ist größer als die Regierung denkt

Bei der ersten DWN-Veranstaltung im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin wurde über die Frage diskutiert, ob die Gier einzelner Player das Verlangen nach einer gerechten Gesellschaftsordnung verdrängen könne.
02.10.2014 01:12
Lesezeit: 2 min

Gier oder Gerechtigkeit“ war das Motto der von Michael Wohlgemuth, Direktor der Denkfabrik Open Europe Berlin, moderierten, ersten DWN-Veranstaltung. Michael Maier, Herausgeber der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, diskutierte in Berlin mit den beiden Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich. Die Diskussion im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin stieß auf lebhaftes Interesse, die Tickets waren ausverkauft.

Das Grundthema: Die Vorherrschaft der politischen und wirtschaftlichen Eliten hat dazu geführt, dass die Gesellschaft auch materiell gespalten ist. Dieser Zustand muss verändert werden, weil ein Staat seine Legitimation verliert, wenn er die Gerechtigkeit der Gier einer kleinen Elite opfert.

Debattiert wurden Fragen, um die sich Regierung und Opposition gleichermaßen zu drücken versuchen: Ist der Crash noch zu verhindern oder doch die Lösung?

Weik und Friedrich sind der Auffassung, dass die verflochtenen Strukturen nur durch einen Crash aufgebrochen werden können. Anhand der Befunde, die die beiden Autoren in ihrem Buch dargelegt haben, ergäbe sich die Erkenntnis, dass das System außer Kontrolle geraten sei. Die beiden Autoren traten in der Debatte auch dem Missverständnis entgegen, dass sie sich den Crash wünschten. Sie sagten, dass die Folgen eines Crashs verheerende Folgen für die Gesellschaft zeitigen werden. Doch sei das System unbeherrschbar geworden. Daher sei der Crash die Lösung - allerdings im Sinne einer unausweichlichen Konsequenz und nicht als einem anzustrebenden Ereignis.

Maier warb für das Modell „Small is Beautiful“, das von Ernst Schumacher und vom Club of Rome bereits in den Achtziger-Jahren vertreten worden was. Die Komplexität, die die Globalisierung mit sich bringt, mache es für den einzelnen Bürger unmöglich, die Hintergründe zu verstehen. Die Staaten und Gesellschaften müssten zu Modellen zurückkehren, in denen politische Verantwortlichkeiten und wirtschaftliche Prozesse transparent und nachvollziehbar würden. Die Zukunft, so Maier, läge nicht in einer unreflektierten Fortschreibung der Hyperglobalisierung, sondern in regionalen und selbstbestimmten Bündnissen. Insbesondere müssten die globalen Finanzströme gebändigt werden, um zu verhindern, dass die Folgen von geldpolitischen Exzessen oder Spekulationen rund um den Globus exportiert werden.

Wohlgemuth plädierte für eine grundlegende Reform der EU. Er zweifelt an der Überlebensfähigkeit des Euro und vertritt die Auffassung, dass die zentralen Entscheidungen auf nationaler Ebene erfolgen müssten, um einen Konsens zwischen Politik und Bürgern herzustellen.

Die Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, dass die Bürger über wesentlich mehr Sachverstand verfügen als ihnen von der Politik gemeinhin eingeräumt wird. Allgemein herrschte die Auffassung, dass die Krise entgegen der schönen Worte der Bundesregierung mitnichten zu Ende sei. Das Misstrauen der Bürger in die Lösungskompetenz der Bundesregierung war durchaus ein konstruktives Votum: Würden die Parlamentarier auf die Wähler hören, könnten sie zahlreiche Fehler vermeiden.

Die beiden Autoren Weik&Friedrich werden am 13.10.2014 in der Urania sprechen. Alle anderen Vorträge der mittlerweile legendären Crash-Propheten hier.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Stagnation und Rezession: Was es konkret heißt, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft
31.08.2025

Deutschlands Wirtschaft steckt weiter fest: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft stärker als erwartet, die Rezession dauert an. Während...

DWN
Immobilien
Immobilien House Flipping: Wie Sie mit sanierungsbedürftigen Objekten Geld machen können
31.08.2025

Der USA-Trend findet auch hierzulande immer mehr Anklang: Beim House Flipping geht es darum, möglichst günstig Immobilien zu erwerben,...

DWN
Technologie
Technologie Fachkräftemangel? Roboter bauen schon heute Häuser – schneller, günstiger, sicherer
31.08.2025

Die Baustelle der Zukunft: Roboter, Drohnen und autonome Helfer übernehmen Aufgaben rund um den Bau – präzise, effizient und 24 Stunden...

DWN
Politik
Politik Was will Trump, der „amerikanische Erdogan“?
31.08.2025

Donald Trump greift die Fed und Amerikas Institutionen frontal an – mit Folgen, die weit über die USA hinausreichen. Droht Europa ein...

DWN
Politik
Politik Trump-Krise: Rebellion im Herzen der MAGA-Bewegung
31.08.2025

Donald Trump sieht sich mit der größten internen Rebellion seiner Amtszeit konfrontiert. Der Epstein-Skandal droht, seine Machtbasis in...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...